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Günter Grass übt erneut scharfe Kritik an Israels Regierung

Archivmeldung vom 15.10.2012

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 15.10.2012 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Günter Grass, 2004
Günter Grass, 2004

Foto: Florian K
Lizenz: GFDL
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Der Schriftsteller Günter Grass hat erneut scharfe Kritik an der israelischen Regierung geübt. In der Sendung "Wickerts Bücher" auf NDR Kultur verteidigt Grass zugleich sein umstrittenes Gedicht "Was gesagt werden muss". "Israel ist eine Atommacht außerhalb jeder Kontrolle. Sämtliche Resolutionen von Seiten der UNO werden missachtet. Israel ist eine Besatzungsmacht und betreibt seit Jahren Landraub, vertreibt Menschen, sieht sie als Menschen zweiter Klasse an."

Grass weiter: "Da sind rassistische Momente in Israel; das Land hat sich in der Beziehung zum Unguten verändert. Das betrübt mich. Und das sollte jeden Freund Israels betrüben, so wie es viele Israelis betrübt. Also sollte man das aussprechen dürfen."

Mit Vehemenz verwahrt sich Grass dabei gegen den Vorwurf des Antisemitismus. "Ich finde, das Beste, was man als Freund Israels - des Staates Israel und der Menschen dort, und ich sehe mich als ein Freund Israels - diesem Land angedeihen lassen kann, ist, es zu kritisieren. Die verweigerte Kritik, so eine kritiklose, quasi philosemitische Haltung, ist für mich eine neue Form von Antisemitismus."

Nach der heftigen Debatte im Frühjahr 2012 gibt Grass seinen Kritikern allerdings in einem Punkt recht: Er hätte seinerzeit deutlicher machen müssen, dass sich seine Kritik gegen die Regierung Netanjahu richte - nicht gegen den Staat Israel. "Das war eine Unachtsamkeit", so Grass auf NDR Kultur. "Da habe ich Anlass zu Kritik erweckt und da bin ich auch bereit, das zu ändern."

In seinem jüngst erschienenen Gedichtband "Eintagsfliegen" findet sich der entsprechende Vers nun in leicht veränderter Form. "Aber in der Tendenz ist das Gedicht geblieben", beharrt Grass auf seiner alten Position. Mit Blick auf den Zentralrat der Juden in Deutschland sagt der Autor, er wünsche sich, dass der Zentralrat im Staat Israel "Dinge sieht und ausspricht, die der Kritik würdig sind, sonst macht er sich unglaubwürdig."

Und Grass betont noch einmal: "Israel hat zu Recht den Anspruch erhoben, nach der Gründung mit all den auch schrecklichen Begleitumständen, auch ein normaler Staat neben anderen Staaten zu sein und ist deshalb der Kritik ausgesetzt. Die Regierung ist eine gewählte, kann abgewählt werden. Diese Dinge sind dort in der Verfassung festgeschrieben." Also müsse es auch möglich sein, mit der Politik dieser Regierung nicht einverstanden zu sein.

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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