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Tsunamieinfluss auf gefährdete Vogelart

Archivmeldung vom 12.11.2014

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 12.11.2014 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Juan Fernandez-Kolibris, männl. (li) und weiblich
Quelle: Ingo Hahn (idw)
Juan Fernandez-Kolibris, männl. (li) und weiblich Quelle: Ingo Hahn (idw)

Eine deutsch-chilenische Forschergruppe veröffentlichte im Journal of Population Ecology Ergebnisse zur Bestandsentwicklung des endemischen Kolibris auf Grundlage von Expeditionen ein Jahr vor und ein Jahr nach dem Tsunami 2010

Juan Fernandez-Kolibri im anflug
Quelle: Ingo Hahn (idw)
Juan Fernandez-Kolibri im anflug Quelle: Ingo Hahn (idw)

Der pazifische Tsunami vom 27. Februar 2010 traf die chilenische Insel Robinson Crusoe mit bis zu 25 m hohen Wellen. Er zerstörte nicht nur weite Teile der einzigen Siedlung, sondern auch 57 % der Individuen des hier endemischen Kohlbaums (Dendroseris litoralis). Dessen Nektar stellt besonders zu dieser Jahreszeit eine wichtige Nahrungsquelle für den nur auf dieser Insel lebenden und als stark gefährdet eingestuften Juan Fernandez-Kolibri (Sephanoides fernandensis) dar.

Eine deutsch-chilenische Forschergruppe veröffentlichte nun im Journal of Population Ecology Ergebnisse zur Bestandsentwicklung des endemischen Kolibris auf Grundlage von Expeditionen ein Jahr vor und ein Jahr nach dem Tsunami. „Weil sich solche Untersuchungen wegen der Unvorhersehbarkeit von Naturkatastrophen nicht planen lassen, profitierten wir von Langzeiterfassungen zu dieser Art seit 1994“, so Prof. Dr. Ingo Hahn von der Hochschule München, der die Feldarbeiten koordinierte. Diese Unvorhersehbarkeit ist auch die Ursache für die geringe Anzahl existierender Studien über den Einfluss von Tsunamis auf Pflanzen- oder Tierpopulationen. Auf Basis von Linientaxierungen wurde herausgefunden, dass die Kolibri-Häufigkeit nach dem Tsunami sowohl im Naturwald als auch im nektrarreichen Siedlungsgebiet abnahm, in letzterem allerdings deutlich stärker. Kartierungen von Standorten der nektar-/blütenreichen Kohlbäume zeigten einen gravierenden Verlust von Bodensubstraten und Altpflanzen – und eine Zusammenhang zum Rückgang des Kolibribestandes. Die Ergebnisse belegen, dass der Verlust einer bedeutenden Nahrungsressource kurzfristig Verteilung und Häufigkeit einer Vogelart beeinflussen und zur Populationsabnahme führen kann. Die vorliegende Studie weist erstmalig nach, dass eine Tierart mit dem höchsten Gefährdungsgrad durch ein Tsunami-Ereignis im Bestand negativ beeinflusst wird (IUCN 2014).

Demnach kann solch eine Naturkatastrophe Rote-Liste-Arten zusätzlich gefährden; jedoch sind die vorhergehenden Gründe der Bedrohung von Endemiten meist durch menschlichen Einfluss verursacht. Im Fall des Juan Fernandez-Kolibris, der einen Gesamtbestand von nur noch 1100 Individuen zählt, sind anthropogene Lebensraumveränderungen, eingeschleppte Fressfeinde und ein konkurrierender Invasiv-Kolibri für die Primärgefährdung verantwortlich. Damit künftige Naturereignisse wie der Tsunami 2010 keine kritische Bestandbedrohung mehr darstellen, sollten vier Naturschutzmaßnahmen getroffen werden. Erstens sollte die Naturwaldzerstörung durch die Eliminierung von Ziegen und Kaninchen gestoppt werden. Zweitens sollten die eingeschleppten Hauskatzen – die Hauptfressfeinde des Kolibris auf Robinson Crusoe – sowohl im Naturwald- als auch Siedlungsgebiet entfernt werden. Drittens sollte der invasive Chile-Kolibri dezimiert werden, welcher zahlreiche Nahrungsressourcen seines endemischen Verwandten ausbeutet. Viertens sollte eine kleine Volieren-Population des Juan Fernandez-Kolibris als „Notreserve“ tsunamisicher am Festland gehalten werden.

Die Artenschutzmaßnahmen sind notwendig, will man nicht bald eine ganz besondere Spezies verlieren. Denn diese ist nicht nur eine Leitart für den Insel-Nationalpark und die Fauna Chiles, sondern auch naturwissenschaftlich ein Unikat – als am isoliertesten lebende und am stärksten geschlechtsdimorphe Art aller Kolibris. Um die Bestandsentwicklung verfolgen zu können und um ggf. die durchgeführten Schutzmaßnahmen bewerten zu können, wäre ein weiteres Populations-Monitoring unerlässlich.

Quelle: Hochschule München (idw)

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