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„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“-Star Libuše Šafránková verstorben

Freigeschaltet am 10.06.2021 um 06:30 durch Anja Schmitt
Bild: Screenshot Twitter
Bild: Screenshot Twitter

Die Hauptdarstellerin des vor allem in Deutschland extrem beliebten Märchenfilmklassikers „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, Libuše Šafránková, ist in Prag an einer Krebserkrankung verstorben. Die tschechische Schauspielerin war allerdings weit mehr als nur diese eine Rolle. Ein Nachruf geschrieben von „SNA News“ .

Weiter heißt es hierzu auf deren deutschen Webseite: "Das 1973 von den Filmstudios Barrandov in der damaligen ČSSR und "Defa" in der seinerzeitigen DDR produzierte Märchen gehört zu jenen Phänomenen der Filmindustrie, die generationsübergreifend ein Publikum begeistern können. Ein Weihnachtsfest im deutschen Fernsehen ist ohne „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ schlichtweg undenkbar. 18 Mal wurde der Film Weihnachten 2020 in den öffentlich-rechtlichen Kanälen ausgestrahlt.

Das Mysterium der Libuše Šafránková

Über all die Jahre haben Umfragen immer wieder bestätigt, dass es vor allem der Präsenz und Anmut der Hauptdarstellerin Libuše Šafránková zu verdanken ist, dass dieser Film selbst ein halbes Jahrhundert nach seiner Entstehung zeitlos wirkt und die heute mögliche Tricktechnik, aber vor allem die komplett beschleunigte Erzählweise und Kameraführung wahrscheinlich den besonderen Reiz dieses Filmes zerstören würde. Šafránková selbst hat das Mysterium des Erfolges dieses Filmes einmal mit dem Schnee erklärt, der dem Film eine subtile Reinheit verliehen habe. Interessant vor dem Hintergrund, dass es Kunstschnee ist, weil die "Defa" darauf bestand, den Film im Winter zu drehen, der 1972/1973 aber ziemlich schneearm war an den Außendrehorten in der DDR und der ČSSR.

Ruhm ist ein zweischneidiges Schwert

Für die am 7. Juni 1953 im tschechischen Brno geborene Libuše Šafránková war die Rolle des Aschenbrödels jedenfalls die Chance und der Türöffner ihres Lebens, aber auch eine tonnenschwere Last, denn sie fühlte sich jahrelang unter ihren Möglichkeiten beschäftigt und immer wieder auf diese eine Rolle reduziert und festgelegt und wurde entsprechend oft nur für Märchenfilme besetzt. Sie hatte eigentlich keine Lust auf die Rolle, sondern musste regelrecht überredet werden. Šafránková erinnerte sich später in einem Interview mit der Deutschen Presseagentur.

„Ich hatte gerade die Dreharbeiten zu 'Babička' hinter mir. Autor František Pavlíček, der auch 'Drei Haselnüsse für Aschenbrödel' geschrieben hat, lud mich dafür zum Casting ein. Als ich diese wunderschöne Gelegenheit bekommen habe, probte ich gerade die Sonja in Tschechows 'Onkel Wanja' im 'Činoherní klub' Theater. Um aufrichtig zu sein, hatte ich keine Lust, von der Arbeit weg zu gehen. Ich habe den Regisseur gefragt, was ich machen soll. Er warf einen Blick auf die Bühne und sagte: 'Schau mal, du bist eigentlich die Letzte in diesem Theater, die noch drehen kann. Nimm deinen Mut zusammen und fahre!' Und so bin ich gefahren. Am Tag tummelte ich mich auf den wunderhübschen verschneiten deutschen Ebenen oder wusch die Wäsche Böhmerwald, abends habe ich in Prag Theater gespielt“, Libuše Šafránková, Schauspielerin und Hauptdarstellerin in "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel".

Natürlich hat sie die aus diesem einen Film resultierende enorme Popularität, vor allem auch in ihrer tschechischen Heimat, wo sie neben Karel Gott zu den „Gottgleichen“ gehörte, genossen und auch die daraus resultierenden Jobangebote in Film und Fernsehen. Aber sie haderte auch oft damit, dass sie erst in späteren Jahren Rollen spielen konnte, die keine Märchen waren beziehungsweise mehr erforderten, als nur hübsch auszusehen. Beinahe 150 Positionen umfasst ihr Lebenswerk an Film-, Fernseh- und Theaterproduktionen. Die nach dem „Aschenbrödel“ wohl bedeutendste, die ihr endlich auch die internationale Anerkennung als ernstzunehmende Charakterdarstellerin einbrachte, war 1996 die Verkörperung der Sängerin Klara im tschechischen Film „Kolya“, der 1997 den „Oscar“ als bester ausländischer Film erhielt.

Späte Bestätigung als Charakterdarstellerin

Aber der Streifen über eine komplizierte Dreiecksgeschichte kurz vor dem Ende der sozialistischen Ära in der ČSSR, war auch ohne den wichtigsten Filmpreis des Planeten äußerst erfolgreich. In der Tschechischen Republik startete „Kolya“ im Mai 1996 und gehört danach sage und schreibe 45 Wochen lang zu den drei umsatzstärksten Filmen in tschechischen Kinos. Selbst in den USA spielte der Film bis dahin für eine tschechische Produktion für unvorstellbar gehaltene 5,7 Millionen US-Dollar ein. Für Libuše Šafránková war es der erste Film nach mehr als drei Jahren selbstverordneter Pause. Der Erfolg war für sie eine Genugtuung und künstlerische Motivation, auch wenn sie danach beinahe ausschließlich für das Fernsehen vor die Kamera trat.

Im Jahr 2015 wurde Libuše Šafránková die Verdienstmedaille (der sogenannte Weiße Löwe) verliehen, mit der die Tschechische Republik Personen würdigt, welche herausragende Leistungen und Verdienste in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen wie Wirtschaft, Wissenschaft, Sport, Kunst oder Kultur vorweisen können. Die Verdienstmedaille, die in ihrer Bedeutung dem Bundesverdienstkreuz entspricht, musste seinerzeit die jüngere Schwester von Libuše Šafránková, Miroslava entgegennehmen (mit der sie zusammen im Märchenfilm „Die kleine Meerjungfrau“ spielte). Die Begründung schockierte Tschechien, denn auf diese Weise wurde bekannt, dass Šafránková an Lungenkrebs erkrankt war.

Die Erbarmungslosigkeit einer Krebserkrankung

Im Juli 2016 äußerte sich Libuše Šafránková in einem Interview mit der tschechischen Internetplattform „Blesk“ selbst zu diesem Schicksalsschlag. Sie berichtete davon, dass etwa ein Fünftel ihrer Lunge entfernt werden musste, dass es ihr aber gut gehe und sie sich auf ihre Arbeit freue. Doch sehr viel arbeiten konnte Libuše Šafránková nicht mehr, wie ihr Werkverzeichnis ausweist.

Der Krebs war offenbar zu aggressiv. Einen Tag nach ihrem 68. Geburtstag hatte sie sich in einer Prager Klinik noch einmal einer Operation unterzogen. Nur wenige Stunden später musste ihr 1977 geborener Sohn, Josef Abrhám, der den gleichen Namen wie sein Vater trägt, den Libuše Šafránková 1976 geheiratet hatte, den Tod seiner Mutter verkünden. Beide, Vater und Sohn, sind ebenfalls in Tschechien bekannte Schauspieler.

Tschechiens Staatsführung zollt Respekt

Der tschechische Staatspräsident Miloš Zeman kondolierte via Facebook: „Die Nachricht vom Dahinscheiden von Libuše Šafránková hat mich tief getroffen, es tut mir sehr leid. Der Familie spreche ich mein aufrichtiges Beileid aus.“

Tschechiens Premierminister Andrej Babiš verabschiedete sich auf Twitter mit den Worten von ihr: „Ich mochte Frau Libuše Šafránková sehr. Ich habe ihr Aschenputtel vielleicht hundertmal gesehen. Ohne sie kann ich mir das tschechische Weihnachtsfest nicht vorstellen. Und ich glaube, keiner von uns.”

Ob die Beisetzung von Libuše Šafránková ähnlich große Dimensionen annehmen wird, wie seinerzeit die Trauerfeier von Karel Gott, weiß derzeit niemand."

Quelle: SNA News (Deutschland)

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