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Der Tag, an dem König Matthias die Stadt Wien einnahm

Archivmeldung vom 01.06.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 01.06.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Wien in der Schedelschen Weltchronik, 1493
Wien in der Schedelschen Weltchronik, 1493

Lizenz: Public domain
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Am 1. Juni 1485 eroberte der ungarische König Mátyás Hunyadi, der sich im Krieg mit Kaiser Friedrich III. befand, die Stadt Wien. Die Verteidiger der umzingelten habsburgischen Hauptstadt kapitulierten nach einer fünfmonatigen Belagerung, und das Zentrum Niederösterreichs wurde danach für fünf Jahre zum Sitz des königlichen Reiches, berichtet die ungarische Ausgabe "Hirado.hu", welche vom Magazin "Unser Mitteleuropa" ins Deutsche übersetzt wurde.

Matthias‘ Einzug in Wien ist im Philostratus-Codex überliefert Bild: Wikipedia / UM / Eigenes Werk
Matthias‘ Einzug in Wien ist im Philostratus-Codex überliefert Bild: Wikipedia / UM / Eigenes Werk

Weiter berichtet das Magazin: "Ferenc Kölcsey hat diesen außenpolitischen Erfolg von historischer Bedeutung für Ungarn in die dritte Strophe der ungarischen Hymne eingewoben, so dass jeder Ungar die Worte „…Mátyás‘ schwermütiger Krieg / Der stolzen Burg von Wien“ kennen wird.

Nach dem Tod von László V. war der deutsch-römische Kaiser Friedrich III. entschlossen, den ungarischen Thron zu besteigen, und als Vormund von László und im Besitz der Heiligen Krone hatte er gute Chancen, dies zu tun. Diese verschlechterten sich, als 1458 Matthias Hunyadi an die Spitze des Königreichs Ungarn trat. Die scharfe Rivalität zwischen Matthias und Friedrich dauerte von dem Moment an, als der König den Thron bestieg.

Die beiden Herrscher schlossen 1463 in Wien einen Friedensvertrag, wonach Friedrich und seine Nachfolger den ungarischen Thron geerbt hätten, wenn Matthias nicht ein Kind bekommen hätte. Im Gegenzug erhielt der ungarische Monarch im Tausch gegen 80.000 Forint Gold von Friedrich die Heilige Krone zurück, mit der er 1464 in Székesfehérvár (Stuhlweißenburg) offiziell zum ungarischen König gekrönt wurde und damit seine Herrschaft legitimierte. Trotz großer Kompromisse blieb der Konflikt zwischen den beiden konstant. Eine Zeit lang unterstützte Friedrich sogar Matthias in seinem Kampf um den böhmischen Thron, doch als der ungarische König auch den Titel des böhmischen Monarchen erlangte und seine expansionistische Außenpolitik den habsburgischen Interessen zunehmend zu schaden drohte, wurde ihr Verhältnis unversöhnlich.

Schließlich erklärte Matthias 1477 dem Kaiser den Krieg, weil er den Erzbischof von Esztergom (Gran), János Beckensloer, der mit seiner Schatzkammer geflohen war, aufgenommen hatte. Während des Blitzkrieges besetzte Matthias‘ Schwarze Armee Niederösterreich und umzingelte Wien, doch der Vorstoß dauerte dank der Intervention des Papstes nicht lange, der einen Frieden vermittelte, bei dem die beiden Herrscher sich versöhnten. Der Kaiser erkannte Matthias als König von Böhmen an, verlieh ihm das böhmische Lehen und gestattete ihm, Schlesien, die Lausitz und Mähren zu behalten, doch die böhmische Kurwürde durfte Ullászló ausüben, der inzwischen offiziell den böhmischen Thron innehatte.

Der Waffenstillstand erwies sich nicht als dauerhaft und hilt nur einige Jahre an; die Regelung der Frage des böhmischen Königstitels und die Ambitionen von König Matthias führte zu erneuten Feindseligkeiten zwischen den beiden Fürsten. Matthias strebte damals die vollständige Eroberung der benachbarten Provinzen an. Bis 1484 hatte er das österreichische Zentrum vollständig umzingelt und am 29. Januar 1485 belagerte er Wien.

Matthias hatte seine Belagerungstaktik perfektioniert, aber es dauerte mehrere Monate, eine Stadt mit 50.000 Menschen einzunehmen, was einen großen Teil der Energie des Heeres verbrauchte. Also verließ sich der General auf die sicherste Strategie, das Aushungern. Nicht einmal der Verteidiger der Burg, Hans von Wulfersdorfer, einer der talentiertesten Generäle Friedrichs, konnte Wunder bewirken. Die Soldaten brachen ein paar Mal aus der Burg aus und zerstörten sogar einen Belagerungsturm, doch wenn die Vorräte in einem längeren Patt zur Neige gingen, konnte das tödlich sein.

Die Wiener Bürger verlangten, dass die Tore geöffnet werden, was am 1. Juni 1485 geschah. König Matthias marschierte feierlich in die Hauptstadt des Habsburgerreiches ein und deren Räte schworen ihrem neuen Herrscher, der den Titel Herzog von Österreich annahm, den Treueeid.

Er richtete seinen Hof in der Kaiserstadt ein, währensd Buda die Hauptstadt des Königreichs Ungarn blieb. Der König hatte nicht die Absicht, in der Stadt Gewalt anzuwenden, da er sie als Sprungbrett zur kaiserlichen Herrschaft sah. Er gewährte ihr eine mehrjährige Steuerbefreiung, bewahrte die ursprüngliche Verwaltungsordnung und ernannte nur einen seiner Männer, den Haupotmann István Szapolyai, zum Stadtrat.

Die österreichische Hauptstadt war fünf Jahre lang Teil des Königreichs Ungarn. Matthias‘ Ziel war es, eine dauerhafte Herrschaft über die österreichischen Erblande zu errichten und ein vielfältiges, multipolares Reich aufzubauen, wobei er sich als gerechter und toleranter Herrscher erwies.

Das 1487 eroberte Wien errichtete später eine Statue zu Ehren des ungarischen Königs, die bis zur Herrschaft von Joseph II. im Dom der Stadt stand.

„Von Matthias dem ‚Gerechten‘ sind der Nachwelt eine Reihe von Volkserzählungen erhalten geblieben, darunter natürlich auch eine Geschichte aus der Belagerung Wiens, die von einem weiteren Abenteuer des listigen Königs berichtet.

Die Geschichte besagt, dass sich Matthias zusammen mit seinem Hofnarren verkleidet in die Stadt schleicht, um die Stimmung der Wiener und die militärische Stärke der Stadt auszuspionieren. Der verkleidete König und sein Hofnarr werden im Zuge dieser Tour von einem Tavernenwirt betreten, weil sie den Verzehr von sechs gekochten Eiern nicht bezahlt hatten. Der Hofnarr hatte, ebenso wie Matthias, jedoch genug des gesunden Menschenverstands, um glimpflich davonzukommen…

Quelle: Unser Mitteleuropa

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