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Todesfalle Ölteppich

Archivmeldung vom 07.05.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 07.05.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Basstölpel. Bild: Michael Poliza / WWF
Basstölpel. Bild: Michael Poliza / WWF

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko droht nach Einschätzung des WWF zu einem Desaster für die Tier- und Pflanzenwelt der Region zu werden. Das Öl hat den Strand der Chandeleur Inseln erreicht. Die Inseln gehören zum Vogelschutzgebiet Breton National Wildlife Refuge, in dem schätzungsweise 34.000 Seevögel brüten. Wenn der Ölteppich sich entlang der Küste von Louisiana bis nach Florida ausbreitet, könnten insgesamt 400-600 Arten negativ betroffen sein.

Die Ölpest trifft mit der beginnenden Brut- und Laichsaison vieler Arten zusammen, so dass sich die ökologischen Schäden potenzieren.  „Der Nach-wuchsjahrgang wird massiv geschwächt. Einige Populationen werden diesen Aderlass durch das Öl auch in kommenden Jahren nicht wieder wettmachen können“ sagte Alfred Schumm, Leiter des Internationalen WWF-Zentrums für Meeresschutz.

Seevögel / Watvögel

Vier Naturschutzgebiete allein in der Krisenregion Louisiana sind Heimat zahlloser Vogelarten. Im vom Öl betroffenen Schutzgebiet Breton National Wildlife Refuge nisten  etwa 2000 Brutpaare des Braunen Pelikans sowie etwa 5000 Brutpaare der Königsseeschwalbe. Die Küstenvögel ernähren  sich von Fisch. “Wenn die Elterntiere bei der Nahrungssuche verölen, bleiben die Küken zurück und verhungern” so Schumm weiter. "Watvögel und Reiher können bei der Nahrungssuche auch giftiges Öl mit aufnehmen." Auch beim Versuch ihr ölverklebtes Gefieder zu reinigen, vergiften sich die Vögel. Zudem wird die Wär-medämmung der Tiere außer Kraft gesetzt, so dass sie erfrieren können.

Manatee (auch Seekuh genannt)

Diese planzenfressenden Meeressäuger  siedeln und wandern  in Herden an der Golfküste von Florida bis Mississippi. Es gibt in der Region zwei Unterarten. Laut wissenschaftlichen Schätzungen sind ihre Popula-tionen auf jeweils weniger als 2.500 erwachsene Tiere geschrumpft. Die Manatees leben in Mündungsge-bieten  von Flüssen, Seegraswiesen und küstennahen Gewässern, in denen sie geeignete Futterpflanzen finden.  Sie halten sich zumeist unter der Wasseroberfläche auf. „Für die Seekühe könnte in erster Linie vergiftete Nahrung zur Bedrohung werden, da die Pflanzen Giftstoffe aus dem Öl aufnehmen“ sagt Alfred Schumm weiter. „Wo Seegraswiesen und küstennahe Vegetation beschädigt werden, verlieren die Seekühe zudem ihre letzten Rückzugsräume.“

Blauflossentunfisch (Westatlantischer Bestand)

Der Bestand des stark bedrohten westatlantischen Blauflossentunfischs, dessen wichtigster Laichgrund im nördlichen Golf von Mexiko liegt, wird durch das Öl massiv belastet. In den letzten 30 Jahren ist der durch Überfischung enorm strapazierte Bestand um rund 80 Prozent eingebrochen und dem diesjährigen Nachwuchsjahrgang droht nun das Aus: Die Laichsaison des Blauflossentunfischs reicht von April bis Juni. „Die Fische laichen in oberflächennahen Wasserschichten - der empfindliche Laich der Tunfische hat gegen den Ölfilm keine Chance“ so WWF-Experte Schumm weiter. „Der ausbleibende Nachwuchs wird den Westatlantischen Bestand weiter schwächen und sich in 2-3 Jahren auch in den Fischereierträgen widerspiegeln.“ Der Blauflossentunfisch zählt zu den teuersten Speisefischen der Welt.

Meeresschildkröten 

Fünf verschiedene Arten von gefährdeten Meereschildkröten leben oder nisten  im Golf von Mexiko, dar-unter auch die Echte Karrettschildkröte, die Karibische Bastardschildkröte, die Lederrückenschildkröte -alle drei Arten sind vom Aussterben bedroht. Die Grüne Meeresschildkröte und die Unechte Karett-schildkröte werden auf der Roten Liste der IUCN als bedroht eingestuft. Die  Brutzeit der Meeresschild-kröten erreicht derzeit ihren Höhepunkt. Insbesondere die Unechte Karettschildkröte nistet an den Strän-den von Mississippi bis Florida. Der riesige Ölteppich liegt auf der Route zu den Stränden, die sie zur Eiablage ansteuern. Eine besonders ernste Gefahr stellt der Ölteppich für die nach etwa sechs Wochen schlüpfenden Schildkrötenjungen dar. „Als Lungenatmer sind Meeresschildkröten gezwungen, an der verseuchten Wasseroberfläche aufzutauchen. Der Ölfilm schädigt dann  ihre Atmungsorgane.“ so WWF-Experte Schumm.

Mangroven

Mangrovenwälder sind besonders artenreiche Ökosysteme, die sehr empfindlich auf Verschmutzungen reagieren. Zudem nutzen viele Fische, Reptilien, Amphibien und Krebstiere die Mangroven als Kinderstu-be. Sollte das Öl in die Mangrovengebiete gelangen, ist eine Reinigung dieser Lebensräume nach Ansicht des WWF nicht möglich. „Das Öl nimmt den Mangroven buchstäblich die Luft zum Atmen. Wenn die Luft- und Stelzwurzeln verkleben, sterben die Pflanzen ab“ so Schumm. Im Schlick der Mangrovenwälder leben Krebse und Würmer, die das Öl in tiefere Bodenschichten eintragen. Dort kann es ohne Luftzufuhr nicht abgebaut werden und vergiftet Tiere und Pflanzen auf Jahre. Den Schlick abzutragen käme der Zerstörung des Ökosystems gleich. „Ohne Mangroven verlieren die Küsten einen Schutzwall gegen die in dieser Region häufigen Hurricans“, so WWF Experte Schumm.

Quelle: WWF

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