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Verdacht auf illegale Tierversuche an Hunden in Erlangen

Archivmeldung vom 10.04.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 10.04.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: Matthias Preisinger / pixelio.de
Bild: Matthias Preisinger / pixelio.de

Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche hat heute Strafanzeige gegen Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) wegen Verdachts auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz gestellt. Nach Recherchen des Vereins hat eine Arbeitsgruppe der Mund- Kiefer- und Gesichtschirurgischen Klinik vermutlich über mehrere Jahre Tierversuche an Beagle-Hunden und eventuell auch Schweinen ohne ordnungsgemäße Genehmigung durchgeführt.

Beagle-Hunden wurden bis zu 12 Backenzähne aus dem Ober- und Unterkiefer gezogen, um Implanate einzubringen. Zum Teil wurden bewusst Entzündungen des Zahnfleisches und der Kieferknochen hervorgerufen, indem Bauwollfäden um die Implantate gelegt wurden, in denen sich Bakterien ansiedelten. Schweinen wurden 9 Löcher mit 1 cm Durchmesser in den Schädel gebohrt und mit künstlichen Materialien gefüllt. Für die Tiere waren die Experimente mit erheblichen Schmerzen und Leiden verbunden.

Die Ergebnisse wurden in Fachjournalen veröffentlicht. Dabei fielen dem Ärzteverein Widersprüche bei elf Publikationen aus den Jahren 2011 – 2017 auf. Mehrfach wurden identische Genehmigungsnummern für ganz unterschiedliche Versuche mit Schweinen und Hunden angegeben. Die gleiche Nummer wird mal der zuständigen Regierung von Oberbayern in Ansbach zugeordnet, mal einer Behörde in Budapest. In einem Artikel hieß es, die Versuche seien in Ungarn genehmigt, aber an der FAU durchgeführt worden. In einer Publikation wird eine Genehmigungsnummer aus Ungarn angegeben, die dort aber - wie eine Anfrage ergab - unbekannt ist. In einer weiteren Studie wird ein Lieferant von Schweinen in Abtsgemünd, 160 km von Erlangen entfernt, angegeben, aber die Versuche seien in Ungarn genehmigt worden. „Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass Schweine nach Ungarn transportiert wurden, um dort die Versuche durchzuführen“, meint Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. Es geht um Versuche an insgesamt 114 Schweinen und 26 Beagles.

Die Tierversuchsgegner haben über einen Zeitraum von fast zwei Jahren versucht, die Unstimmigkeiten aufzuklären, aber erhielten von den Behörden entweder keine oder unbrauchbare Antworten. Insbesondere die für die Genehmigung von Tierversuchen zuständige Regierung von Unterfranken zeigte sich nicht gewillt, die Sache aufzuklären. Sie gab lediglich an, dass in den letzten 5 Jahren keine Versuche an Hunden genehmigt worden seien. „Wenn es eine einfache Erklärung gegeben hätte, z.B. Fehler in den Publikationen, hätte man uns das kurzerhand mitteilen können. Die Verschleierungstaktik weist darauf hin, dass wir einem Skandal auf die Spur gekommen sind. Vermutlich sind mehrere Tierversuche an Hunden und Schweinen an der FAU ohne behördliche Genehmigung durchgeführt worden“, folgert Tierärztin Gericke.

„Die Tiere, die in den leidvollen und unsinnigen Versuchen gestorben sind, kann man nicht wieder lebendig machen. Aber wir müssen dafür sorgen, dass Experimentatoren nicht ungeschoren davonkommen, wenn sie die ohnehin schon viel zu laschen Gesetzesvorgaben nicht einhalten“, schließt Gericke. Nun ist es an der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth - Zweigstelle Erlangen Ermittlungen einzuleiten und ggf. Anklage zu erheben.

Erst vor wenigen Wochen hatte der Verein Strafanzeige wegen illegaler Tierversuche gegen Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg gestellt. Die Staatsanwaltschaft Heidelberg hat die Ermittlungen inzwischen ausgeweitet.

Quelle: Ärzte gegen Tierversuche e.V.

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