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Agrarheute-Umfrage: 65 Prozent der Landwirte wollen Grüne Kreuze aufstellen

Archivmeldung vom 17.09.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 17.09.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Norbert Lehmann
Norbert Lehmann

Bild: agrarheute

Aus Protest gegen das von Bundesumweltministerin Schulze und Bundesagrarministerin Klöckner am 4. September auf den Weg gebrachte Agrarpaket folgen derzeit zahlreiche Landwirte dem Aufruf ihres Berufskollegen Willi Kremer-Schillings. Der in den sozialen Netzwerken stark vernetzte, besser unter dem Namen Bauer Willi bekannte, Landwirt rief am 7. September Berufskollegen dazu auf, grüne Mahnkreuze auf ihren Äckern, an ihren Wiesen oder vor ihren Betrieben aufzustellen. Mit der eindrücklichen Symbolik wollen die Landwirte auf die negativen Folgen des Agrarpakets insbesondere für kleine Landwirtsbetriebe hinweisen.

In einem Brief wenden sich die Initiatoren der Aktion an die Öffentlichkeit und betonen: Die Landwirtschaft sei nach wie vor zum Dialog bereit, verschließe sich einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise nicht. Doch die wirtschaftlichen Perspektiven der Bauern dürften nicht außen vor bleiben. Mit den grünen Kreuzen wolle die Initiative deshalb noch einmal unmissverständlich klar machen, dass die aktuelle Agrar- und Umweltpolitik vor allem die Familienbetriebe zu Grabe trage. Man hoffe auf eine große Beteiligung nach dem Motto von Friedrich Wilhelm Raiffeisen: „Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele.“

Mehrere Bauernverbände unterstützen die Aktion, die innerhalb der Agrarbranche nicht unumstritten ist. agrarheute, die führende Fachmedienmarke im Agrarbereich aus dem Hause dlv Deutscher Landwirtschaftsverlag, befragte die Landwirte nach ihrer Meinung. Fast 4.000 agrarheute-Leserinnen und Leser beteiligten sich über das vergangene Wochenende an der Onlineumfrage.

65 Prozent von ihnen gaben an, sich an der Protestaktion aktiv zu beteiligen, 21 Prozent befürworteten die Aktion, auch wenn sie selbst nicht mitmachten, und 14 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehen keinen Nutzen in der Aktion „grüne Kreuze“.

Norbert Lehmann, Ressortleiter Management & Markt von agrarheute erklärt die Hintergründe: „Die Kampagne stellt keine Forderungen. Sie macht auf die Konsequenzen politischen Handelns aufmerksam: Wenn das Agrarpaket umgesetzt wird, heißt das in einer Welt des liberalisierten Agrarhandels: Kleine und mittlere Betriebe steigen aus, mehr Großbetriebe entstehen, mehr Lebensmittel werden aus dem Ausland importiert. So ehrlich sollte die Politik schon sein und das auch zugeben. Ein paar Euro mehr für die ersten Hektare sind gegen diese Marktmechanismen nur weiße Salbe.“

Hintergrund zum Agrarpaket

Das frisch geschnürte Agrarpaket von Bundesagrarministerin Julia Klöckner und Bundesumweltministerin Svenja Schulze hält für Landwirte wirtschaftliche Einbußen bereit. Im Tausch gegen die Zustimmung der SPD-Minister zum freiwilligen staatlichen Tierwohlkennzeichen hat das CDU geführte Bundeslandwirtschaftsministerium seinen Widerstand gegen eine höhere Umschichtung der Agrarsubventionen von der Ersten in die Zweite Säule noch in dieser Förderperiode aufgegeben. Der Umschichtungssatz werde 2020 bei 6 Prozent (gegenüber dem gegenwärtigen Satz von 4,5 Prozent) liegen. Dabei sagte Klöckner zur Kürzung der Direktzahlungen: "4,50 Euro werden pro Hektar verschoben. 90 Prozent dieser Gelder, die den Landwirten weggenommen werden, fließen an die Landwirte über die Agrarumweltmaßnahmen wieder zurück. Das ist eine Win-win-Situation."

Mit dem Agrarpaket verabschiedet wurde das Aktionsprogramm Insektenschutz, das unter Federführung des Bundesumweltministeriums erarbeitet worden ist. Daran sollen Ziele und Maßnahmen zum Insektenschutz verbindlich verankert werden. Zur Finanzierung von Förderprogrammen im Agrarbereich ist vorgesehen, im Bundeshaushalt 2020 einen Sonderrahmenplan in der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) einzurichten. Dieser soll mit 50 Mio Euro ausgestattet werden.

Quelle: agrarheute


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