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Wirtschaftshistoriker Abelshauser: Deutsche Wirtschaft war am Kriegsende "keineswegs kaputt"

Archivmeldung vom 08.05.2015

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 08.05.2015 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Aufbau in West-Berlin mit Hilfe des Marshallplans, nach 1948
Aufbau in West-Berlin mit Hilfe des Marshallplans, nach 1948

Lizenz: Public domain
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Die deutsche Wirtschaft war am Ende des Zweiten Weltkriegs nach Angaben des Bielefelder Wirtschaftshistorikers Werner Abelshauser "keineswegs kaputt". In einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Abelshauser: "Die deutsche Produktion war im November 1944 auf dem Höhepunkt."

Im Vergleich zum Jahr 1936 habe die Produktionskapazität am Kriegsende sogar bei 120 Prozent gelegen. Der Zustand von Maschinen, Technologie und Organisation sei gut gewesen. Unter den großen Zerstörungen durch Luftangriffe der Alliierten habe die Industrie, anders als die großen deutschen Städte, kaum gelitten. "Tabula rasa ist nicht gemacht worden", stellte Abelshauser fest. Zerstört war nach seinen Angaben hingegen die Verkehrsinfrastruktur. Nach Kriegsende seien daher Brücken, Straßen und Eisenbahnschienen als Erstes wieder aufgebaut worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten die USA und Großbritannien den Deutschen die Produktion zunächst untersagt. "Die deutsche Industrie stand still, aber sie war Spitze", sagte Abelshauser dazu. Die Amerikaner hätten ursprünglich vorgehabt, die Industrie in Westeuropa auf Kosten Deutschlands zu stabilisieren. Von diesem Plan - dem Morgenthau-Plan, benannt nach US-Finanzminister Henry Morgenthau - seien die USA Anfang 1947 aber wieder abgerückt. Sie hätten festgestellt, dass es nicht sehr praktikabel gewesen sei, Industrieanlagen in Deutschland ab- und anderswo wieder aufzubauen. "Das funktionierte meistens nicht." Im Sommer 1947 seien die USA auf den Marshall-Plan (benannt nach US-Außenminister George C. Marshall) umgeschwenkt. Er habe dazu gedient, Westeuropa mit Hilfe der deutschen Ressourcen zu stabilisieren. Die westdeutschen Unternehmen hätten daher wieder die Erlaubnis zur Produktion bekommen. Bis zur Währungsreform im Juni 1948 hätten sie zunächst auf Lager produziert. "Man wollte nicht zu Reichsmark-Preisen verkaufen", sagt Abelshauser zur Begründung.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung (ots)

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