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Bei jungen Frauen sollte die Mammografie unterbleiben

Archivmeldung vom 22.03.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 22.03.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Ein Streit um die beste Brustkrebs-Früherkennung bei Frauen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko entzweit deutsche Mediziner. Hintergrund ist eine Studie, der zufolge die Magnetresonanztomografie (MRT) bei diesen Frauen Tumore weit zuverlässiger aufspürt als die gängige Mammografie. Viele Ärzte fürchten, die Diskussion könne Frauen verunsichern und das noch junge Programm der Brustkrebs-Früherkennung in Misskredit bringen.

Jährlich erkranken in Deutschland mehr als 58.000 Frauen an Brustkrebs, 18.000 Patientinnen sterben an der Erkrankung. Seit wenigen Jahren soll ein bundesweites aufwendiges Programm eine frühe Diagnose ermöglichen und so die Prognose der Betroffenen bessern. Da die weitaus meisten Tumoren erst in höherem Alter entstehen, werden Frauen zwischen 50 und 69 Jahren zweijährlich zur Mammografie geladen.

Die Resonanz hält sich bislang in Grenzen: Nur 54 Prozent der Angeschriebenen folgen der Aufforderung. Zu wenige, findet Rolf Kreienberg von der Uniklinik Ulm. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe strebt eine Teilnahmerate von mindestes 70 Prozent an. Die aktuelle Debatte, so seine Sorge, könnte viele Frauen verunsichern und von der Früherkennung abhalten.

Bis zu 25 Prozent sind besonders gefährdet

Dabei dreht sich der Streit eigentlich gar nicht um die allgemeine Brustkrebs-Vorsorge. Vielmehr geht es um jene insgesamt 20 bis 25 Prozent der Frauen, die erblich bedingt besonders gefährdet sind. So tragen allein fünf bis zehn Prozent der Bundesbürgerinnen Mutationen auf einem der beiden Brustkrebsgene BRCA1 und BRCA2. Bei normaler Lebenserwartung entwickeln 60 bis 80 Prozent von ihnen ein Mammakarzinom.

Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt liegt die Wahrscheinlichkeit bei elf Prozent. Stark gefährdete Frauen ab einem berechneten Erkrankungsrisiko von 30 Prozent sollten sich gemäß der aktuellen Leitlinien schon ab dem Alter von 25 Jahren regelmäßig an einem von bundesweit zwölf Zentren für familiären Brustkrebs untersuchen lassen per Mammografie, Ultraschall und auch per MRT.

Wie zuverlässig die drei Verfahren sind, prüften Radiologen von vier deutschen Unikliniken an knapp 700 Frauen mit stark oder moderat erhöhter Gefährdung. Resultat: Die MRT spürte 25 der insgesamt 27 Tumoren auf, die Mammografie entdeckte nur neun darunter allerdings zwei Brustkrebsvorstufen, die im MRT übersehen wurden.

Studienkoordinatorin Christiane Kuhl von der Uniklinik Bonn fordert nun, alle gefährdeten Frauen vorrangig per MRT zu untersuchen. Auf Ultraschall und auch die Mammografie könne man bei dieser Gruppe verzichten. Denn das Röntgenverfahren, so die Radiologin weiter, nutze nur wenig und gefährde zudem junge Frauen, deren Brustgewebe noch besonders empfindlich auf Strahlung reagiert.

"Wenn ab dem Alter von 25 Jahren jährlich jede Brust in zwei Ebenen mammografiert wird, ist die Strahlendosis nicht unerheblich", sagt Kuhl. "Deshalb sollte die Mammografie bei jungen Frauen unterbleiben."

MRT löst die meisten Fehlalarme aus

Aber neben den Kosten mit 400 Euro ist der Kernspin vier Mal teurer als die Mammografie liegt ein Problem der MRT gerade in der Empfindlichkeit. Denn das Verfahren liefert nicht nur die höchste Trefferquote, sie löst auch die meisten Fehlalarme aus also Verdachtsfälle, die sich im Nachhinein als harmlos erweisen. Das gilt vor allem dann, wenn Ärzte mit wenig Erfahrung die Bilder auswerten. Kuhl bestreitet diese Kritik nicht: "Man hat mit der MRT häufiger falsch positive Befunde, aber auch häufiger richtig positive Befunde." Insgesamt jedoch, so betont sie, sei das Verhältnis von korrekten zu irrtümlichen Befunden bei der MRT am besten.

Quelle: The Associated Press / premiumpresse

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