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Ein Drittel weniger Leben auf der Erde

Archivmeldung vom 29.08.2012

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 29.08.2012 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Satellitenmessung des Nährstoffgehalts in den Ozeanen. Die Punkte markieren die Stellen, an denen Proben genommen wurden. Im Südpazifik befindet sich eine große Zone, in der praktisch keine Nährstoffe messbar sind.  Bild: GFZ, Jens Kallmeyer
Satellitenmessung des Nährstoffgehalts in den Ozeanen. Die Punkte markieren die Stellen, an denen Proben genommen wurden. Im Südpazifik befindet sich eine große Zone, in der praktisch keine Nährstoffe messbar sind. Bild: GFZ, Jens Kallmeyer

Die lebende Biomasse auf der Erde ist deutlich geringer als bisher angenommen. Bisherige Annahmen über die Menge an lebenden Organismen auf unserem Planeten müssen um etwa ein Drittel reduziert werden. Dieses Ergebnis stellt eine deutsch-amerikanische Gruppe von Geoforschern in der jüngsten Ausgabe der „Proceedings of the National Academy of Science“ (PNAS) vor.

Schätzungen gingen bisher davon aus, dass insgesamt etwa Tausend Milliarden Tonnen Kohlenstoff in allen lebenden Organismen auf der Erde gespeichert ist, davon etwa 30 % in den einzelligen Mikroorganismen im Meeresboden und 55% in Landpflanzen. Die Forschergruppe um Dr. Jens Kallmeyer vom Deutschen Geoforschungszentrum GFZ/Universität Potsdam stellte nun fest: Statt etwa 300 Milliarden Tonnen Kohlenstoff stecken nur etwa vier Milliarden Tonnen in den Mikroorganismen im Meeresboden. Damit sinkt die Menge des global in allen Lebewesen gespeicherten Kohlenstoffs um etwa ein Drittel.

Die früheren Abschätzungen beruhten auf der Untersuchung von Bohrkernen, die hauptsächlich aus Bohrungen in der Nähe von Küsten oder in sehr nährstoffreichen Gebieten gewonnen wurden. „Etwa die Hälfte der Weltmeere sind aber extrem nährstoffarm, daher wurde schon seit etwa 10 Jahren vermutet, dass die Biomasse im Meeresboden stark überschätzt wird“, erklärt Dr. Jens Kallmeyer seinen Forschungsansatz, „Allerdings gab es keine Daten zur Bestätigung dieses Verdachts.“ Kallmeyer hat daher zusammen mit Kollegen von der Universität Potsdam und der University of Rhode Island, USA, Proben aus Sedimentbohrkernen fernab von Küsten und Inseln gesammelt. Die sechsjährigen Forschungsarbeiten zeigen, dass in diesen Meeresgebieten, die aufgrund ihrer Nährstoffarmut auch „Wüsten der Meere“ genannt werden, bis zu hunderttausendmal weniger Zellen gefunden werden als in vergleichbaren Bohrkernen in Küstennähe.

Mit diesen frischen Daten berechneten die Wissenschaftler die Biomasse in marinen Sedimenten neu und kamen auf die genannten, drastisch niedrigeren Werte.

Trotz des hohen logistischen und finanziellen Aufwands für marine Bohrexpeditionen gibt es mehr Daten über die Verteilung der lebenden Biomasse im Meeresboden als über ihr Vorkommen an Land. „Unsere neuen Ergebnisse zeigen, dass es erforderlich ist, auch die anderen Zahlen, wie z.B. für die Menge an Kohlenstoff in tiefen Sedimenten an Land neu zu berechnen,“ sagt Jens Kallmeyer. Gerade die Erforschung der sogenannten „Tiefen Biosphäre“, also des Lebens, das sich in mehreren Kilometern Tiefe im Gestein der Erdkruste findet, steckt in vielen Bereichen noch in den Kinderschuhen. Die nun vorliegenden Zahlen tragen dazu bei, ein genaueres Bild der Verteilung der lebenden Biomasse auf der Erde zu bekommen.

Quelle: Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ (idw)

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