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Die Verwandlung in Hamburg: eine Moschee statt einer Kirche - kein Drama für Evangelisten

Archivmeldung vom 19.02.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 19.02.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Die Kapernaumkirche in Horn steht seit 2005 leer.
Die Kapernaumkirche in Horn steht seit 2005 leer.

Foto: Joern M
Lizenz: GFDL
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Derzeit sorgt der Verkauf einer evangelischen Kirche an eine muslimische Gemeinde im Hamburger Stadtteil Horn für viel Aufregung. Radio "Stimme Russlands" Korrespondentin Daniela Hannemann fragte den Pressesprecher der evangelischen Kirche in Hamburg, Matthias Benkert was die Kirche über den Verkauf denkt. Anschließend sprach sie auch noch mit dem Pressesprecher der islamischen Al-Nour-Gemeinde Daniel Abdin.

Die evangelische Kirche in Horn wurde von der islamischen Al-Nour Gemeinde gekauft. Wie ist es dazu gekommen?

Benkert: „Im engeren Sinne ist es gar keine evangelische Kirche mehr, es ist eine ehemalige evangelische Kirche, die 2002 endwidmet wurde, das heißt, seit Weihnachten 2002 hat sie keine religiöse Bestimmung mehr. Nichtsdestotrotz ist sie noch als Kirche erkennbar und emotional symbolisch natürlich weiterhin eine Kirche. Und ohne unseres Wissens, also uns heißt, ohne das Wissen der evangelischen Kirche in Hamburg hat dann der Inhaber dieser Kirche es Ende letzen Jahres, Anfang diesen Jahres an die Al-Nour Gemeinde verkauft.“

Sie haben gesagt ohne unseres Wissens, war das nicht so von Ihnen gewollt?

„Nein - es ist ganz klar so nicht von uns gewollt gewesen, damals 2004 und 2005 auch überhaupt nicht absehbar, das es noch einmal weiterverkauft werden würde und dann schon gar nicht an eine sogenannte "nichtchristliche" Religionsgemeinschaft, wie das in unseren Rechtstexten heißt, denn später, also nach 2005 haben wir inzwischen die entsprechenden Kirchengesetze und Rechtsverordnungen, die ganz klar sagen, aus historischer Verantwortung, aus Verantwortung vor den Gemeindemitgliedern und weil es natürlich ein unterschiedliches Gottesbild ist, was in so einem Raum gepredigt wird, sagen wir, kein Verkauf, keine Nutzung und auch kein Weiterverkauf oder Weiternutzung durch z.B. eine Moscheegemeinde. Aber eins ist uns wichtig, wir sind nicht gegen die Präsenz einer Moscheegemeinde, das ist uns ganz wichtig. in Hamburg läuft ein sehr toller und intensiver interreligiöser Dialog, wir unterstützen unsere muslimischen Partner, das sie auch sichtbar ihre Religion leben - aber - man muss die Differenzen auch benennen, wir haben eine andere Vorstellung von Gotteshäusern mit entsprechender Predigt darin. Und das sind sozusagen die Bauchschmerzen.... aber die Situation ist wie sie ist jetzt und die Gemeinde vor Ort hat zum Beispiel auch schon Vertreter der Moscheegemeinde eingeladen und andersrum auch, sodass man schauen kann wie es weiter geht - und dass die gute Nachbarschaft in dem Ort erhalten bleibt.“

Vor einiger Zeit wurde auch eine evangelische Kirche an eine russisch orthodoxe Gemeinde verkauft, war das kein Problem?

„Genau, das ist auch klar geregelt, wenn es an eine christliche Konfession geht - die anerkannt ist - also ein anderes Beispiel ist eine griechisch orthodoxe Gemeinde oder ein drittes Beispiel: eine Kirche wird durch eine afrikanische christliche Gemeinde genutzt, das ist kein Problem, weil da ja der christlich-ökumenische Konsens eindeutig belegt ist.

Und was wäre mit ner jüdischen Gemeinde, das würde dann wieder nicht gehen?

„Doch, das wiederum ist vorstellbar - wobei das wird im Einzelfall überprüft, das ist nicht automatisch, bei ner jüdischen Gemeinde wird nochmal konkret geschaut. Aber die christlich-jüdische Tradition ist viel enger und da gibt es viel stärkere Gemeinsamkeiten als im christlich-islamischen Dialog. Das ist ganz wichtig, also Jesus selbst war Jude, das Christentum ist direkt aus dem Judentum entstanden, wir haben das christliche alte Testament, dass gleichzeitig die hebräische alte Bibel für das Judentum - identisches Schriftgut - also da ist die Tradition, auch wie Gott in einem Haus gepredigt wird, viel näher dran als zwischen dem islamischen und christlichem Verständnis.“

Jetzt beziehen Sie sich da immer zurück auf die Vergangenheit, aber vielleicht ist das ja auch die Aufgabe jetzt für die Zukunft, dass eben die muslimische und die christliche Tradition sich in der Zukunft weiter verbrüdern werden, als sie es bisher getan haben, wollen Sie das nicht weiter voran treiben, durch vielleicht so einen Gedanken, dass ein Gotteshaus ein Gotteshaus ist?

„Die Diskussion läuft ja, die lief schon vereinzelt und ist durch dieses Beispiel jetzt in Hamburg wieder auferstanden - und das ist ja auch eine Diskussion der wir uns stellen, denn grundsätzlich ist das Problem vor dem wir gerade stehen, dass wir auch in Zukunft Kirchgebäude abgeben müssen. Also die Herausforderung ist da und wie gesagt, es wird diskutiert, das mus man zugeben, offiziell ist der Konsens, das es nicht erlaubt oder gestattet ist, das es ein islamisches Gotteshaus wird.“

Interview mit Pressesprecher des islamischen Al-Nour Gemeinde

Korrepsondentin Daniela Hannemann sprach mit dem Pressesprecher der islamischen Al-Nour-Gemeinde Daniel Abdin.

Herr Abdin, ihre Gemeinde hat eine evangelische Kirche gekauft, warum?

Also vorab muss ich Ihnen sagen, dass wir nie explizit nach einer Kirche gesucht haben - wir beten seit 20 Jahren in einer Tiefgarage und suchen nun seit über acht Jahren nach einem geeignetem Gebäude, wo wir in Würde unsere Gottesdienste abhalten können. Erst ohne Erfolge, aber dann hat man uns die Kirche angeboten. Wir wissen, dass das ein sensibles Thema ist, daher haben wir immer beteuert, dass wir stets transparent, dialogorientiert und informativ mit der Situation umgehen. Teilweise verstehe ich die Ängste mancher Menschen, ich gehe davon aus, dass dies aus mangelnder Berührung mit den Muslimen entsteht. Und ich denke, es ist unsere Aufgabe, dass wir für einen Dialog sorgen, zumal wir dadurch eine "Win-Win-Situation" schaffen. Das Gebäude ist wirklich eine Ruine, die wir dann grundsarnieren würden, und somit erhalten wir eine architektonisch wichtige Kirche, die unter Denkmalschutz steht. Wir sehen uns als Bereicherung für den Stadteil Horn hier in Hamburg.

Jetzt haben viele Angst, dass sie die Kirche umformen, dass sie zwei große Minarette bauen und drei Lautsprecher aufstellen und demnächst kein Glockenschlag mehr ertönt, sondern der Gesang des Muezzins. Ist das so, oder was planen Sie genau?

Ich finde solche Ängst sehr amüsant. Denn die Kirche steht unter Denkmalschutz. Und da habe ich immer gesagt, dass ich froh darüber bin. Denn die Kirche wird auch von außen Kirche bleiben, wir werden nur innen Veränderungen vornehmen, so dass wir im Grunde auch unsere religiösen Symbole dort haben. Es werden aber keine Minarette gebaut, es wird auch keinen Muezzin und keinen öffentlichen Gebetsruf geben, nie, nie nie und nimmer.

Nun hat es in Hamburg schon mal einen ähnlichen Fall gegeben. Da hat eine Russisch-Orthodoxe Gemeinde eine Kirche gekauft um dort ihre Gottesdienste zu veranstalten - da gab es viel weniger Aufregung. Warum eigentlich, was denken Sie?

Ich denke, manche Menschen, verbinden russisch Orthodoxe oder griechisch Orthodoxe mit der katholischen oder evangelischen Kirche - und deshalb sehen sie auch keinen großen Unterschied. Und manche Menschen haben das Gefühl, der Islam ist was ganz anderes wobei, die Christen, die Juden und die Muslime alle die gleichen Wurzeln haben, wir haben alle den abrahamitische Herkunftsstamm. Und dennoch glaube ich, dass das etwas mit dem Islam zu tun hat. Ich meine, man darf nicht vergessen, vor zwei Jahren gab es ja viele negative Schlagzeilen über die Muslime, so dass die Menschen verängstigt sind. Und ich finde es großartig von der Presse, dass seit zwei Jahren konstruktiv berichtet wird. Wir selber arbeiten seit über 10 Jahren an der Integration. Wir haben einen interreligiösen Dialog, wir machen Sozialarbeit, wir sind sehr Integrationsorientiert - wir arbeiten an der Integration der Migranten in die Deutsche Gesellschaft. Deshalb finde ich die Aufrgegung teilweise übertrieben. Außerdem beobachte ich zur Zeit, dass das ganze ein Politikum wird, wobei die normalen Mitbürgerinnen und Mitbürger, wenn sie Kritik äußern, dies oft aus Unwissenheit über den Islam tun.

Die Wiedereröffnung der "Moschee-Kirche" soll am 03.10.2013 stattfinden, warum genau am Tag der deutschen Einheit?

Ich wollte das als Symbol setzen, dass wir eine Einheit sind, auch die Muslime hier in Hamburg oder in Deutschland sein ein Teil der Gesellschaft - und wir sind eine Einheit, dass ist das, was ich als Message rüber bringen möchte."

Die Original Interviews mit den beiden Presseprechern können sie bei Radio "Stimme Russlands" jeweils hier und hier hören..

Quelle: Text Daniela Hannemann - „Stimme Russlands"

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