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Moorbrand: Bundeswehr beziffert Kosten auf 16,5 Millionen Euro

Archivmeldung vom 31.08.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 31.08.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott
Moorbrand im Emsland
Moorbrand im Emsland

Foto: Urheber
Lizenz: GFDL
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Durch den vor einem Jahr fünf Wochen lang schwelenden Moorbrand im Emsland sind der Bundeswehr Gesamtkosten in Höhe von 16,5 Millionen Euro entstanden. Das hat ein Sprecher der Bundeswehr auf Anfrage der "Neuen Osnabrücker Zeitung" mitgeteilt.

Diese Summe enthält neben den Kosten für den Geräteeinsatz sowie die beschafften Güter und Dienstleistungen auch die bisher geleisteten Schadenersatzforderungen an Privatpersonen und Landwirte (633.500 Euro) und den Ausgleich von Forderungen im Rahmen der Amtshilfe. Dafür wurden bislang 7 Millionen Euro ausgegeben, weitere 700.000 Euro befinden sich in der Prüfung. Bislang war man von Kosten in Höhe von 7,9 Millionen Euro ausgegangen. Nicht enthalten ist in der Kostenrechnung der Klimaschaden.

Als Reaktion auf den Brand hat die Bundeswehr zudem neues, schweres Feuerwehrgerät angeschafft. Hierzu zählt die Beschaffung eines neuen Moorbaggers, zweier Moorraupen, zweier Löschraupen und eines Bergepanzers Büffel 3. Die Geräte sollen 2020 zur Verfügung stehen. Bis dahin verwendet die Bundeswehrfeuerwehr auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 (WTD) bei Bedarf Ersatzfahrzeuge anderer Dienststellen.

Der Erprobungsbetrieb, also der Test von Munition und Einsatzgerät, auf dem Gelände der WTD 91 ist in den Monaten seit dem Moorbrand stufenweise wieder aufgenommen worden. Ins offene Moor wird allerdings noch nicht geschossen. Laut Bundeswehr wird vor Durchführung eines jeden Schieß- und Sprengvorhabens eine gesonderte Prüfung mit besonderem Augenmerk auf den Brandschutz durchgeführt.

CO2-Belastung durch Moorbrand noch immer nicht ermittelt

Ein Jahr nach dem Moorbrand im Emsland ist immer noch unklar, wie groß der 2018 entstandene Klimaschaden war und ob er überhaupt ausgeglichen wird. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf das Bundesverteidigungsministerium und das Umweltbundesamt.

Der am 3. September 2018 durch Raketentests ausgelöste Moorbrand hatte fünf Wochen lang vermutlich Hunderttausende Tonnen klimaschädliches CO2 freigesetzt; Schätzungen gingen von 500.000 Tonnen aus. Die Politik forderte damals, jeglicher Klimaschaden müsse ausgeglichen werden, am besten vor Ort.

Wie viel CO2 tatsächlich freigesetzt wurde, ist laut Informationen der "NOZ" noch immer unklar. Eine Sprecherin des Umweltbundesamtes teilte auf Anfrage mit, das Thünen-Institut für Agrarklimaschutz in Braunschweig ermittle dies mithilfe eines Satellitenmodells - allerdings werden die Zahlen erst im Januar 2020 im Rahmen der nationalen Treibhausgasemissionsberichterstattung veröffentlicht. Erwartet worden waren Ergebnisse schon früher, ein Wechsel der Untersuchungsmethode sorgte jedoch für Verzögerungen, wie ein Mitarbeiter des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr gegenüber der "NOZ" erklärte.

Ob der ermittelte Klimaschaden dann auch wie gefordert ausgeglichen wird, ist unklar. Das Umweltbundesamt betonte, dass die Emissionen des Moorbrandes im Rahmen des Emissionshandels dem Bereich "Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft" zuzuordnen seien und dort jegliche CO2-Kompensation freiwillig sei. Derzeit gehe die Behörde zudem davon aus, dass der Moorbrand wie ein Waldbrand als Unglück einzustufen sei; auch Unglücke müssen in der Klimabilanz nicht ausgeglichen werden.

Über eine mögliche Kompensation entscheidet am Ende das Bundesverteidigungsministerium, nach eigenen Angaben aber erst nach Vorliegen der Zahlen Anfang 2020. Dann könnte ein Ausgleich im Rahmen des internationalen Handels mit Emissionszertifikaten geschehen - also weit entfernt vom Emsland. Eine Maßnahme vor Ort wäre die Wiedervernässung des teilentwässerten Moores; dadurch würde das Moor wachsen und seine Rolle als CO2-Speicher erfüllen können. Durch den Moorbrand hat die Natur auf 1224 Hektar Brandfläche teilweise erheblich gelitten. Auf 400 Hektar droht aus einer ökologisch wertvollen Moorheide ein Birkenwald zu werden, weil das Feuer das Wachstum von Pionierbäumen wie Birke und Espe gefördert hat.

Der Moorbrand war am 3. September 2018 durch einen Raketentest auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 (WTD 91) nahe Meppen (Landkreis Emsland) ausgebrochen. Teil des Bundeswehrgeländes ist das Moorschutzgebiet "Tinner Dose", eines der größten nicht abgetorften Moore Mitteleuropas, das damals stark unter der lang andauernden Trockenheit gelitten hatte. Erst nach fünf Wochen gelang es den mehr als 1700 Einsatzkräften von Feuerwehr, THW und Bundeswehr, den Brand zu löschen.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung (ots)


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