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Tod nach 47 Jahren Gefangenschaft

Archivmeldung vom 17.09.2018

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 17.09.2018 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Tiergarten Nürnberg: Delphinlagune, 2011
Tiergarten Nürnberg: Delphinlagune, 2011

Lizenz: CC0
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Delfin Moby, der älteste Delfin in Gefangenschaft, ist am 16.09.2018 im Tiergarten Nürnberg verstorben. Er wurde etwa 58 Jahre alt und lebte bereits seit 1971 in einem Delfinarium. Die Todesursache ist bisher unbekannt. Zeit seines Lebens zeigte Moby stereotypes Verhalten, ein eindeutiger Beleg für die Probleme im Delfinarium. Der Wal- und Delfin-Experte David Pfender fordert, die letzten beiden Delfinarien in Deutschland endlich zu schließen.

Delfin Moby wurde in jungen Jahren im Atlantik vor Florida (USA) gefangen, für einige Wochen im Delfinarium in Florida gehalten und dann in den Nürnberger Tiergarten gebracht. Moby war durch seinen weißen Fleck am Kopf immer leicht von den anderen Delfinen im Delfinarium zu unterscheiden. Der Fleck ist die Narbe einer Kopfverletzung, die er sich selbst zufügte, als er mit aller Kraft gegen eine Wand geschwommen ist.

„Nach 47 Jahren in Gefangenschaft findet Mobys Leben ein Ende. Es war geprägt von kargen Betonwänden, wechselnden Leidensgenossen und den immer gleichen Tagesabläufen. Als Biologe und Walschützer kann ich nur hoffen, dass Deutschland bald dem Vorbild anderer Länder folgt und die Haltung von Delfinen in Gefangenschaft gesetzlich verbietet – besonders wenn man die immensen Kosten und das Leid der Tiere in Betracht zieht.“ so David Pfender, Projektmanager und Meeresbiologe bei WDC.

Statt in seiner natürlichen Umgebung, dem Meer, verstarb Moby über 7.000 km entfernt in einem Betonbecken, weit weg von seiner Familie. Moby hat 15 seiner 19 Kinder überlebt. Acht wurden nicht älter als ein paar Tage, sechs waren Tot- oder Fehlgeburten und ein Jungtier (Neike) wurde sechs Jahre alt. Nur wenige der über 3.000 Wale und Delfine in Gefangenschaft werden so alt wie Moby. In freier Wildbahn können Delfine noch älter werden, so wurde beispielsweise in Mobys Heimat 2014 ein Delfinweibchen gesichtet, das mindestens 64 Jahre alt war.

Bei Moby konnten mehrfach Stereotypien beobachtet werden, die viele Tiere in Gefangenschaft entwickeln. Bekannte Beispiele für Stereotypien sind z.B. das Weben von Elefanten oder das ständige Auf- und Ablaufen (Kreislaufen) von Tigern in ihren Käfigen. WDC war bereits seit Jahren besorgt über den Zustand von Moby, der im Becken die immer gleichen Runden schwamm. Exklusives WDC-Videomaterial zeigt, wie Moby den gleichen Bewegungsablauf ständig wiederholt.

Quelle: Whale and Dolphin Conservation (WDC)

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