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Laut Studie: Spätes Abstillen vermutlich keine Ursache für Aussterben der Neandertaler

Archivmeldung vom 04.11.2020

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 04.11.2020 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Anja Schmitt
Neandertaler: Rekonstruktion im Neanderthal Museum
Neandertaler: Rekonstruktion im Neanderthal Museum

Foto: UNiesert
Lizenz: CC-BY-SA-3.0
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Forscher aus Italien und Frankfurt haben aus einer Analyse von 40.000 bis 70.000 Jahre alten Milchzähnen geschlossen, dass die Neandertaler-Mütter ihre Kinder wohl ähnlich lange wie die Mütter heute gestillt haben. Die entsprechende Studie wurde in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) veröffentlicht.

Weiter heißt es hierzu auf der deutschen Webseite des russichen online Magazins "Sputnik":"An der Studie waren Anthropologen, Archäologen, Chemiker, Physiker und Geologen beteiligt.

Die Ergebnisse weisen laut Goethe-Universität darauf hin, dass langes Stillen vermutlich nicht zum Aussterben der Neandertaler beigetragen hat. Die Zähne, die das Forscherteam untersuchte, ähnelten chemisch jenen heutiger Babys – „ein Hinweis darauf, dass die Ernährung und Entwicklung erstaunlich ähnlich verliefen“, wie die Hochschule am Montag mitteilte.

Die Forscher widerlegen damit eine von anderen Experten vertretene These, der zufolge die Neandertaler ausgestorben sein könnten, weil die Mütter ihre Säuglinge vergleichsweise lange stillten und die Säuglinge nicht früh genug vielfältige Nährstoffe für eine Höherentwicklung des Gehirns erhielten.

Forscher lesen in den Schmelz-Ringen

Die Neandertaler-Milchzähne stammen aus Höhlen in Nordostitalien und gehörten vier Kindern. Wissenschaftler des Instituts für Geowissenschaften der Goethe-Universität betteten die Zähne in Harz ein und schnitten sie in hauchdünne Schichten. Mit Hilfe der Massenspektrometrie suchten sie nach Elementen wie Strontium und Kalzium.

Deren Verhältnis gebe Hinweise auf die Nahrung, erklärte der Leiter der Arbeitsgruppe, Wolfgang Müller: Bei Muttermilch ist das Verhältnis anders als bei Körnern, Gemüse, Fleisch oder Milch. Ähnlich wie bei den Wachstumsringen eines Baumes lagert sich bei Milchzähnen jeden Tag eine Schicht Zahnschmelz ab, so dass jeder Zahn die Lebenstage widerspiegelt.

Wird das Kind gestillt, gibt es mehr Kalzium und weniger Strontium. Mit Beginn des Abstillens sieht man höhere Konzentrationen von Strontium. Die Arbeitsgruppen konnten diesen Zeitpunkt sehr genau datieren: auf 3,8 bis 5,3 Monate, je nach Individuum.

Zähne können viel verraten

Aber die Zähne erzählen noch mehr: Das Strontium-Isotopen-Verhältnis liefert auch Informationen über den Boden der Umgebung, in der die Menschen lebten. Drei der vier Mütter lebten mit ihren Kindern demnach die ganze Zeit in der Region, eine der Mütter war wohl am Ende der Schwangerschaft sowie die ersten 25 Tage nach der Geburt nicht am Fundort. Dieser Zahn ist der jüngste der vier Funde (40.000 Jahre), er weist auf unterschiedliche Nahrung und größere Migration in einem kälteren Klima hin."

Quelle: Sputnik (Deutschland)

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