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Tierversuche steigen auf über 3 Millionen

Archivmeldung vom 28.10.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 28.10.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de
Bild: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Aus der heute veröffentlichten Tierversuchsstatistik des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) für das Jahr 2012 geht hervor, dass in deutschen Laboren 3.080.727 Tiere für Forschungszwecke verwendet wurden. Das sind rund 170.000 Tiere bzw. 5,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche spricht von einem Skandal. Die Zahlen bedeuten, dass jeden Tag 8.500 Tiere in unsinnigen und qualvollen Tierversuchen leiden. Die Torturen enden unweigerlich mit dem Tod der Tiere.

Die Dimension der Tierversuche ist höchst alarmierend. „In nur zehn Tagen werden in deutschen Laboren so viele Tiere zu Tode geforscht, wie Tübingen oder Gießen Einwohner haben. Nach einem Monat wäre eine Stadt wie Braunschweig oder Mönchengladbach ausgelöscht“, führt Dipl.-Biol. Silke Bitz, Sprecherin der Ärztevereinigung, vor Augen. Der Verein kritisiert, dass entgegen politischer Versprechungen, Tierversuche zu reduzieren, die Zahlen seit Jahren dramatisch steigen. Von 1997 bis 2012 hat sich die Zahl mehr als verdoppelt.

Grund für die seit Jahren unaufhörlich steigenden Zahlen ist vor allem die per Definition zweckfreie Grundlagenforschung, die 2012 rund 37 % der im Tierversuch getöteten Tiere zu verantworten hat und bei der es um das reine Streben eines Forschers nach Erkenntnis geht. Bei den Giftigkeitsprüfungen gibt es dagegen einen Rückgang um etwa 8.000 Tiere auf jetzt 5,5 Prozent der Gesamtzahl. Den seit Jahren andauernden Abwärtstrend in diesem Bereich führt der Ärzteverein auf den verstärkten Einsatz tierversuchsfreier Testmethoden zurück.

Von den im Jahr 2012 in Deutschland für Versuchszwecke getöteten Tiere waren rund 2,3 Millionen Mäuse, 418.145 Ratten, 166.396 Fische, 75.848 Vögel, 97.236 Kaninchen, 2.612 Hunde, 1.686 Affen, 863 Katzen sowie zahlreiche andere Tiere. Rund 890.000 der Mäuse waren genmanipuliert, bei Ratten waren es fast 8.000.

Gegenüber dem Vorjahr wurden somit über 200.000 Mäuse, rund 15.000 Ratten und fast 10.000 Kaninchen mehr ‚verbraucht’. Ein Anstieg ist auch bei Hunden und Katzen zu verzeichnen. So mussten 278 mehr Katzen und 138 mehr Hunde als im Vorjahr für fragwürdige Forscherinteressen leiden.

Die Ärztevereinigung gibt zudem zu bedenken, dass es eine Dunkelziffer von getöteten Tieren insbesondere bei den Nagern gibt, die in der Statistik nicht erfasst werden. So werden Tiere, die bei der Zucht aussortiert und getötet oder durch die Haltungsbedingungen sterben, in der offiziellen Statistik nicht erfasst. Auch die bei der Genmanipulation entstehenden „Ausschusstiere" werden in den amtlichen Zahlen nicht aufgeführt. Berechnungen gehen davon aus, dass hierbei 90 bis 99 % Tiere entstehen, die nicht die gewünschte Veränderung haben und wie Müll entsorgt werden.

Die Experten der Ärzte gegen Tierversuche fordern seit Jahren den Ausstieg aus dem unethischen und wissenschaftlich fatalen Irrweg Tierversuch. Stattdessen sollen moderne Forschungsmöglichkeiten zum Einsatz kommen, da mittels Bevölkerungsstudien, Computersimulationen, Biochips und Zellsystemen aussagekräftige Erkenntnisse erlangt werden können.

Quelle: Ärzte gegen Tierversuche e.V.

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