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Moorbrand im Emsland: Bundeswehr und Landkreis verwiesen auf Messungen, die es nicht gab

Archivmeldung vom 04.10.2018

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 04.10.2018 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Moorbrand im Emsland
Moorbrand im Emsland

Foto: Urheber
Lizenz: GFDL
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Sowohl die Bundeswehr als auch der Landkreis Emsland haben in den Tagen der größten Rauchentwicklung des Moorbrandes bei Meppen gesundheitliche Risiken für die Anlieger ihres Testgeländes und weit über 1000 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk verneint. Dabei verwiesen sie auf Messungen, die es nie gab, wie Recherchen der "Neuen Osnabrücker Zeitung" belegen. Daten, die eine Entwarnung gerechtfertigt hätten, lagen Bundeswehr und Behörde zum Zeitpunkt ihrer entsprechenden Erklärungen nicht vor.

"Die in den vergangenen Tagen bereits durchgeführten Luftmessungen werden heute fortgesetzt, die Überwachung wird engmaschig durchgeführt", heißt es etwa in einer Mitteilung der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition (WTD) vom 20. September. Mehrere Messungen hatte es bis zu diesem Zeitpunkt aber nicht gegeben, engmaschige und umfassende schon gar nicht.

Die Bundeswehr bestätigte in dieser Woche auf Nachfrage der NOZ einen detaillierten Ablaufplan der Messungen. Von Kohlenmonoxid abgesehen hat sie demnach erst ab dem 20. September Luftschadstoffe messen lassen - 17 Tage nach Ausbruch des Brandes, drei Tage nach der maximalen Rauchentwicklung und einen Tag nach einer pauschalen öffentlichen Feststellung der Bundeswehr vom 19. September, wonach, so wörtlich, "keine Gesundheitsgefährdung durch die Rauchentwicklung" bestehe.

Die zitierte Aussage über die Vortage beziehe sich auf "Messungen des Landkreises Emsland, bei dem das Land NRW entsprechend unterstützt hat", erklärte ein Sprecher der Bundeswehr gegenüber der NOZ. Das Landesamt für Natur,- Umwelt- und Verbraucherschutz NRW hatte in der Tat Messungen durchgeführt - aber erst ab dem 22. September, also zwei Tage nach der Unbedenklichkeitserklärung der Bundeswehr und fünf Tage, nachdem die Qualmwolke sich bereits zu verziehen begonnen hatte.

Die Konzentration anorganischer Gase, flüchtiger Kohlenwasserstoffe TVOC, polycyclisch aromatischer Kohlenwasserstoffe PAK sowie von Staub, Schwermetallen und sprengstofftypischen Verbindungen wurde durch die Gefahrstoffmessstelle Nord der Bundeswehr erst am 20. September ermittelt, ebenfalls also, als die Rauchentwicklung bereits deutlich abgeklungen war. Bevor der Landkreis Emsland die Messungen am 21. September übernahm, erfolgte nach Angaben der Bundeswehr ansonsten nur noch ein weiteres Mal die Messung von Kohlenstoffdioxid, Schwefeldioxid, Distickstoffmonoxid, Methan, Stickstoffdioxid und Stickstoffmonoxid, und zwar am 20. September durch die WTD selbst.

Treffen die Angaben der Bundeswehr zu, hat sie also einerseits am 19. September vorschnell Entwarnung gegeben, zudem ohne belastbaren Bezug auf die Tage mit der größten Rauchentwicklung. Andererseits wären Gerüchte über vorherige und bisher unveröffentlichte Messungen der Bundeswehr auf dem eigenen Gelände falsch. Beispielsweise hatten die Grünen die Herausgabe entsprechender Daten aus den ersten zwei Wochen des Brandes gefordert. Diese gibt es zumindest den jetzigen Angaben zufolge nicht.

Auch der Landkreis Emsland hat die Bevölkerung und die weit mehr als 1000 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk mit Blick auf etwaige Gesundheitsgefahren durch den Moorbrand falsch informiert, berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" weiter. Am 19. September hatte der Landrat mitgeteilt, dass der Fachbereich Gesundheit "keine Gesundheitsgefährdung durch den Qualm" erkennen könne und eine solche auch auf Basis von Messungen der Bundeswehr nicht gegeben sei. Belastbare Messungen hatte es zum Zeitpunkt der Entwarnung aber nun einmal nicht gegeben.

Lungenärzte werteten die Aussagen des Landkreises seinerzeit bereits umgehend als "Schutzbehauptung". Rauchwolken wie die nach dem Großbrand infolge des Munitionstests auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle könnten gar nichts anderes als gesundheitsgefährdend sein.

Pikant: Die mindestens vorschnelle, wenn nicht fehlerhafte Entwarnung des Landkreises, die am 19. September mit dem Untertitel "Keine Gesundheitsgefährdung durch Rauchentwicklung" veröffentlicht wurde, ist von der Internetseite des Landkreises Emsland inzwischen verschwunden.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung (ots)

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