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Para-Ski-alpin-Weltmeisterin Anna-Lena Forster: "In der Winter-Wettkampfsaison verpasse ich 120 Uni-Tage"

Archivmeldung vom 27.07.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 27.07.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
Anna-Lena Forster (2019)
Anna-Lena Forster (2019)

Bild: Deutsche Bank / Rechtefrei

Mit dem Weltmeistertitel im Slalom hat Para-Ski-alpin-Fahrerin Anna-Lena Forster ihr Paralympics-Gold von 2018 bestätigt und sich endgültig in den Geschichtsbüchern verewigt. Um ihren Sport ausüben zu können und gleichzeitig in Freiburg Psychologie zu studieren, nimmt die Monoski-Fahrerin viele Kompromisse in Kauf.

Deutsche Sporthilfe: Anna-Lena, zweifache Paralympics-Siegerin bist Du bereits, seit diesem Winter darfst Du Dich nun auch Weltmeisterin nennen. Ein schönes Gefühl? Anna-Lena Forster: Definitiv. Ich möchte fast sagen: endlich bin ich Weltmeisterin! Bei der WM vor zwei Jahren habe ich Gold noch aus der Hand gegeben, weil ich mich etwas zu sicher fühlte, das hat mich sehr geärgert. Aber den Titel habe ich nun eingefahren und außerdem meine beiden Goldmedaillen von den Paralympics im Jahr darauf bestätigt. Das war mein großes Ziel.

Nach Deinen Erfolgen in Pyeongchang gingst Du bei der WM erstmals als Favoritin an den Start, standest nicht mehr im Schatten Deiner Teamkollegin Anna Schaffelhuber. Wie bist Du mit dieser Situation umgegangen?

Es war ein neues Gefühl für mich. Als Favoritin am Start zu stehen, ist schon nochmal eine andere Herausforderung. Anna und ich pushen uns schon seit Jahren gegenseitig, jetzt wollte ich zeigen, dass auch ich keine Eintagsfliege bin. Aber der Druck war extrem hoch. Für viele war klar: Ich kann eigentlich nur Gold holen. Das Warten auf den Wettkampf war die Hölle, im Training am Tag davor ist mir überhaupt nichts gelungen. Aber ich konnte mich rechtzeitig wieder darauf besinnen, dass ich doch noch Ski fahren kann (lacht).

Du studierst Psychologie, hilft Dir das in solchen Drucksituationen?

Ab und zu kommt es einmal vor, dass ich Wissen aus Vorlesungen mit Situationen aus dem Sport und dem Leben allgemein verknüpfen kann - aber einen Wettbewerbsvorteil habe ich durch mein Studium jetzt nicht unbedingt.

Wie klappt generell das Zusammenspiel zwischen Studium und Sport bei Dir?

Man muss häufig Kompromisse eingehen und viel koordinieren. Im Winter sind wir über 120 Tage unterwegs - da verpasse ich viele Uni-Veranstaltungen und muss die meisten Klausuren im Sommer nachschreiben. Auch die Anwesenheit ist ein Thema: Wir Sportler dürfen pro Kurs zwar fünfmal statt zweimal fehlen, ich muss einige Seminare aber trotzdem auf zwei Wintersemester splitten. Das zieht das Studium enorm in die Länge.

Stößt Du generell an der Uni auf Verständnis für Deinen Leistungssport?

Tatsächlich ja. Viele Dozenten sind entgegenkommend und interessieren sich auch sehr für meinen Sport. Übrigens auch die Kommilitonen: In diesem Semester hielt ich eine Ringvorlesung über das Zusammenspiel von Uni und Sport, danach musste ich tatsächlich ein paar Autogramme schreiben. Ich bin in Freiburg offenbar bekannter als ich dachte. (lacht)

Bei Deinem vollen Terminkalender bleibt keine Zeit für einen typischen Studenten-Job. Wie wichtig ist für Dich die Unterstützung durch das Deutsche Bank Sport-Stipendium?

Es erleichtert vieles. Dank des Stipendiums muss ich zumindest meinen Eltern nicht auf der Tasche liegen, das ist für mich enorm wichtig.

Die kommende Saison 2019/2020 ist nun eine ohne sportliche Großereignisse. Bleibt da mehr Zeit für die Uni?

Im Wintersemester muss ich ein Modul in Gruppenarbeit absolvieren - da will ich meine Kommilitonen nicht im Stich lassen. Mein Training werde ich trotzdem in vollem Umfang weiterführen und auch an so vielen Weltcups wie möglich am Start sein. Hier ist definitiv eine gute Balance gefragt. Schließlich habe ich vor, im nächsten Sommer die Bachelorarbeit zu schreiben, um mich danach voll und ganz auf die nächsten Paralympics vorbereiten zu können.

Die sind erst 2022, die nächste WM 2021 in Lillehammer. Wie hältst Du die Motivation in einem Jahr ohne Top-Event hoch?

Das ist in der Tat eine Herausforderung. Auch nach der WM im Januar bin ich erst einmal in ein kleines Loch geraten, weil dort so viel von mir abfiel - man fragt sich, was soll eigentlich noch kommen, wie geht es weiter? Aber ich finde immer neue Ziele und Projekte. Ich möchte meine Sitzschale optimieren, auch den Monoski kann man noch verbessern, zudem habe ich noch Defizite in den Speed-Disziplinen. Und die Zeit bis zu den nächsten Großereignissen vergeht auch immer schneller, als man denkt.

Steckbrief Anna-Lena Forster (* 15. Juni 1995 in Radolfzell) Sportart: Ski alpin, paralympisch Wohnort: Freiburg im Breisgau/Radolfzell Verein: BRSV Radolfzell Größte Erfolge: Paralympics-Siegerin im Slalom und in der Superkombination 2018; Paralympics-Zweite im Slalom und in der Superkombination 2014; Paralympics-Dritte im Riesenslalom 2014; Weltmeisterin im Slalom 2019; WM-Zweite in der Abfahrt 2019, im Slalom 2013 und 2017; WM-Dritte im Riesenslalom und in der Super-Kombination 2019, in der Super-Kombination 2017 und im Slalom 2015; Gesamtweltcupsiegerin 2016 Studium: Psychologie Universität: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Die Deutsche Bank, seit 2008 Nationaler Förderer der Deutschen Sporthilfe, unterstützt im Rahmen der Sporthilfe-Förderung studierende Spitzenathleten mit dem Deutsche Bank Sport-Stipendium. Aktuell profitieren rund 400 Sporthilfe-geförderte Athleten vom Programm, das mit einem Zeitbonus über die Regelstudienzeit hinaus gewährt wird. Die besonderen Leistungen der studierenden Athleten sollen mit der Wahl zum Sport-Stipendiat des Jahres zusätzlich herausgestellt und gewürdigt werden. Die Deutsche Bank, seit 2008 Nationaler Förderer der Deutschen Sporthilfe, verdoppelt dem Sieger das monatliche Stipendium für 18 Monate. Die vier weiteren Finalisten erhalten für den gleichen Zeitraum eine Zusatzförderung von 50 Prozent des monatlichen Stipendiums.


Quelle: Stiftung Deutsche Sporthilfe (ots)

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