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INSM-Bildungsmonitor: Nach der Coronakrise droht die Bildungskrise

Archivmeldung vom 18.08.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 18.08.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Das Ranking des 18. INSM-Bildungsmonitors Bild: Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) Fotograf: Grafik
Das Ranking des 18. INSM-Bildungsmonitors Bild: Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) Fotograf: Grafik

Die Corona-Pandemie hat in allen Bundesländern Schwachpunkte der Bildungssysteme offengelegt. Die Versäumnisse bei der Digitalisierung und anhaltende Konzeptlosigkeit beim Online-Unterricht gehen dabei zu Lasten der Bildungs- und damit der Chancengerechtigkeit.

Darunter leiden vor allem die Kinder und Jugendlichen am meisten, die es ohnehin schwerer haben. Wie groß der erstandene Schaden ist, wird erst in den kommenden Jahren in vollem Umfang erkennbar werden. Die ersten, offensichtlichen Folgen sind beunruhigend und müssen zu einer entschlossenen Zusammenarbeit aller Bildungspolitikerinnen und -politiker führen. Der 18. Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) zeigt dabei nicht nur, wo die Bundesländer vor besonders großen Aufgaben stehen, sondern auch, welche Länder als positive Beispiele und Vorbilder dienen können. Neben der umfangreichen Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) enthält der INSM-Bildungsmonitor dieses Jahr auch zwei repräsentative Umfragen unter den vorrangigen Bildungsverantwortlichen: Eltern und Lehrkräften.

In der vom Meinungsforschungsinstituts Civey durchgeführten Umfrage sagen bundesweit 56 Prozent der Eltern schulpflichtiger Kinder, dass sie mit den Lernangeboten der Schulen während des vergangenen Schuljahres unzufrieden bzw. sehr unzufrieden waren. 22 Prozent waren zufrieden und lediglich knapp 8 Prozent sehr zufrieden. Die Antworten korrelieren dabei mit der Schulbildung: umso geringer die Schulbildung der Eltern, desto größer deren Unzufriedenheit. Differenziert nach Bundesländern sind Eltern in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen und Brandenburg besonders unzufrieden. Im Mittelfeld liegen Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Saarland und Berlin. Deutlich zufriedener als der Durchschnitt waren Eltern in Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Bayern und Niedersachsen.

In einer weiteren Befragung wurden die Lehrkräfte um eine Einschätzung des gegenwärtigen Leistungsstands der Schülerinnen und Schüler gebeten. Rund 47 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer sehen bei mehr als der Hälfte oder gar bei fast allen Schülerinnen und Schülern gravierende Lernrückstände durch die besonderen Umstände des letzten Schuljahrs. Etwa 44 Prozent stellen das bei weniger als der Hälfte oder nur bei sehr wenigen fest. Diese sehr heterogenen Ergebnisse zeigen, wie wichtig eine genaue und möglichst individuelle Überprüfung der Lernstände ist. Statt pauschaler Maßnahmen müssen zielgerichtete Angebote erarbeitet werden.

Der Geschäftsführer der INSM, Hubertus Pellengahr, erneuert daher die Forderung der INSM nach einem Corona-Aufholprogramm. "Erst mit vergleichbaren Tests den individuellen Status quo feststellen, dann mit Förderunterricht und digitalen Lernangeboten gezielt nachhelfen. Dazu müssen die Lehrkräfte weitergebildet und durch 20.000 IT-Fachkräfte von administrativen Aufgaben entlastet werden." Der Studienleiter des IW, Prof. Dr. Axel Plünnecke, warnt vor den sich verschärfenden Problemen bei der Bildungsarmut und zunehmender Ungleichheit der Bildungschancen und betont die Bedeutung digitaler Kompetenzen für die künftigen Herausforderungen von Digitalisierung und Klimaschutz. "Mehr Investitionen in hochwertige Kitas und Ganztagsschulen, zusätzliche gezielte Mittel zur individuellen Förderung und eine Stärkung von MINT- Kompetenzen sichern Bildungs- und Teilhabechancen des Einzelnen und den nachhaltigen Wohlstand der Gesellschaft."

Nur noch sehr geringe Fortschritte im Ranking

Die besten Ergebnisse erzielen Sachsen (1.) und Bayern (2.). Auf Platz drei landet Hamburg, das sich wie das Saarland (5.) verglichen zum Jahr 2013 deutlich verbessert hat. Das Mittelfeld reicht von Hessen (7.) bis Brandenburg (15.). Mit Abstand Letzter ist Bremen. Der Grund: Der kleine Stadtstaat ist Schlusslicht bei den Bereichen Schulqualität, Bildungsarmut und Integration, was sich negativ auf die Gesamtbewertung auswirkt.

Befund: Im Bildungsmonitor zeigen sich insgesamt nur noch sehr geringe Fortschritte gegenüber dem Bildungsmonitor 2013, in welchem Jahr erstmals die aktuelle Indikatorik Anwendung fand und die Ergebnisse deswegen vergleichbar sind. Die größten Rückschritte gab es bei der Schulqualität (-17,9), bei der Integration (-14,9) und bei der Reduzierung von Bildungsarmut (-3,5). Der aktuelle INSM-Bildungsmonitor bildet datenmäßig den Zeitraum 2018 bis 2020 ab und beschreibt damit die Herausforderungen bis zum Beginn der Corona-Krise. Aktuellere Daten in der Breite sind nicht verfügbar.

Quelle: Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) (ots)


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