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Brüllaffen: Tiefe Stimme, kleine Hoden

Archivmeldung vom 23.10.2015

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 23.10.2015 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Brüllaffen stehen bei der Eingliederung in eine Gruppe in einem starken Gesangswettbewerb.
Quelle: Copyright: Julio Cesar Bicca-Marques (idw)
Brüllaffen stehen bei der Eingliederung in eine Gruppe in einem starken Gesangswettbewerb. Quelle: Copyright: Julio Cesar Bicca-Marques (idw)

Brüllaffen sind nach ihren beeindruckenden Rufen benannt. Für diese Fähigkeit sind die langen Stimmbänder und ein einzigartiges Zungenbein verantwortlich, das Männchen größer und mächtiger erscheinen lässt als sie wirklich sind. Ein internationales ForscherInnenteam unter Beteiligung von Kognitionsbiologen um Tecumseh Fitch von der Universität Wien hat herausgefunden, dass jene Brüllaffen mit den tiefsten Stimmen für diese einen hohen Preis bezahlen: Spezies mit einem größeren Zungenbein haben kleinere Hoden.

Mittels 3D-Laseroberflächenabtastung wurden die Zungenbeine von Brüllaffen untersucht.
Quelle: Copyright: Jacob Dunn (idw)
Mittels 3D-Laseroberflächenabtastung wurden die Zungenbeine von Brüllaffen untersucht. Quelle: Copyright: Jacob Dunn (idw)

Diese neue Studie im Fachmagazin "Current Biology" bekräftigt Charles Darwin's Theorie über die Effekte von sexueller Selektion: Sie besagt, dass Arten in der Fortpflanzung oft Kompromisse zwischen Merkmalen eingehen, die im Wettbewerb um Partner vorteilhaft sind und jenen, die zur Befruchtung dienen.

"Im Fall der Brüllaffen konnten wir erstmals einen Abtausch zwischen Kehlkopfgröße und Hodengröße nachweisen", sagt Tecumseh Fitch vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien.

Die WissenschafterInnen untersuchten die Dimensionen der Vokaltrakte und sammelten die Rufe der Männchen von insgesamt neun verschiedenen Brüllaffenarten. Jene Arten, bei denen nur ein Männchen in der Gruppe lebte, hatten größere Zungenbeine und kleinere Hoden, was auf einen starken Gesangswettbewerb schließen ließ: Affen mit größerem Zungenbein produzieren Töne mit tieferen Frequenzen, was den Eindruck von Größe und Stärke erwecken soll. Bei Arten mit einer größeren Zahl von Männchen pro Gruppe nahm hingegen die Hodengröße zu – ein Hinweis auf die Wichtigkeit der Spermienkonkurrenz. Jene Männchen, die mit größeren Hoden ausgestattet waren, hatten kleinere Zungenbeine.

Über die Ursachen für diese "Güterabwägung" in der Evolutionsgeschichte stellen die ForscherInnen noch Überlegungen an. "Die Investition, einen mächtigen Stimmapparat zu entwickeln und zu brüllen mag so hoch sein, dass womöglich die Energie einfach nicht mehr reicht, um größere Hoden zu produzieren", vermutet Erstautor Jacob Dunn von der Universität Cambridge: "Alternativ kann es sein, dass ein großer Stimmapparat zur Abwehr von Rivalen so effizient ist, dass es gar nicht nötig ist, größere Hoden zu entwickeln". Detaillierte Analysen der Anatomie des Stimmapparates von Brüllaffen sollen nun ein besseres Verständnis über die Akustik ihrer Rufe liefern.

Quelle: Universität Wien (idw)

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