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Pandemie schon vor 5.000 Jahren? – Archäologen finden Pest-Bakterien in Steinzeitmenschen

Archivmeldung vom 03.07.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 03.07.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Angeblicher Steinzeitmensch (Symbolbild)
Angeblicher Steinzeitmensch (Symbolbild)

Foto: Sven Rosborn
Lizenz: CC BY-SA 4.0
Die Originaldatei ist hier zu finden.

War eine Pest-Pandemie der Grund für den Bevölkerungsrückgang in Europa vor 5.000 Jahren? Die Frage ist in der Archäologie hoch umstritten. Archäologische Befunde aus Schweden und Lettland liefern Nachweise für die Präsenz des Pest-Bakteriums in dieser Zeit. Dies berichtet das Magazin "RT DE".

Weiter berichtet RT DE: "Es ist ein bekanntes archäologisches Rätsel: Der deutliche Bevölkerungsrückgang in Westeuropa vor etwa 5.500 bis 5.000 Jahren. Es wird davon ausgegangen, dass dieser zu einer großen Migrationswelle von Menschen aus dem Osten führte. Die Ursachen für den Bevölkerungsrückgang sind nach wie vor umstritten – diskutiert werden unter anderem Klimaveränderungen oder eine Pandemie.

2018 deuteten archäologische Befunde aus Schweden darauf hin, dass es möglicherweise eine Pest-Epidemie in dieser Zeit gegeben haben könnte. In den Überresten einer 20-jährigen Frau in einem Ganggrab in Gökhem (Schweden), die auf ein Alter von etwa 5.000 Jahren datiert wurde, fanden sich Spuren eines Stammes des Pest-Bakteriums Yersinia pestis – damals der älteste bekannte Nachweis des Bakteriums.

Vor wenigen Tagen wurde ein weiterer archäologischer Fund veröffentlicht, der weiteres Argumentationsmaterial für die Pandemie-Hypothese liefert. Am lettischen Fundort Riņņukalns grub ein Archäologen-Team um den deutschen Professor Ben Krause-Kyora von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel eine Begräbnisstätte von vier Individuen in einem Muschelhaufen aus: eine junge Frau, ein Baby und zwei Männer. Ihre Überreste wurden auf ein Alter von 5.300 bis 5.050 Jahren radiokarbon-datiert. In dieser Zeit war das Baltikum noch von Jäger-Sammler-Kulturen bewohnt.

Den Forschern gelang es, aus dem Knochenmaterial alte DNA zu gewinnen. In dem genetischen Material eines 20 bis 30 Jahre alten Mannes fanden sich Fragmente und Proteine des Pest-Bakteriums Yersinia pestis. Krause-Kyora betont laut dem britischen Nachrichtenmagazin The Guardian: "Das ist nach jetzigem Forschungsstand das älteste bekannte Pestopfer."

Die gefundenen Spuren deuten allerdings darauf hin, dass es sich um eine andere Entwicklungslinie, des bekannten Pest-Bakterienstamms handelt, der zum Beispiel für die Epidemien im Mittelalter verantwortlich war. Es handelt sich damit auch um den ältesten bekannten Stamm von Yersinia pestis. Die Forscher betonten, dass dieser Entwicklungslinie ein bestimmtes Gen fehle, so dass es nicht von Flöhen übertragen werden könne – mit entscheidenden Auswirkungen auf die Übertragbarkeit. Krause-Kyora argumentiert: "Der Floh scheint einer der Hauptfaktoren bei der schnellen Verbreitung und Infektion während des Mittelalters gewesen zu sein."

Der Archäologe fügt an, dass der Bekannte Entwicklungsstrang des Pest-Bakteriums mit der Beulen-Pest assoziiert werde – mit dem Symptom von schwarzen Beulen hervorgerufen durch die Infektion der Lymphknoten. Seiner Analyse nach litt das in Lettland ausgegrabene Individuum nicht an dieser Form der Pest, sondern stattdessen an einer septischen Form der Pest, hervorgerufen durch den Eintritt der Bakterien in den Blutkreislauf etwa durch den Biss eines Nagetiers.

Die aufgefundene hohe Konzentration der "Yersinia pestis"-DNA soll laut den Forschern belegen, dass die betroffene Person über einen langen Zeitraum mit der Krankheit gelebt habe und diese insofern eher einen milden Verlauf genommen habe. Zudem solle diese Form der Pest weniger stark übertragbar sein. Aus dieser Argumentation heraus, sprechen sich die Archäologen um Krause-Kyora gegen die Hypothese der Pest-Pandemie als Begründung für den Bevölkerungsrückgang vor über 5.000 Jahren aus. Sie favorisieren eher das Modell des Klimawandels.

Dem widerspricht Professor Simon Rasmussen von der Universität Kopenhagen, der an der Forschung des steinzeitlichen Pestopfers aus Gökhem (Schweden) beteiligt war. Er sieht die lettischen Befunde vor allem als weitere Pest-Nachweise aus dem Zeitraum vor 5.000 Jahren. Laut Rasmussen gebe es nur wenig Evidenz dafür, dass der gefundene steinzeitliche Stamm von Yersinia pestis ausschließlich milde Krankheitsverläufe auslöse. Der Biologe argumentiert: "Der Fall dieses Individuums überschneidet sich genau mit dem neolithischen Rückgang [der Bevölkerung – Anm. d. Red.], es ist hochwahrscheinlich an der Pest-Infektion verstorben. Wir wissen, dass es große Siedlungen in dieser Zeit gegeben hat, Handel und Mobilität. Daher ist die menschliche Interaktion ein sehr plausibler Grund für die Verbreitung der Pest im Europa jener Epoche."

Quelle: RT DE

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