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Entsalzungsanlagen sind keine Patentlösung

Archivmeldung vom 21.06.2007

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 21.06.2007 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
© WWF-Canon / Michel Terrettaz
© WWF-Canon / Michel Terrettaz

Mehr als eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Wassermangel ist ein Problem, das sich vor dem Hintergrund des Klimawandels und wachsendem Konsum noch verschärft. Weltweit setzen immer mehr Länder auf die Entsalzung von Meerwasser.

Doch das ist nur eine Scheinlösung. Zu diesem Ergebnis kommt ein neuer WWF-Report, der sich mit den Möglichkeiten und Grenzen der Wassergewinnung aus dem Meer beschäftigt. „Zwar lagern 95 Prozent der Wasserressourcen des Planeten in den Weltmeeren, doch die Entsalzung ist teuer, energieaufwändig und mit fatalen ökologischen Nebenwirkungen verbunden“, fasst Martin Geiger, Leiter des Süßwasserbereichs beim WWF Deutschland die Ergebnisse des Reports zusammen.  

Derzeit sind weltweit mehr als 10.000 Anlagen zur Meerwasserentsalzung in Betrieb. Sie produzieren Tag für Tag etwa 31 Millionen Kubikmeter Trinkwasser. Dies würde reichen, um rund die Hälfte der EU-Bürger mit Wasser zu versorgen.  Das Wachstumspotenzial dieser Industrie ist riesig. Weltweit wird mit einer Verdoppelung dieser Kapazität bis 2015 gerechnet. Vorreiter sind Länder wie Saudi Arabien, Australien und Spanien. Auch China peilt eine Verdreifachung seiner Anlagen bis 2020 an.  

„Mit den Anlagen wachsen die Probleme“, betont Martin Geiger vom WWF. Große Anlagen benötigen so viel Energie, dass man im Grunde gleich ein eigenes Kraftwerk daneben bauen muss. Das führe wiederum zu einer Erhöhung des Treibhausgasausstoßes und trage zum Klimawandel und damit letztlich zu zunehmender Dürre in vielen Gebieten bei. Hinzu komme, dass die riesigen Industrieanlagen große Küstengebiete verschandeln und das entzogene Salz als Sole wieder ins Meer zurückgeleitet werde. Dadurch verändere sich der Salzgehalt des Meeres, was wiederum in den betroffenen Küstenbereichen negative Folgen für die Fischbestände, sowie Korallen und Wasserpflanzen habe.  

Auch die Wasserversorgung für die Armen werde sich nach Einschätzung des WWF durch die Entsalzung von Meerwasser nicht verbessern. Dazu sei das Verfahren viel zu teuer. „Gerade in trockenen Ländern etwa im Mittelmeerraum oder Australien wird gnadenlos Wasser verschwendet. Durch marode Rohrleitungen versickert ein beträchtlicher Anteil des kostbaren Gutes ungenutzt im Boden“, erläutert Martin Geiger. Insbesondere die Landwirtschaft sei ein Schlüsselsektor. 70 bis 80 Prozent des Wasserverbrauchs gehe auf das Konto der Landwirtschaft.  

In Einzelfällen möge eine Entsalzungsanlage sinnvoll sein, räumt der WWF-Report ein. Bevor man jedoch an eine Erschließung im großen Stil gehe, sei ein behutsamer Umgang mit der Ressource Wasser für Mensch und Natur der effizientere, bessere und billigere Weg. Bevor eine Anlage geplant und gebaut wird, müssten alle Optionen von Wassersparen in der Landwirtschaft, die Sanierung der Wasserversorgungsnetze und die mögliche Nutzung von aufbereitetem Abwasser sorgfältig geprüft werden.

Quelle: Pressemitteilung WWF

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