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Bioingenieur: „Die Wahrscheinlichkeit, in einem Vegetativzustand zu bleiben, ist für Schumacher minimal“

Archivmeldung vom 01.02.2014

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 01.02.2014 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Michael Schumacher / Bild: morio, de.wikipedia.org
Michael Schumacher / Bild: morio, de.wikipedia.org

Martyn Boutelle, Bioingenieur aus London, sprach in einem Interview mit Radio "Stimme Russlands" über die Chancen Michael Schumachers nach dem Koma wieder zu Genesen. Dass Schumacher auf eine Erregung reagiert, sei seiner Meinung nach ein sehr gutes Zeichen. Wodurch das Risiko, im Vegetativzustand zu bleiben, für ihn minimal wäre.

Nachfolgend der Interviewbeitrag von Radio "Stimme Russlands" mit Martyn Boutelle im original Wortlaut:

Wie sind Schumachers Überlebenschancen?

Einstweilen ist das schwer zu sagen. Jetzt vollzieht sich der Wiederherstellungsprozess, und es leuchtet ein, dass die nächsten Tage in diesem Prozess kritisch sein werden.

Er wird nur langsam zur Besinnung gebracht. Wie ist es möglich, einen Menschen langsam aus dem Koma herauszuführen? Schließen sich diese beiden Begriffe nicht etwa gegenseitig aus – man ist entweder in einem Koma oder man ist es nicht.

Beruhigungsmittel verabreichen, damit er sich im Zustand eines tiefen Schlafes befindet. Das verringert die Menge von Energie, die von seinem Gehirn verbraucht wird, senkt den Blutzustrom zum Gehirn und den Gehirndruck. Doch er befindet sich in diesem Zustand unter Einwirkung von Arzneimitteln. Das ist eine Methode, welche bei Patienten mit Kopfverletzungen weitgehende Anwendung findet. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, da die Arzneimittel ausgesetzt werden und da die Ärzte seinen Zustand beobachten, um sich davon zu überzeugen, wie der Genesungsprozess in Wirklichkeit verläuft.

In dem Maße, wie die Arzneimittel ausgesetzt werden, unter deren Wirkung er sich befunden hat, wird mitgeteilt, dass er auf neurologische Versuche positiv reagiert. Was sind das für Versuche?

In den Berichten, die ich gelesen habe, steht geschrieben, dass er geblinzelt und auf ein Erregungssignal reagiert hat. Ich weiß nicht, was genau genutzt worden ist. Was kann in einer solchen Situation eingesetzt werden? Man kann beispielsweise behutsam auf das Gebiet der Augenbrauen drücken. Diese Einwirkung ist ein wenig schmerzvoll und wird angewandt, um festzustellen, ob es eine Reaktion darauf gibt. Anschließend werden die Ärzte prüfen, ob er selbständig atmen können wird. Das ist ein kritisches Moment, denn, wenn sich Patienten unter Einwirkung von Schlafmitteln befinden, atmen sie oft mit Hilfe eines Atemgeräts. Im Zustand eines tiefen Schlafes ist das selbständige Atmen oft unmöglich. Und in dem Maße, wie die Präparate ausgesetzt werden, kommt es darauf an, sich davon zu überzeugen, dass der Patient imstande ist, selbständig zu atmen, auf eine Erregung, auf das Aussprechen seines Namens zu reagieren.

Es besteht eine ganze Reihe von Tests für unterschiedliche Bewusstseinsniveaus: Reagiert er auf seinen Namen, kann er sprechen, erinnert er sich daran, was geschehen ist und wer er ist, ob er sich an seine Familie erinnert usw. Das sind Kettenglieder von Informationen, die von den Ärzten zusammengetragen werden.

Es sieht so aus, als könnte die Genesung längere Zeit dauern, dass es sich um einen überaus langen Prozess handelt. Wird sie Monate und Jahre, oder nur einige Wochen oder Tage in Anspruch nehmen?

Für die vollständige Genesung werden natürlich mehrere Monate vergehen müssen. Wenn der Prozess abgeschlossen ist, wird eine Rehabilitation erforderlich sein. Das Menschengehirn ist eine sehr komplizierte Struktur, und sie passt sich auf verschiedene Art und Weise den zugefügten Beschädigungen an. Dieser Prozess kann lange Zeit erfordern. Doch das unmittelbare Resultat, das heißt, wenn man die Schlafmittel aussetzt und feststellt, wie er reagiert, wird nach meinem Dafürhalten schon in zwei oder drei Tagen erhalten werden.

Es sind Befürchtungen geäußert worden, dass Schumacher bis an sein Lebensende in einem Vegetativzustand bleiben könnte. Bestehen solche Gefahren jetzt?

Einige Patienten, die in ein künstliches Koma versetzt wurden, gelangten in dem Maße, wie die Schlafmittel ausgesetzt wurden, dennoch nicht zur Besinnung, denn sie befanden sich gleichzeitig im Komazustand, der durch das Trauma bewirkt worden war. Dass Schumacher auf eine Erregung reagiert, ist ein sehr gutes Anzeichen. Das Risiko, im Vegetativzustand zu bleiben, ist für ihn minimal. Doch solange nicht exakt feststeht, dass er auf Erreger eindeutig reagiert, bleibt die Frage offen.

Quelle: „Stimme Russlands"

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