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Erschreckende neue Erkenntnisse im Tierlabor-Skandal Tierlabor LPT vertuschte grausamen Todesfall in Studie

Archivmeldung vom 16.10.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 16.10.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
Bild: "obs/SOKO Tierschutz e.V./SOKO Tierschutz/crueltyfree int"
Bild: "obs/SOKO Tierschutz e.V./SOKO Tierschutz/crueltyfree int"

Die durch die Undercover-Recherche von SOKO Tierschutz und Cruelty Free International aufgedeckten Zustände führen zu ersten Konsequenzen. Nach der Strafanzeige von SOKO Tierschutz kommt es zu Ermittlungen und Strafverfahren, aber auch schwachen Dementis der für die Kontrolle zuständigen Behörden.

"Es ist schon sonderbar, dass die Veterinärbehörde jetzt zu kleine Käfige erkennt, die dort wohl schon seit Jahren hängen. Besonders empörend finden wir, dass das völlige Fehlen von rechtlich vorgeschriebenem Beschäftigungsmaterial bei den Affen damit entschuldigt wird, dass die Tiere ja schließlich die Vorhängeschlösser der Käfige zum Spielen hätten. Das lässt an den Kompetenzen und Einstellungen der verantwortlichen Kontrolleure zweifeln. Wir fordern keine Scheinlösungen, sondern einen sofortigen Schutz der Tiere, und das geht nur durch die Schließung des Tierlabors", so Friedrich Mülln von SOKO Tierschutz.

Diese Forderung dürfte durch die jüngste Aufdeckung von ARD Fakt und der Tierrechtsorganisation Auftrieb bekommen. Denn die Recherchen geben sehr konkrete Hinweise auf den Supergau bei den vorgeblichen Sicherheitstests im LPT:

Der SOKO Tierschutz Ermittler entdeckte in der Affenhaltung des Labors ein Tier, dessen Tattoo-Nummer nicht zu dem Etikett auf dem Käfig passte. Mehrere Mitarbeiter berichteten übereinstimmend und unabhängig voneinander, dass ein Affe ausgetauscht wurde. Das alte Tier war laut Aussage der Mitarbeiter unter grausamen Bedingungen an einem Mastdarmvorfall verendet. Offenbar passierte dieser Todesfall durch Versagen der Labormitarbeiter. Diese wurden danach angewiesen, die Nummer des Austausch-Affens zu verheimlichen und die Nummer des alten Affens weiter zu verwenden. Bis zur Tötung des Austausch-Affens wurde diese Praxis beibehalten. Die Mitarbeiter kommentierten das Ganze zynisch und meinten z.B. "Wird nachher einfach deine Tattoo Nummer ausgetauscht vor der Sektion, einfach die andere reingelegt ins Näpfchen, so läuft das hier". Die Leiterin der LPT Einrichtung in Mienenbüttel wurde von dem undercover Ermittler mit dem Austausch des Tieres konfrontiert und meinte, dass wäre gut.

Nach Recherchen von ARD Fakt liegen der verantwortlichen Kontrollbehörde, dem LAVES Niedersachsen, keine Informationen des Labors über den Tod des Affens oder zu einem Austausch vor. Diese Informationen hätten vom LPT aber verpflichtend gemeldet werden müssen.Die südkoreanische Pharmafirma, welche die 26 Wochen- Giftigkeitsstudie an dutzenden Affen beim LPT beauftragte, schweigt zu den Vorwürfen.

"Wenn sich der akute Verdacht bestätigt, dass im LPT eine gewaltige Primatenstudie auf diese Art und Weise manipuliert wurde, dann stellt das alles in Frage, und dem Labor muss sofort die Betriebserlaubnis entzogen werden. Das bedeutet dann nicht nur Qualen für Tiere, sondern auch ein Medikament für Menschen, dessen Entwicklung auf unterschlagenen Daten und einem verfälschten Studienablauf beruht", so Mülln. Darum haben wir Anzeige wegen Verdacht auf versuchten Betrug gestellt.

SOKO Tierschutz ruft nächsten Samstag, den 19. Oktober, zur Großdemonstration in Neugraben bei Hamburg auf. "Das System Tierversuch ist unmoralisch und gefährlich. Tausende Menschen fordern mit uns ein Ende der Grausamkeiten und dass die Politik endlich handelt. Dann würde Deutschland auch das äußerst peinliche Vertragsverletzungsverfahren der EU erspart bleiben. Denn Deutschland tötet zwar mitunter die meisten Versuchstiere, ist aber absolutes Schlusslicht beim Schutz der Tiere und der Einhaltung von EU-Recht.

Quelle: SOKO Tierschutz e.V. (ots)

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