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Mittelmeer: Schnabelwale stranden wegen Unterwasserlärm durch Militärsonar

Archivmeldung vom 02.04.2014

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 02.04.2014 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: OceanCare
Bild: OceanCare

Mindestens fünf Schnabelwale sind am 1. April in Kreta gestrandet. Wissenschaftler stellen fest, dass der Lärm der Militärübung „Noble Diana 2014“ die Ursache ist. OceanCare schlägt Alarm und fordert, sensible Meeresgebiete als Schutzgebiete auszuzeichnen, um das Ausrotten der Schnabelwale im Mittelmeer zu verhindern.

„Kaum hat sich die Good News verbreitet, dass der Internationale Gerichtshof Japans Walfang in der Antarktis stoppt, da trifft uns die Schreckensnachricht aus dem Mittelmeer, quasi vor der eigenen Haustüre, wie ein eiskalter Schauer“, sagt Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare. Am Dienstag, 1. April zwischen 12.00 und 13.00 Uhr sind mindestens fünf Cuvier Schnabelwale bei Ierapetra in Kreta, Griechenland, gestrandet. Brisant: Internetrecherchen ergeben, dass die israelischen, griechischen und US-Militärs eine trilaterale zweiwöchige Militärübung im Gebiet um Kreta namens “Noble Diana 2014” durchführen.

Schnabelwalstrandungen in Kreta

Drei Tiere strandeten lebend bei Ierapetra und zwei weitere 17 km weiter westlich – ebenfalls lebend. Ein Tier verstarb während die anderen durch Strandungshelfer ins Meer zurückgeführt werden konnten. Später strandeten zwei Schnabelwale einzeln, 2.7 km und 500 m weiter westlich. Dabei ist nicht klar, ob es sich um dieselben Tiere handelte. Auch sie wurden wieder ins Meer zurückgeführt – und seither nicht wiedergesehen. „Strandungen sind nur die Spitze des Eisbergs – die meisten Tiere sinken leblos auf den Meeresgrund“, so Sylvia Frey, Leiterin Wissenschaft und Bildung von OceanCare. „Der Cuvier-Schnabelwal ist besonders anfällig gegenüber Unterwasserlärm – zahlreiche, Lärm bedingte Strandungen weltweit sind dokumentiert und alle bekannten sogenannt atypischen Walstrandungen stehen in Zusammenhang mit Unterwasserlärm“, so Frey.

Militärsonar als Todesursache

Das Militär setzt Aktivsonar ein, um unter Wasser Objekte wie feindliche U-Boote zu erkennen. Diese Mittel- und Tieffrequenz-Sonarsysteme senden über Stunden 100 Sekunden lange Tonimpulse aus, die mit grösstmöglicher Energie in einem möglichst engen Bereich ausgesendet werden. Tieffrequenz-Sonar dient zur Überwachung weiter Gebiete und sättigt tausende Kubikkilometer unter Wasser mit Schall. Militärsonare arbeiten mit Frequenzen zwischen 0.1 und 10 kHz und erreichen massive Lautstärken von bis zu 230 Dezibel. Gemeinsam mit 19 NGOs ruft OceanCare auf www.silentoceans.org weltweit für mehr Ruhe im Meer auf, motiviert die Öffentlichkeit zum Mitmachen und präsentiert auf dieser Plattform konkrete Lösungsvorschläge im Umgang mit Lärm. Erreicht hat OceanCare, dass die UNO Unterwasserlärm als eine der fünf grössten Gefahren für die Meeressäuger einstuft.

Schutz sensibler Meeresgebiete

Bislang sind erst knapp zwei Prozent der Meere als Schutzgebiete ausgezeichnet. OceanCare fordert, dass dringend weitere für Meeressäuger und die marine Artenvielfalt wichtige Gebiete zu Schutzgebieten erklärt werden, unter anderem das sensible Gebiet um Griechenland. „Militärmanöver sollen ausschliesslich in wissenschaftlich nachgewiesenen Meereswüsten durchgeführt werden, also fernab von Gebieten mit reicher mariner Artenvielfalt“, so Frey. Die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse führten zur Identifikation von Schnabelwal-Hot-Spots im Mittelmeer. Diese hat OceanCare an der 5. Vertragsstaatenkonferenz von ACCOBAMS, dem Abkommen zum Schutz der Wale und Delphine im Mittelmeer und Schwarzen Meer, vom vergangenen November in Marokko präsentiert: Im Vorfeld der Konferenz erarbeitete der Wissenschaftsausschuss des Abkommens eine Empfehlung für den Cuvier-Schnabelwal. Er identifizierte besonders bedeutende Gebiete im Mittelmeer und empfahl, Pufferzonen von 50 nautischen Meilen um diese einzurichten. Pufferzonen, in denen keine Marineübungen stattfinden sollten. Die Vertragsstaaten haben diese Empfehlung verworfen, so dass keine konkreten Schutzmassnahmen für diese Gebiete beschlossen werden konnten. "Mit den Kanarischen Inseln, die 2004 ein Moratorium für den Einsatz von militärischen Sonarsystemen in einem Umkreis von 50 nautischen Meilen verhängten, haben wir ein konkretes Beispiel für die Effektivität dieser Massnahme, denn seither gab es hier keine atypischen Massenstrandungen von Schnabelwalen mehr", sagt Nicolas Entrup, Konsulent von OceanCare und der amerikanischen Natural Resources Defense Council. OceanCare wird am ACCOBAMS-Wissenschaftsmeeting vom 15. bis zum 17. April in Monaco die Dringlichkeit von Schutzmassnahmen um Griechenland und in weiteren Meeresregionen erneut aufzeigen.

Quelle: OceanCare

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