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US-Lokalredaktion auf Philippinen ausgelagert

Archivmeldung vom 18.10.2012

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 18.10.2012 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Zeitungen: lokale Nachrichten aus Übersee. Bild: flickr.com/nsnewsflash
Zeitungen: lokale Nachrichten aus Übersee. Bild: flickr.com/nsnewsflash

Das US-Medienunternehmen Journatic sorgt in den USA für eine heftige Debatte über die Qualität von lokalen Nachrichtenportalen und Zeitschriften. Nachdem ein Ex-Mitarbeiter an die Öffentlichkeit gegangen ist und über die Auslagerung der News-Produktion und die schlechten journalistischen Standards berichtete, kündigten zahlreiche Medienhäuser die Kooperation. Laut Insidern machte sich Journatic die schlechte Wirtschaftslage zunutze und versetzte mit der billigen Produktion der ganzen Branche einen Schlag.

"Mir drehte sich der Magen um und ich bekam Schuldgefühle", so beschreibt der ehemalige Journatic-Mitarbeiter Ryan Smith den Augenblick, als er von seinem Vorgesetzten von den Kollegen aus Übersee erfuhr. "Mein Unternehmen schadete dem Journalismus. Echte Redakteure wurden im ganzen Land entlassen und durch Content-Lieferanten ersetzt. Ich entschloss mich dazu, meinen Job zu kündigen und mit der Wahrheit an die Öffentlichkeit zu gehen", so Ryan.

Journatic sammelt alles, was über eine Region, die von den großen Medien nicht abgedeckt wird, zu finden ist und stellt lokale Nachrichten Verlagen kostengünstig zur Verfügung. Dabei werden auch sehr banale Informationen verarbeitet, wie zum Beispiel Immobilienverkäufe, Todesnachrichten und die Ergebnisse des lokalen Bowling-Centers. Den Umstand, dass viele Nachrichten von philippinischen Mitarbeitern, die tausende Kilometer weit entfernt leben, geschrieben wurden, versuchte das Unternehmen mit falschen Verfasserangaben zu verschleiern.

Gefälschte Autorennamen

Giselle Bautista ist das wohl bekannteste Beispiel der Arbeitsmethoden des Content-Providers. Ihr Artikel über einen Hausverkauf in der Kleinstadt Flossmore tauchte auf vielen Webseiten im ganzen Land auf. Als Autor wurde jedoch nicht die Philippinerin genannt, sondern eine imaginäre Journalistin namens Jenny Cox.

"Nachdem wir von den gefälschten Verfasserangaben erfuhren, haben wir die Zusammenarbeit mir Journatic sofort eingestellt", sagte SunTimes-Chefredakteur Jim Kirk. Genauso empört gab sich einer der größten Kunden des Unternehmens. "Wir stellen die Kooperation ab sofort ein. Ein neues Team von Journalisten wird von jetzt an über Lokales berichten", so David Arkin von GateHouse.

"Drohungen" als Beweggrund

Der Ausbruch der weltweiten Finanzkrise 2008 hat in der Zeitungsbranche eine regelrechte Panik ausgelöst. Die großen Gewinneinbrüche, die vor allem auf den Rückgang von Werbeaufträgen zurückzuführen sind, kosteten nach Angaben der US-Journalistenvereinigung Unity mehr als 35.000 Menschen, die in der Zeitungsbranche tätig waren, ihren Arbeitsplatz. Journatic nutzte die wirtschaftliche Untergangsstimmung und fand mit seinen kostengünstigen Angeboten viele Abnehmer.

Journatic-CEO Brian Timpone kann die Aufregung um die falschen Verfasserangaben nicht verstehen und erklärt in einem Interview mit dem San Francisco Chronical: "Die Artikel, die wir verfasst haben, waren teilweise sehr kontrovers. Einige unserer Autoren wurden von Lesern regelmäßig bedroht. Deswegen haben wir uns 2007 für diesen Weg entschieden."

Ryan Smith, der mittlerweile für eine angesehene Zeitung arbeitet, kann den Erklärungsversuchen nichts abgewinnen: "Es ist wirklich sehr traurig. Es war, als hätte ich dem Tod des Journalismus in die Augen geschaut."

Quelle: www.pressetext.com/Peter Oslak

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