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Autogas: Kraftstoffalternative im Aufwind

Archivmeldung vom 08.08.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 08.08.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Die Entwicklung beim Alternativkraftstoff Autogas hat der Flüssiggasbranche ein wichtiges neues Absatzsegment eröffnet. Während die Absatzmengen im Heizbereich rückläufig sind, befindet sich der Sektor Autogas derzeit in einem kräftigen Aufwärtstrend.

Die Kraftstoffalternative punktet mit niedrigen Preisen und - im Vergleich zu Benzin und Diesel - geringen Abgasemissionen. pressetext sprach mit Robert Schneiderbanger, Geschäftsführer des Deutschen Verbands Flüssiggas e.V. (DVFG) http://www.dvfg.de, über Einsatzmöglichkeiten, die Zukunft des Flüssiggasmarktes und "Schwarze Schafe" in den Werkstätten.

pressetext: Was genau versteht man unter Flüssiggas? Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es?

Schneiderbanger: Unter Flüssiggas versteht man im Wesentlichen Propan und Butan. Es zeichnet sich dadurch aus, dass es sich - im Gegensatz etwa zu Erdgas - schon unter geringem Druck von ca. acht Bar verflüssigen lässt. Dadurch nimmt es nur ein 260stel seines Rauminhaltes ein und ist deshalb eine sehr transportable Energie. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Die größte ist die Wärmeerzeugung im Haushalt - Warmwasser, Heizen oder Kochen. Flüssiggas findet jedoch auch Anwendung im Bereich Freizeit, in der Industrie, im Gewerbe, in der Gastronomie und als Kraftstoffalternative für Fahrzeuge.

pressetext: Wie hoch ist der Anteil von Flüssiggas am deutschen Gesamtenergiemarkt?

Schneiderbanger: Etwa 3,5 Millionen Verbraucher nutzen bislang die leitungsunabhängige Energie. Ihr Anteil am gesamten Gasmarkt beträgt etwa vier bis fünf Prozent. Am Primärenergieverbrauch der Bundesrepublik Deutschland hat Flüssiggas einen Anteil von unter einem Prozent.

pressetext: Wie schätzen Sie die Zukunft für die Flüssiggasbranche ein?

Schneiderbanger: Im Bereich Wärmeerzeugung sind die Absatzmengen aufgrund der technischen Energieeffizienzmaßnahmen rückläufig. Schließlich bieten moderne Brennwertgeräte Einsparungen von 15 bis 20 Prozent. Dazu kommen weitere Maßnahmen wie Fensterisolierung oder Wärmedämmung. Von daher ist es für unsere Branche positiv, dass wir im Sektor Autogas stark wachsende Absatzzahlen verzeichnen. In diesem Bereich haben wir im vergangenen Jahr einen Zuwachs von 60 Prozent erzielt - im ersten Halbjahr 2009 ist der Absatz um rund 30 Prozent gestiegen.

pressetext: Wie viele Fahrzeuge sind bereits auf Autogas umgerüstet? Wie steht Deutschland im europäischen Vergleich da?

Schneiderbanger: Der Bestand an Autogastankstellen hat sich innerhalb kurzer Zeit auf über 5.000 gesteigert. Momentan dürften in Deutschland gut 360.000 Fahrzeuge auf Autogas aufgerüstet sein. Wir verzeichnen im deutschen Markt zwar eine große Dynamik, sind aber im europäischen Vergleich keinesfalls führend. In Polen und Italien sind sehr viel mehr Fahrzeuge auf Autogas aufgerüstet als in Deutschland. Bei der Logistik, bei den Tankstellen, können wir aber schon recht weit vorn mitspielen. Bis 2015 rechnen wir mit 1,5 Mio. Fahrzeugen und 6.000 Autogastankstellen. Durch die anfallenden Investitionen und Werkstattleistungen soll ein zusätzliches Wirtschaftsvolumen von knapp drei Mrd. Euro generiert werden.

pressetext: Lässt sich jedes Fahrzeug mit einer Autogasanlage ausrüsten und wie teuer ist eine solche Aufrüstung?

Schneiderbanger: Grundsätzlich lässt sich fast jeder Benziner zusätzlich mit einer Autogas-Anlage ausrüsten. Auch Dieselfahrzeuge könnten aufgerüstet werden. Das wird in nächster Zeit wahrscheinlich vor allem im Transportbereich auch vermehrt geschehen. Die Auf-/Umrüstung eines normalen Benziners kostet zwischen 1.800 und 2.800 Euro - abhängig unter anderem von der Fahrzeuggröße. Je nach Preisunterschied zwischen Benzin und Autogas ist die Amortisierung schnell erreicht. Bei einer Fahrleistung von 25.000 bis 30.000 Kilometern im Jahr ist das etwa nach zwei Jahren der Fall. Hierbei ist der von Eurotax/Schwacke und anderen Firmen ermittelte höhere Wiederverkaufswert noch nicht berücksichtigt.

pressetext: Wo sehen Sie die Vorteile des Fahrens mit Autogas?

Schneiderbanger: Der Preis für einen Liter Autogas beläuft sich in Deutschland derzeit auf rund 59 Cent. Außerdem sind die Abgasemissionen deutlich geringer. Allein direkt am Auspuff lassen sich so etwa 15 Prozent an CO2 einsparen, rechnet man die gesamte Lieferkette, sind es sogar 18 Prozent. Beim Fahren mit Flüssiggas gibt es darüber hinaus so gut wie keine Feinstaubemission. Bei der gesamten Abgasemission sind Einsparungen von bis zu 80 Prozent möglich. Allein 2008 konnten durch die Nutzung von Autogas nach unseren Berechnungen rund 153.000 Tonnen an CO2-Emissionen eingespart werden.

pressetext: In einer aktuellen ADAC-Umfrage klagte ein Viertel der Gaskunden über Probleme mit der Autogasanlage. Gibt es zu viele "Schwarze Schafe" auf dem Markt und wie sieht es mit einer Zertifizierung aus?

Schneiderbanger: Der DVFG hat mit verschiedenen zugelassenen Überwachungsstellen ein Zertifizierungssystem entwickelt, das von einigen Prüforganisationen bereits angeboten wird. Das Zertifikat bescheinigt den Fachwerkstätten, dass sie die vorgegebenen umfangreichen Mindeststandards einhalten. So müssen die Werkstätten beispielsweise neben fachlichen und materiellen auch organisatorische Anforderungen erfüllen. Wir hoffen, dass dieses System schon bald bundesweit zum Einsatz kommt. Es gibt natürlich auch andere Möglichkeiten der Zertifizierung, etwa bei großen Ketten. Dem DVFG und seinen Mitgliedsunternehmen ist sehr an einer hohen Qualität im Markt gelegen. Leider gibt es in einem Wachstumsmarkt auch immer wieder "Schwarze Schafe". Deshalb lautet unser Tipp an die Verbraucher: Holen Sie sich mindestens zwei oder drei Angebote ein. Fragen Sie nach der Erfahrung der Autowerkstatt mit Flüssiggasanlagen sowie entsprechender Zertifizierung. Achten Sie darauf, dass die Anlage des Herstellers für Ihr Fahrzeug freigegeben ist. Zudem sollte die Anlage nach ECE R 115 genehmigt sein.

pressetext: Vielen Dank für das Gespräch. 

Quelle: pressetext.deutschland (Jörn Brien)