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Alltägliche Gewalt gegen Tiere bei Europas größtem Putenerzeuger

Archivmeldung vom 02.02.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 02.02.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott
Bild: „Animal Rights Watch e.V. (ARIWA)“
Bild: „Animal Rights Watch e.V. (ARIWA)“

Animal Rights Watch (ARIWA) veröffentlicht heute neues, grausames Videomaterial aus zwei Putenmastanlagen von Europas größtem "Putenerzeuger" und Deutschlands einflussreichstem "Geflügel"-Lobbyisten. Die Bilder aus zwei Standorten des Unternehmens in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zeigen Puten, die totgeknüppelt oder mit einem Bolzenschneider getötet werden; Puten, die langsam und qualvoll sterben; Puten, die wie Fußbälle zum Schlachttransport getreten werden und denen Arbeiter zum Spaß die Schwanzfedern ausreißen.

All das ist Alltag, nicht nur hier. Bereits im Dezember hat ARIWA erschreckende Aufnahmen aus einer der beiden Anlagen veröffentlicht [1]. Spiegel Online berichtet heute exklusiv mit dem neuen Videomaterial.

In den beiden Putenmastanlagen in Brandenburg (LK Ostprignitz-Ruppin) und Mecklenburg-Vorpommern (LK Ludwigslust-Parchim) filmten versteckte Kameras erneut schreckliche Szenen. Mit einem Knüppel prügeln Arbeiter auf kranke und schwache Puten ein. Mit zertrümmertem Schädel und hilflos flatternd leiden die Tiere noch minutenlang. "Diese Puten sterben als 'Ausschuss', weil eine medizinische Behandlung zu teuer wäre", erklärt Sandra Franz, Pressesprecherin von ARIWA.

Auch beim sogenannten "Ausstallen", dem Verladen für den Transport zum Schlachthof, zeigen die Aufnahmen, wie zahlreiche Tiere brutal getreten und in den wartenden LKW geworfen werden. Arbeiter bewerfen sich zum Spaß mit Schwanzfedern, die sie den Puten ausgerissen haben. Andere Arbeiter versuchen Tieren, die den Weg zum Schlachthof nicht mehr schaffen, noch in den Masthallen den Hals mit einem Bolzenschneider zu durchtrennen. Schwer verletzt, werden die Tiere einem minutenlangen Todeskampf überlassen.

Der Mann, der dieses Unternehmen mit rund einem Dutzend Mastanlagen führt, besitzt auch Europas größtes Putenvermehrungsunternehmen. Gleichzeitig agiert er als einflussreichster "Geflügel"-Lobbyist Deutschlands. "Er ist als Betreiber dieser Anlagen für das Leid von vielen hunderttausend Puten jedes Jahr verantwortlich. Und als Lobbyist behauptet dieser Mann wörtlich, Deutschland hätte die 'besten Haltungsbedingungen der Welt'. Sein politisches Ziel ist klar", folgert Franz: "Alles soll so bleiben, wie es ist. Damit dieses grausame Geschäft rentabel bleibt, für ihn und die gesamte Branche."

Denn Zustände wie diese sind keine Ausnahme. Tote, kranke und verletzte Puten gehören in jeder deutschen Mastanlage zum Alltag. Gelenkentzündungen, Knochenprobleme, Brustblasen, Federpicken, Kannibalismus und hohe Sterberaten sind direkte Folgen der in Deutschland üblichen Mastbedingungen. Die betroffenen Tiere sind von vornherein als "Verluste" einkalkuliert. Und wer nicht von alleine stirbt, wird auf brutale, häufig illegale Weise getötet. "Diese Aufnahmen zeigen kein individuelles Fehlverhalten, sondern das Prinzip, nach dem diese gewalttätige Branche funktioniert", so Franz weiter.

Die Bilder der versteckten Kameras zeigen auch, warum Veterinärkontrollen keine Lösung, sondern ein Teil des Problems Tierindustrie sind. Zufällig filmten sie im gleichen Zeitraum die Kontrolle einer Masthalle mit mehr als tausend Puten. Diese "Kontrolle" dauerte nicht mehr als vier Minuten - in denen sich die Veterinäre zudem kaum von der Stelle bewegten. Kein Wunder, dass die massiven Verletzungen, Wunden und Erkrankungen der Tiere kaum jemals auffallen.

"Das Beispiel zeigt: Effektive Kontrollen sind nicht möglich und oft auch gar nicht gewollt", schließt Sandra Franz und betont: "Erst wenn Tiere nicht länger als Ware gelten, kann mit solchen Bildern Schluss sein. Deshalb fordern wir eine echte Agrarwende, weg vom System der Tierausbeutung und hin zu einem ökologischen Pflanzenbau ohne jede Tiernutzung."

[1] https://www.ariwa.org/brutaler-toetungsalltag-beim-putenpraesidenten/

Quelle: Animal Rights Watch e.V. (ots)

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