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Seehofer schließt Abschaffung von Solidaritätszuschlag aus

Archivmeldung vom 05.08.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 05.08.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Horst Seehofer
Horst Seehofer

Foto: Ralf Roletschek
Lizenz: CC-BY-SA-3.0-de
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat eine Abschaffung des Solidaritätszuschlags ausgeschlossen. "Der Soli bleibt", sagte Seehofer im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "Focus". Er wolle nur das versprechen, was auch zu halten sei, so der CSU-Chef. Es werde "keine neuen Schulden geben, sondern nach Möglichkeit einen Abbau der Altschulden".

Es gebe aber auch keine zusätzlichen Belastungen des Steuerzahlers, versprach Seehofer. Deutschen Autofahrern garantierte der bayerische Ministerpräsident keine zusätzlichen Kosten durch die geplante Pkw-Maut. "Die Maut wird für unsere Bürger das Autofahren nicht teurer machen, sondern nur für Autobahnnutzer aus dem Ausland", so Seehofer. Die rechtlichen Probleme würden gelöst.

Mit der Arbeit von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) zeigte sich der CSU-Chef zufrieden. Friedrich musste für sein Agieren in der NSA-Affäre zuletzt viel Kritik einstecken. "Ich beurteile als Parteichef den Kern dessen, was Hans-Peter Friedrich als Innenminister vertritt. Und da bin ich sehr einverstanden", sagte Seehofer.

Auch bei der Vorratsdatenspeicherung werde er Friedrich weiter unterstützen: "Wir brauchen sie für unsere Sicherheit", so Seehofer. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) lobte der Parteichef ausdrücklich.

Die Frage, ob Aigner Seehofers Nachfolge antreten könne, ließ der bayerische Ministerpräsident offen. "Wir wählen den Ministerpräsidenten und nicht seinen Nachfolger." Aigner sei jetzt verantwortlich für Oberbayern, und er erwarte als erstes einmal ein gutes Abschneiden bei der Wahl. Er selbst bewerbe sich - "um es klar zu sagen - für fünf Jahre als Ministerpräsident". Wenn er die Zustimmung der Bevölkerung bekomme, bleibe er auch fünf Jahre.

Auch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet Seehofer, dass sie ihr Amt die volle Legislaturperiode ausübt: "Ich glaube niemals, dass die Kanzlerin früher aufhört", sagte Seehofer "Focus". Seinen eigenen Führungsstil rechtfertigte der CSU-Chef: "Ich nehme in meinen Ämtern einfach die Dinge ernst und will, dass man erstklassig arbeitet - das ist mein Anspruch und das geht manchmal nicht ohne Strenge."

Härte und Unerbittlichkeit bereue er nur, "wenn ich ungerecht war". Den Fall von Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU), den Seehofer öffentlich heftig kritisiert hatte, beurteilte der CSU-Chef dagegen als gerechtfertigt.

Papier: Solidaritätszuschlag spätestens 2019 verfassungswidrig

Nach Einschätzung des früheren Verfassungsgerichtspräsidenten Hans-Jürgen Papier nähert sich der Solidaritätszuschlag der Verfassungswidrigkeit: "Spätestens 2019, wenn auch der Solidarpakt II endet, lässt sich der jetzige Solidaritätszuschlag verfassungsrechtlich nicht mehr begründen", sagte Papier der "Welt". "Als Instrument der dauerhaften Erhöhung des Steuerniveaus darf eine Ergänzungsabgabe nicht eingesetzt werden."

Eine Abgabe wie der Soli könne nur erhoben werden, "wenn ein konkreter Finanzierungsbedarf entsteht, der ausschließlich den Bund trifft", erklärte Papier. "Das konnte man in Bezug auf die Einigung Deutschlands sagen. Irgendwann entfällt dieser besondere Finanzierungsbedarf aber zwangsläufig."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuvor erklärt, am Solidaritätszuschlag festhalten zu wollen. Den Vorschlag der thüringischen Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU), den Solidarpakt II nach 2019 in einen Fonds für bedürftige Regionen in ganz Deutschland zu verwandeln, wies der Ex-Verfassungsrichter zurück: "Ich halte es für sinnvoller, diesen Finanzbedarf über einen Ausgleich des allgemeinen Steueraufkommens zu regeln als über einen weiteren Sonderfonds."

Zuvor hatte FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle das Ende des Solidaritätszuschlags zu einer Frage der Glaubwürdigkeit erhoben. Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) habe "klar gesagt, dass es sich um eine zeitlich befristete Ergänzungsabgabe zur Finanzierung der deutschen Einheit handelt", sagte er der "Welt am Sonntag". Er gehe davon aus, dass dieses Wort gelte, so der FDP-Fraktionschef weiter. "Wer soll einer deutschen Regierung noch vertrauen, wenn der Solidaritätszuschlag zu einer dauerhaften Steuer wird", fragte Brüderle. Der Soli sei klar an den Solidarpakt II gebunden, der 2019 ende. "Spätestens dann muss auch der Solidaritätszuschlag weg sein", sagte Brüderle. "Wir haben den Ehrgeiz, es sogar noch etwas früher hinzubekommen - in drei Schritten bis zum Ende der nächsten Wahlperiode."

Bundeskanzlerin Merkel hatte zuvor deutlich gemacht, dass sie am Soli festhalten will. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erteilte den FDP-Plänen eine klare Absage. Brüderle forderte Schäuble auf, ein Finanzierungskonzept zur Abschaffung des Solidaritätszuschlags vorzulegen. "Ich gehe davon aus, dass der Finanzminister gute Vorschläge macht, wie sich das Ende des Solidaritätszuschlags finanzieren lässt", sagte der Fraktionsvorsitzende der Liberalen im Bundestag. "Der Finanzminister ist zuständig für die Ordnung der Finanzen." Angesichts der steigenden Steuereinnahmen lasse sich eine Abschaffung des Soli "in jedem Fall finanzieren".

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) forderte indes, den Soli fortzuentwickeln. "Der Einsatz der Finanzmittel muss in strukturschwachen Gebieten und nicht länger nach Himmelsrichtung erfolgen. Es gibt auch in den alten Bundesländern zahlreiche Regionen, die dringend der Hilfe bedürfen", sagte Weil der "Welt". "Der Soli 2.0 muss verlässlich in unser Steuer- und Abgabensystem integriert und verfassungsrechtlich unanfechtbar ausgestaltet werden." Weil nannte es einen "Skandal", dass der Soli inzwischen zu erheblichen Teilen zur Haushaltskonsolidierung des Bundes missbraucht werde.

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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