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Smog-Turm soll Luft in Neu-Delhi entgiften

Archivmeldung vom 24.07.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 24.07.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Montagearbeiten an den Ventilatoren des Smog-Turms.
Montagearbeiten an den Ventilatoren des Smog-Turms.

Bild: delhi.gov.in

Mit einem 25 Meter hohen Smog-Turm geht die indische Hauptstadt Neu-Delhi gegen die notorisch schlechte Luft im Stadtgebiet vor. Häufig herrscht dort Smog, ausgelöst von Schadstoffen, die vor allem die Fahrzeuge auf den Straßen der 20-Mio.-Einwohner-Stadt emittieren, darunter giftige Gase, Stickoxide und Kohlenmonoxid, vor allem aber Feinstaub, der in die Lungen eindringen und Krebs verursachen kann.

Startschuss am 15. August

Der Turm, der am 15. August in Betrieb geht, soll die Luft auf einer Fläche von einem Quadratkilometer rund um die mondänen Geschäfte und Cafés in den oft noch aus der Kolonialzeit stammenden Gebäuden am Connaught Place filtern. Der Turm hat Gitteröffnungen, durch die die verschmutzte Luft angesaugt und durch Filter geleitet wird. Diese bestehen aus Kohlenstoff-Nanofasern, in denen 75 Prozent des Feinstaubs hängen bleiben. Die giftigen Gase lassen die Filter jedoch weitgehend passieren.

Pro Sekunde reinigt die Anlage, die umgerechnet zwei Mio. Dollar gekostet hat, 1.000 Kubikmeter Luft. Die jetzt relativ saubere Luft wird in einer Höhe von zehn Metern emittiert. Gelingt das Experiment, will die Stadtverwaltung weitere Türme aufstellen. Doch nicht jeder ist von der Effektivität der Anlage überzeugt. "Die Installation von Smog-Türmen wird nie eine Lösung sein", sagt etwa Sunil Dahiya, ein Analyst des Zentrums für Energieforschung und saubere Luft. "Wenn wir die Lufterschmutzung wirklich angehen wollen, muss es an den Quellen geschehen."

Strom aus Kohlekraftwerken

Dahiya gibt zu bedenken, dass der Turm mit regulärem netzbasiertem Strom betrieben wird, der zu mehr als 70 Prozent aus Kohlekraftwerken stammt. "Also werden wir die Umweltverschmutzung anderswo im Land nur erhöhen." Die niederländische Stadt Eindhoven hat mit einem ähnlichen System gute Erfahrungen gemacht, allerdings ist der Strommix dort umweltverträglicher. 2017 installierten Forscher der dortigen Technischen Universität eine Filteranlage, die die Abluft eines Parkhauses von Feinstaub befreit (pressetext berichtete: http://pte.com/news/20171215003 ). Das machte sich in den umliegenden Straßen positiv bemerkbar. Die Erfahrungen von China mit einem 60 Meter hohen Smog-Turm in der stark verschmutzten Stadt Xian sind dagegen nicht so gut. Weitere Anlagen wurden nicht installiert.

Quelle: www.pressetext.com/Wolfgang Kempkens

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