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Hitze und Frost, Gewitter und Nebel: ein Monat voller Gegensätze

Archivmeldung vom 29.10.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 29.10.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Gegenüber dem recht ruhigen Vormonat verlief der Oktober äußerst facettenreich. Der ersten herbstlichen Sturmlage zum Monatsbeginn folgte ein letztes, aber eindrucksvolles Sommergastspiel mit teils heftigen Gewittern und hohen Temperaturen, die tagsüber und in den Nächten vielerorts außergewöhnlich hoch lagen. Es folgte mit stürmischen Winden ein länger andauernder Vorstoß kalter Luft, verbunden mit ersten Nachtfrösten und Schneefällen teilweise bis ins Flachland. Der Oktober klang ruhig, vielerorts recht mild und neblig-trübe aus.

In seiner Gesamtbilanz verlief der zweite Herbstmonat gegenüber den vieljährigen Mittelwerten geringfügig zu kalt und deutlich zu nass. Er erreichte annähernd das Sonnenscheinsoll. Diese Bilanz zog der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Daten seiner rund 2 100 Messstationen in Deutschland.

Starke Temperaturkontraste und ein Rekord – doch insgesamt zu kühl

Der Oktober 2009 verlief deutschlandweit mit durchschnittlich 8,3 Grad Celsius (°C) um 0,7 Grad geringfügig zu kalt. Vielerorts zeigten sich enorme Temperaturgegensätze. So stieg das Quecksilber am 7. in Müllheim südwestlich von Freiburg im Breisgau auf bundesweit unerreichte hochsommerliche 30,9 Grad. Damit wurde der alte Oktoberrekord, aufgestellt am 3.10.1985 in Freiburg, um ein Zehntel übertroffen. Nur acht Tage später registrierte man an gleicher Stelle Frost von -4,6 Grad. Die stärksten Abweichungen der Temperatur nach unten verzeichnete man in den nördlichen und östlichen Regionen des Bundesgebietes, während im Westen und Südwesten die vieljährigen Durchschnittswerte weitgehend erreicht wurden.

In ganz Deutschland recht nass - örtlich gewittrige Starkregenfälle

Mit etwa 74 Litern pro Quadratmeter (l/m²) übertraf der Oktober in Deutschland sein Regensoll von 56 l/m² um 32 Prozent. Starkregenfälle gab es am siebten beziehungsweise achten des Monats in einem Streifen, der sich vom Ruhrgebiet über das südliche Niedersachsen und das nördliche Sachsen-Anhalt bis nach Brandenburg zog. Für diese Jahreszeit ungewöhnlich heftige Gewitter sorgten dabei für Niederschlagsmengen von teilweise weit über 50 l/m² in 24 Stunden. Besonders feucht war es vor allem in den östlichen Bundesländern, wo das Monatssoll teilweise um mehr als 100 Prozent übertroffen wurde. Im höheren Bergland, aber auch in tieferen Lagen, kam es zu ersten Schneefällen. Wesentlich trockener kamen das Saarland und Rheinland-Pfalz davon, in denen das Monatssoll sogar deutlich verfehlt wurde.

Sonnenscheinsoll fast erreicht

Die Sonnenscheindauer verfehlte mit 93 Stunden den vieljährigen Klimawert von 108 Stunden um rund 15 Prozent. Bevorzugt wurde der äußerste Norden und Südwesten. Der Osten Deutschlands wies hingegen ein deutliches Defizit an Sonnenscheinstunden auf.

Das Wetter in den Bundesländern im Oktober 2009
(In Klammern stehen jeweils die vieljährigen Mittelwerte)

Schleswig-Holstein und Hamburg:

Schleswig-Holstein mit durchschnittlich 8,3°C (9,5°C) sowie Hamburg mit 8,3°C (9,8°C) gehörten zu den kälteren Bundesländern. Die mittlere Regenmenge betrug in Schleswig-Holstein 71 l/m² (74 l/m²), in Hamburg 70 l/m² (60 l/m²). Mit 112 Stunden (98 Stunden) gehörte Schleswig-Holstein zu den sonnenscheinreicheren Bundesländern. Hamburg erfüllte mit 97 Stunden annähernd das langjährige Soll von 98 Stunden.

Niedersachsen und Bremen:

Bremen kam im Oktober auf ein Temperaturmittel von 8,9°C (9,8°C), Niedersachsen auf 8,5°C (9,6°C). Die Niederschlagsmenge lag in Niedersachsen bei 88 l/m² (57 l/m²), in Bremen bei 76 l/m² (60 l/m²). Mit 97 Stunden (100 Stunden) in Niedersachsen und 105 Stunden (97 Stunden) in Bremen wurde das Sonnenscheinsoll in etwa erfüllt.

Mecklenburg-Vorpommern:

Mecklenburg-Vorpommern gehörte mit einer Durchschnittstemperatur von 7,8°C (9,2°C) zu den kälteren Bundesländern. Die Niederschläge übertrafen mit rund 73 l/m² das Soll (42 l/m²) um 73 Prozent. Die Sonnenscheindauer lag mit 93 Stunden um 12 Prozent unter dem Schnitt (105 Stunden). In Arkona im Norden von Rügen registrierte man am 4. des Monats Sturmböen bis zu 105 km/h.

Brandenburg und Berlin:

Auch Berlin mit 8,1°C (9,6°C) und Brandenburg mit 7,9°C (9,3°C) zählten im Oktober zu den kältesten Bundesländern. Bei den Monatssummen des Niederschlags belegten Brandenburg mit 75 l/m² (36 l/m²) und Berlin mit 80 l/m² (36 l/m²) die vorderen Plätze. Umgekehrt betrug die Sonnenscheindauer in Brandenburg nur 79 Stunden (109 Stunden) und in Berlin 77 Stunden (110 Stunden). Sie lag damit deutlich unter dem vieljährigen Soll.

Sachsen-Anhalt:

Hier lag die Monatstemperatur bei 8,2°C (9,4°C). Mit 82 l/m² fielen im Oktober 219 Prozent (!) des vieljährigen Klimawertes (38 l/m²). Schierke im Harz lieferte die bundesweit höchste Niederschlagsmenge von 193 l/m² (94 l/m²). Die Sonne schien insgesamt nur 85 Stunden lang. Damit wurden lediglich 80 Prozent des Solls von 107 Stunden erfüllt.

Sachsen:

Die Mitteltemperatur lag bei 7,6°C (9,0°C). Das Niederschlagssoll (49 l/m²) wurde mit durchschnittlich 89 l/m² um 84 Prozent übertroffen. In Chemnitz und Dresden-Klotzsche lag um die Monatsmitte eine dünne Schneedecke von 1 cm Höhe. Zinnwald- Georgenfeld im östlichen Erzgebirge meldete am 17. eine Schneehöhe von 42 cm. Mit 72 Stunden Sonnenscheindauer blieb Sachsen deutlich unter dem langjährigen Mittel (119 Stunden) und bildete damit das Schlusslicht aller Bundesländer.

Thüringen:

Thüringen war mit 7,5°C (8,4°C) das kälteste Bundesland. Im Landesdurchschnitt fielen 65 l/m² (46 l/m²). In Neuhaus am Rennweg im Thüringer Wald registrierte man am 18. eine Schneedecke von 7 cm Höhe. Mit 85 Stunden (110 Stunden) verfehlte Thüringen das Sonnenscheinsoll um 18 Prozent.

Nordrhein-Westfalen:

Dieses Bundesland meldete ein Temperaturmittel von 9,2°C (9,9°C). Die durchschnittliche Regenmenge betrug 93 l/m² (65 l/m²) und bildete damit die bundesweite Spitze. Bei heftigen Gewittern vom 7. auf den 8. fielen in Teilen des Ruhrgebietes bis zum östlichen Westfalen enorme Niederschlagsmengen. In Gütersloh kamen beispielsweise 56,8 l/m² zusammen. Die Sonne zeigte sich 92 Stunden (107 Stunden) lang.

Hessen:

In Hessen wurde eine mittlere Temperatur von 8,4°C (8,9°C) registriert. Die Niederschlagsmenge summierte sich auf rund 59 l/m² (57 l/m²). Die Sonnenscheindauer erreichte mit 92 Stunden (99 Stunden) fast das Soll.

Rheinland-Pfalz:

Die Durchschnittstemperatur von 9,0°C lag nur 0,2 Grad unter dem vieljährigen Mittel von 9,2°C. Die Regenmenge von 51 l/m² lag hier um 12 Prozent unter dem Soll von 58 l/m² und belegte damit den vorletzten Platz. Bad Dürkheim an der Weinstraße war mit lediglich 30 l/m² bundesweit die trockenste Messstelle. Die Sonne erfüllte mit 96 Stunden (94 Stunden) weitgehend das vieljährige Soll.

Saarland:

Hier war es mit einer Durchschnittstemperatur von 9,1°C (9,4°C) bundesweit am wärmsten. Mit 45 l/m² (75l/m²) registrierte man auch die niedrigste Niederschlagsmenge und beim Sonnenschein lag das Saarland mit 118 Stunden (108 Stunden) an der Spitze aller Bundesländer.

Baden-Württemberg:

Hier endete der Oktober bei durchschnittlich 8,5°C (8,7°C) mit einer nur geringen Abweichung vom Soll. Bundesweiter Spitzenwert und neuer Rekord für Oktober: 30,9°C am 7. in Müllheim. Es fielen hier allerdings örtlich enorme Temperaturkontraste auf: So betrug die Temperaturspanne in Freiburg im Breisgau zwischen 29,8°C am 7. und der Nachttemperatur von -5,9°C am 15. des Monats fast 36 Grad. Der Niederschlag summierte sich auf 67 l/m² (61 l/m), die Sonne schien 101 Stunden (115 Stunden).

Bayern:

In diesem Bundesland registrierte man ein Temperaturmittel von 7,8°C (8,1°C). Damit gehörte es zu den kälteren Bundesländern. Hier wurde mit -7,1°C in Oberstdorf am 20. auch das bundesweit tiefste Minimum gemeldet. Die Niederschlagssumme von 70 l/m² lag um 20 Prozent über dem langjährigen Soll von 59 l/m². Im höheren Bergland aber auch in tieferen Lagen bildete sich vorübergehend eine dünne Schneedecke. So registrierte man am 15. in Miesbach und in Reit im Winkl 3 cm und einen Tag später in Passau-Fürstenzell 1 cm Schnee. Die Zugspitze meldete am 19. eine maximale Schneehöhe von 160 cm. Die Sonne zeigte sich in Bayern 95 Stunden (110 Stunden). 

Quelle: DWD

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