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Ist der Baikalsee gerettet?

Archivmeldung vom 28.12.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 28.12.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Karte des Baikalsees
Karte des Baikalsees

Foto: Sansculotte
Lizenz: CC-BY-SA-2.0-de
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Diese Frage stellt die Redakteurin Ksenia Fokina bei Radio "Stimme Russlands". Sie schreibt in Ihrem Beitrag: "Die Ökologen triumphieren. Das Zellstoff- und Papierkombinat, das den größten Süßwassersee der Welt – den Baikalsee – vergiftete, wurde endgültig für geschlossen erklärt. Die Rekultivierung des Betriebsgeländes wird einige Jahre dauern. Dafür wird man rund 15 Milliarden Rubel brauchen."

Weiter heißt es in dem Beitrag: "Man begann das Zellstoff- und Papierkombinat am Baikalsee 1966 zu bauen – in erster Linie, um den Flugzeugbau mit Zellstoffreifenkord zu versorgen. Aber als der Bau schon zu Ende ging, brauchte man ihn nicht mehr, weil die Industrie sich auf Metallkord umstellte. Aber zusammen mit dem Werk wurde auch eine ganze Stadt – Baikalsk – gebaut. Also wurde das Funktionieren des schädlichen Betriebes für viele Jahre zum Unterpfand des Überlebens von 14.000 Personen. 1.600 von ihnen arbeiteten in diesem Betrieb. Jetzt werden sie entlassen. Im Kombinat schließt man nicht aus, dass man im Januar Protestaktionen organisieren wird.

Einer der dortigen Einwohner, Oleg Chlystow, der im Limnologischen Institut arbeitet, äußerte für die STIMME RUSSLANDS seine Meinung über die Schließung des Zellstoff- und Papierkombinats.

„Ich wurde in Solsan, fünf Kilometer vom Baikalsee entfernt, geboren und wurde dort groß. Dort befanden sich die Kläranlagen des Sees. Mein ganzes Leben lang atmete ich diesen Geruch ein. Jetzt bin ich froh, dass alles endlich geschlossen wird. Der Traum meiner Kindheit geht in Erfüllung. Meine Heimat wird rein sein. Das ökologische Problem des Baikalsees muss gelöst werden – das ist für mich sehr wichtig.“

Das Problem der dortigen Bevölkerung bleibt sehr groß und wird, wie merkwürdig das auch ist, zur Ursache neuer ökologischer Probleme. Oleg Chlystow ist das nicht vom Hörensagen bekannt.

„Die Bevölkerung arbeitet jetzt nicht im Betrieb. Sie haben nicht das beste Leben. Nur die Rentner leben gut – sie bekommen ständig Geld. Man zwingt die Bevölkerung, zu wildern und den Wald abzuholzen. Wollen wir hoffen, dass man irgendeinen umweltfreundlichen Betrieb bauen wird, damit die örtliche Bevölkerung arbeitet.“

Was wird sich an der Stelle des unheilbringenden Zellstoff- und Papierkombinats befinden? Der Gouverneur des Gebietes Irkutsk, in dem sich der See administrativ befindet, Sergej Jeroschtschenko, äußerte sich bereits zu diesem Thema. Er erklärte, dass „die Organisation neuer Betriebe ein sehr komplizierter Prozess ist. Die touristische Richtung bleibt die Hauptrichtung. Die Umgebung des Baikalsees ist ja ein Gebiet in Russland, in dem es besonders viel Schnee gibt. Schon jetzt beträgt die Schneeschicht rund ein Meter. Das Abfüllen des Trinkwassers ist noch eine perspektivreiche Richtung.

„Aber die Liquidierung des Zellstoff- und Papierkombinats ist nur die halbe Sache“, sagte der Leiter des Baikal-Programms von Greenpeace Russland, Arkadi Iwanow.

„Mit der Schließung des Zellstoff- und Papierkombinats wurden nicht alle Probleme gelöst. Unter anderem bleibt bis jetzt die Gefahr der Erschließung der Lagerstätte der Polymetallerze im Norden des Baikalsees bestehen. Es besteht eine ernste Gefahr, dass der ganze nördliche Teil des Baikalsees wegen der Verschmutzung vernichtet werden kann.“

Außerdem gibt es Pläne zum Bau des Wasserkraftwerkes „Schuren“ in der Mongolei an dem Hauptflussbett des Flusses Selenga. Das kann unter anderem die Bedingungen des Laichens von Fischen beeinflussen. Zum Beispiel des Baikal-Störs und des Omuls. Das sind einzigartige Arten, die in das Rote Buch der Russischen Föderation eingetragen wurden und die trotz der Maßnahmen, die man zur Wiederherstellung ihrer Population ergreift, verschwinden.

Die Schließung des Zellstoff- und Papierkombinats am Baikalsee ist zweifellos ein Meilenstein. Aber die Rettung des Sees besteht in seinem systemhaften Schutz."

Quelle: Text: Irina Popowa - „Stimme Russlands"

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