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Droht dem Handschlag nach der Pandemie das k. o.?

Archivmeldung vom 17.05.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 17.05.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Bild: isinor / pixelio.de
Bild: isinor / pixelio.de

Angezählt scheint er laut einer aktuellen Umfrage in Deutschland bereits. Darin wurde ermittelt, an welchen Corona-Gewohnheiten die Befragten höchstwahrscheinlich nach der Pandemie festzuhalten gedenken. Mehr als die Hälfte von ihnen - 62 Prozent - äußerten zum Handschlag, dass sie auch nach der Corona-Pandemie lieber freundlich grüßen wollen, statt anderen die Hand zu geben.

Bei den Frauen liegt der Anteil derer, die künftig an dieser Gewohnheit festhalten wollen, sogar bei 70 Prozent. Das Ergebnis mag auf den ersten Blick überraschen, wurden den Deutschen doch lange Zeit "weltmeisterliche Qualitäten" zugeschrieben, was die Häufigkeit und Beliebtheit des Händedrucks zur Begrüßung angeht.

Oft wird allerdings unbeachtet gelassen: Auch bereits vor der Pandemie wuchs teilweise die Aversion gegen dieses "ewige Händeschütteln". Was nichts daran ändert, dass die "Pro-Handschlag-Liga" ihn nach wie vor schmerzlich vermisst und ihn nur gezwungenermaßen so lange wie unbedingt notwendig vermeidet - und das ist, Stand laut jetziger Umfrage, immer noch knapp die Hälfte der Menschen in unserem Land. Somit wird erst die Nach-Corona-Zeit zeigen, wie sich die Gepflogenheit letztlich entwickelt. Zumal sich dabei viele derer, denen es trotz inzwischen schon mehr als einem Jahr währender "Übungsphase" nach wie vor schwerfällt, auf das Händegeben zu verzichten, immer noch als unfreundlich bis gar "unerzogen" fühlen - vermutlich wegen alter Erziehungsmuster. Ein weiterer möglicher Grund für das Unwohlgefühl: Anfangs wurden die dringenden Bitten, auf den Händedruck zu verzichten, unglücklicherweise teils als "Aufruf zur Unhöflichkeit" bezeichnet.

Begrüßungs-Höflichkeit neu definiert

Dem sei entgegengehalten: Die Definition, was als "höflich" oder "unhöflich" bezeichnet wurde, war schon immer unter anderem vom Zeitgeist und von jeweiligen Gegebenheiten abhängig. So kann die aktuelle Lage mit dieser Interpretation beschrieben werden: Abstand ist der neue Anstand! Deshalb hat die notwendige "Corona-Höflichkeit" bislang mit Blick auf den Händedruck zwei althergebrachte Empfehlungen auf den Kopf gestellt.

Erstens: Die Hand zur Begrüßung hinzustrecken, gilt auf alle Fälle so lange, wie es Pandemie bedingte Kontaktbeschränkungen gibt, als unhöflich. Der Grund: Damit wird ein Mensch in das sowohl Umgangsformen- als auch Gesundheits-Dilemma gebracht, sich für das Annehmen der Hand oder dagegen zu entscheiden. Um eine solche Zwickmühle zu vermeiden, ist die zweite seit langem bekannte Empfehlung zumindest vorerst während der Corona-Zeit außer Kraft gesetzt. Sie besagte, dass es unhöflich sei, eine zum Gruß ausgestreckte Hand "in der Luft" hängen zu lassen. Das bedeutet: Wenn Ihr Gegenüber - ganz gleich, ob aus alter Gewohnheit oder Ignoranz der aktuellen Situation - Ihnen die Hand hinstreckt, brauchen Sie keinerlei Höflichkeits-Skrupel zu haben, diese nicht zu ergreifen.

Wer sich wegen langer anders geübter Praxis dabei unwohl fühlt, kann dies dadurch mildern, dass die Situation angesprochen wird, etwa: "Ich bitte um Verständnis, aus bekannten Gründen verzichte ich konsequent auf das Handreichen". Einer zusätzlichen Erklärung bedürfte es wohl nur einem Alien gegenüber.

Ersatz-Begrüßungs-Berührungen - alle sinnvoll?

Offensichtlich ist das Bedürfnis vieler Menschen, sich doch wenigstens irgendwie zur Begrüßung zu berühren, enorm groß. Darauf lassen die zahlreichen inzwischen gefundenen Ersatz-Begrüßungs-Berührungen schließen. Diese sind zwar durchaus als kreativ zu bezeichnen. Praktisch und den Sinn der aktuell immer noch empfohlenen Abstands-Einhaltung sowie Berührungs-Vermeidung erfüllend sind sie hingegen längst nicht alle. Beispiel: der "Ellenbogen-Stupser". Bei dieser Praxis wird unausweichlich der wichtige Mindestabstand von 1,5 Metern unterschritten, da es wohl als sehr unrealistisch eingestuft werden kann, dass zwei sich begegnende Menschen jeweils eine Oberarmlänge von gut 70 Zentimeter aufweisen können. Kommt die Betrachtung der modernen Nies- und Husten-Hygiene dazu, die bei Ermangelung eines (Papier-)Taschentuchs empfiehlt, in die Ellenbogenbeuge zu niesen oder zu husten, bekommt eine solche Ersatz-Begrüßung einen noch negativeren Beigeschmack.

Deshalb ist es genauso wie beim Ausschlagen eines Händedrucks keine Unhöflichkeit, ein "Ellenbogen-Angebot" nicht anzunehmen. Zumal es auf manche Menschen aggressiv wirkt. Wenn unter Befreundeten oder gut Bekannten dennoch diese Art praktiziert wird, sollte vorher geklärt sein, ob alle Beteiligten sie als angenehm empfinden.

Ähnliches gilt für beispielsweise die "Faust-gegen-Faust-Begrüßung", auch "Fist Bump" genannt. Eine solche birgt ebenfalls die Gefahr, dass der hilfreiche Mindestabstand unterschritten wird und produziert auf jeden Fall die Berührung zweier Hände. Anders kann das beim "Füßeln" sein, wenn zwei recht Gelenkige aufeinandertreffen. Dies bietet sich allerdings dennoch eher für inoffizielle Situationen und unter relativ sportlich Veranlagten an.

Prominente Beispiele: Wertschätzung mit einem Gruß zeigen

Erleichtern wir uns doch am besten die ohnehin schon mit zahlreichen Herausforderungen gespickte Zeit der Pandemie - und vielleicht direkt auch die Gepflogenheiten für die Nach-Corona-Zeit -, indem wir beschließen: Ein freundlicher Gruß aus dem gebotenen Abstand heraus ohne Körperkontakt zeigt genauso viel Wertschätzung wie unsere bislang praktizierten Begrüßungen mit einem solchen. Die Auswahl dafür ist zum Glück umfangreich.

Ein Kopfnicken verbunden mit Blickkontakt und einem Lächeln - was beides übrigens zu allen Grußformen die "krönende Beigabe" ist - kann bereits reichen. Dazu eine Hand zu heben, war auch schon vor Corona-Zeiten eine oft gebrauchte Form, beispielsweise, um im Vorbeigehen zu grüßen. Auch die Variante, beide Unterarme etwa in Taillenhöhe noch vorne zu strecken, signalisiert dann Offenheit und "Sie sind mir willkommen", wenn die Handflächen nach oben zeigen. Etwas ausdrucksstärker kann die Geste wirken, in Verbindung mit den bereits erwähnten Zusatz-Details bei einem Gruß die Hand aufs Herz zu legen und das Kopfnicken durch eine leichte Verbeugung zu erweitern.

Eine solche gehört auch zum Namasté-Gruß, der zum Beispiel in Indien am meisten verwendeten Gruß-Form. Diese ist zumindest den Menschen in unserem Land bereits vertraut, die sich mit Yoga beschäftigen, weil sie dort in jeder Stunde als Symbol der Dankbarkeit und des Respekts praktiziert wird. Der aus dem indischen Sanskrit stammende Begriff Namasté setzt sich zusammen aus den Silben nama (verbeugen), as (ich) und té (du). Übersetzen lässt er sich also etwa mit "Verbeugung zu dir" oder "Ich verbeuge mich vor dir". Das Wort braucht dabei nicht zwingend ausgesprochen zu werden, die dazugehörende Gestik drückt auch allein genügend großen Respekt aus.

Dabei werden die Handflächen vor der Brust oder, um beim Yoga-Wortschatz zu bleiben, dem Herz-Chakra, aneinandergelegt und damit das Neigen des Kopfes verbunden. Diese Art des Grüßens drückt viel Wertschätzung aus. Selbst dann, wenn kleine Details des "Original-Namasté" - etwa das Schließen der Augen oder eine durch Positions-Veränderung der Hände erhöhten Respekt ausdrückende Variante - bei ihm als adaptierten Alltags-Gruß in Deutschland nicht praktiziert werden. Als sehr prominentes Beispiel hat Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits Ende Juni 2020 den französischen Präsidenten Emmanuel Macron bei seinem ersten Besuch bei ihr in Corona-Zeiten so empfangen und beide hatten denselben Gruß erneut beim Treffen in Frankreich im August des letzten Jahres gewählt.

Quelle: Allgemeiner Deutscher Tanzlehrerverband - ADTV (ots)


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