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Pressereisen bei ThyssenKrupp: Ein Skandal, der keiner ist?

Archivmeldung vom 14.11.2012

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 14.11.2012 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Thyssen-Krupp
Thyssen-Krupp

Von ThyssenKrupp veranstaltete Pressereisen waren für die "Welt am Sonntag" am vergangenen Wochenende Anlass, einen Skandal zu wittern. Die Vorsitzenden der deutschen Journalisten- und PR-Berufsorganisationen blicken deutlich gelassener auf die von Autor Jörg Eigendorf recherchierten Hintergründe zu den Bemühungen des Essener Konzerns um Journalisten.

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) Michael Konken antwortet auf die Frage nach der Beeinflussbarkeit von Journalisten durch Pressereisen: "Ich hoffe, dass das nicht so ist. Journalisten sind zu kritischer Berichterstattung verpflichtet. Das lernen sie im Volontariat, das steht im Pressekodex."

Lutz Tillmanns, Geschäftsführer des Deutschen Presserats, sieht den einzelnen Journalisten in der Verantwortung: "Wer sich für die Verbreitung oder Unterdrückung von Nachrichten bestechen lässt, handelt unehrenhaft und berufswidrig."

Ulrich Janßen, Bundesvorsitzender der zur Gewerkschaft ver.di gehörenden Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju), differenziert: "Wer seinen Journalistenjob gewissen- und ehrenhaft macht, lässt sich nicht durch Einladungen oder Geschenke beeinflussen." Es gehöre zum Tagesgeschäft des Berufs, sich immer wieder die Gefahren bewusst zu machen, die in Einflussnahmeversuchen steckten - nicht nur bei Einladungen zu Pressereisen. "Auch wenn die Methoden von Politik und Wirtschaft sauber sind, entbindet uns das nicht von der Frage nach den Interessen im Hintergrund", so Janßen. "Ich sehe in Pressereisen keinen Sündenfall, solange nicht die Erwartung einer unlauteren Gegenleistung damit verknüpft ist." Einen Katalog legitimer und illegitimer Anlässe für Pressereisen will Janßen nicht aufstellen, betont aber: "Luxuriöse Sonderbehandlungen, die wir zum Beispiel Politikern nicht durchgehen lassen würden, sollten wir auch uns nicht erlauben."

"Journalisten haben es letztlich selbst in der Hand", sagt der Vorsitzende des Deutschen Rats für Public Relations (DRPR) Günter Bentele. "Schließlich können sie auch über kritische Aspekte der Reise berichten. Es besteht eine gegenseitige Abhängigkeit zwischen Journalisten und den Anbietern von Pressereisen." Als Kommunikationsinstrument sind Pressereisen laut Bentele kaum zu ersetzen: In zehn oder 20 Jahren wird es sie immer noch geben." Auf die Frage, welche Anlässe die Einladung und Teilnahme von Journalisten legitimieren, sagt er: "Es gibt 100, 1000 verschiedene Anlässe. Aber sie müssen relevant sein, die Veranstalter haben ja auch höhere Kosten für Personal und Veranstaltung zu tragen. Man hat durch Pressereisen die Möglichkeiten, Dinge direkter und unmittelbarer darzustellen."

Michael Kalthoff-Mahnke, Geschäftsführer der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG), hält Pressereisen nach wie vor für ein probates Kommunikationsinstrument: "Sie geben die Gelegenheit, jenseits des Alltagsstresses ins Gespräch zu kommen." Ein klares "Nein" kommt von dem DPRG-Geschäftsführer auf die Frage, ob sich Journalisten durch die Umstände von Pressereisen, etwa eine Kostenübernahme, zu positiver Berichterstattung im Sinne des Veranstalters veranlasst sehen könnten.

Der Präsident des Bundesverbands deutscher Pressesprecher (BdP) Uwe Dolderer argumentiert: "Pressereisen dienen lediglich dazu, den Journalisten Informationen anschaulich darzubieten. Was sie mit diesen Informationen anfangen, ob und auf welche Weise sie weiter verarbeitet werden, liegt allein im Ermessen der Journalisten. Die Gefahr von Manipulationen oder Manipulationsversuchen ist latent gegeben, das liegt in der Natur der Sache. In solchen Fällen sind jedoch zwei Akteure beteiligt - der eine manipuliert, der andere lässt sich manipulieren." Pressereisen können aus Dolderers Sicht "dann sinnvoll und völlig legitim eingesetzt werden, wenn es um die Darstellung von Sachverhalten geht, die sehr komplex sind oder entfernt liegen".

Quelle: prmagazin (ots)

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