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Fernsehskandal: Baby-Verleih als neue Form der Prostitution

Archivmeldung vom 28.05.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 28.05.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Der Kampf um die TV-Quoten entwickelt sich immer rücksichtsloser und härter. Jugendliche sollen auf ihre Rolle als Eltern vorbereitet werden. Eigentlich keine schlechte Idee, die der Fernsehsender RTL mit der Doku-Serie "Eltern auf Probe" verfolgt.

Die Umsetzung ist jedoch äußerst fragwürdig und aus psychologischer Sicht nicht zu vertreten: Um den Alltag zu proben, bekommen die Jugendlichen Säuglinge ausgeliehen.

Am dritten Juni startet bei RTL eine achtteilige Sendung, die Jugendliche auf ihre Elternrolle vorbereiten will. Säuglinge im Alter zwischen 6 und 14 Monaten werden für einige Tage von ihren Eltern an die Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren verliehen. Die Kinder werden vermietet für die Einschaltquote.

Bereits eine Woche vor dem Start der TV-Serie reißt die Kritik nicht ab. Psychologen und Kinderärzte warnen vor traumatischen Erlebnissen für die Kinder und sprechen von Gefahren für deren Gesundheit. Das Gesundheitsportal imedo hat Experten um ihre Einschätzung dazu gebeten. "Tagelange Trennungen können gerade Kleinkinder seelisch überfordern und langfristige psychische Störungen verursachen", warnt Diplom-Psychologe Tobias Söldner. Er zweifelt zudem an der positiven pädagogischen Absicht des Senders. "Psychologisch betrachtet ist das "Planspiel Kind" absoluter Blödsinn. Die Situation ist unrealistisch und die Jugendlichen haben keine echte Verantwortung für das Baby. Was sollen die Jugendlichen davon lernen? Dass nach wenigen Tagen wieder alles vorbei ist?", ergänzt der Psychologe.

Eine Hand wäscht die andere

Die "Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen" (FSF) sieht nach Angaben von RTL in der Doku-Reihe eine "positive pädagogische Absicht". Laut Betreiber-Website handelt es sich bei der FSF um einen gemeinnützigen Verein privater Fernsehanbieter in Deutschland, der sich nun für RTL einsetzt. Vergleichbar ist das etwa mit einem Fast-Food-Unternehmen, das sich für die Verbreitung eines Diätratgebers engagiert.

Nach Angaben des TV-Senders haben die Eltern freiwillig auf eine entsprechende Anzeige der Produktionsfirma geantwortet und ihre Kleinkinder für die Sendungen zur Verfügung gestellt. Über die Höhe der Aufwandsentschädigung machte der Sender keine Angaben. "Die Teilnehmer solcher Sendungen stammen keineswegs vorwiegend aus der "bürgerlichen Mitte" der deutschen Gesellschaft. Der finanzielle Anreiz dürfte die Entscheidung der teilnehmenden Eltern nicht unerheblich beeinflussen", meint Tobias Söldner von imedo.de.

Die Kinderkommission des Deutschen Bundestags spricht nach Angaben der "Welt" von einer "neuen Form der Prostitution" und fordert den Fernsehsender RTL auf, die Serie weder auszustrahlen noch gleich geartete Sendungen zu produzieren. Die Säuglinge würden dem grellen Licht der Öffentlichkeit ausgesetzt. Dieses ethische Problem sieht auch Diplom-Pädagogin Almut Carlitscheck. "Die Kinder werden aus ihrer gewohnten Umgebung rausgerissen, können das natürlich nicht verstehen und werden behandelt wie eine Ware", mokiert sich die Berlinerin.

Und auch imedo-Pressesprecher Sven-David Müller betont, dass es besser wäre, diese Sendungen nicht auszustrahlen.

Sendestart der Serie ist am 3. Juni. Über sieben Wochen können die Zuschauer verfolgen, wie die Jugendlichen mit den Babys umgehen.

Quelle: imedo GmbH

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