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"Scheunenfund": Erster Bulli-Radarblitzer nach 54 Jahren entdeckt

Archivmeldung vom 14.02.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 14.02.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
Bild: "obs/Volkswagen Nutzfahrzeuge"
Bild: "obs/Volkswagen Nutzfahrzeuge"

Ein seltener Bulli-Fund ist jetzt wichtiger Bestandteil der Oldtimersammlung von Volkswagen Nutzfahrzeuge in Hannover geworden: Der erste Bulli, der als Radarblitzer zu Schulungszwecken der Polizei in Niedersachsen im Einsatz war. Der 66 Jahre alte T1 stand über 54 Jahre weitgehend unbeachtet in Scheunen und Garagen. Sein Radar-Messprinzip von damals ist noch heute der Schrecken vieler Autofahrer.

Das Fahrzeug (Bj. 1953, Tachostand: 65.144 Kilometer, 18 kW/25 PS, damaliger Neupreis 6.750 DM) wurde von der Polizei-Beschaffungsstelle Niedersachsen erworben. Nach seinem Einsatz für die Polizei Hannover wurden von 1961 bis 1964 damit Polizisten für den Umgang mit mobilen Radarmessungen geschult. Polizei-Mitarbeiter der "Ausbildungsstelle für Technik und Verkehr" installierten in das Heck des blauen Fahrzeugs ein Blitzgerät, das mit einer Verschlussklappe getarnt war. Die Radaranlage selbst war im Innenraum untergebracht. Hier werteten Beamte an einem kleinen Schreibtisch die ermittelten Daten aus.

Bis zur Einführung der Radarmessung in Deutschland vor 60 Jahren wurden Geschwindigkeitsübertretungen noch mit Stoppuhren ermittelt. Die erste offizielle Radarmessung fand am 15. Februar 1959 in Nordrhein- Westfalen an einem Straßenabschnitt zwischen Düsseldorf und Ratingen statt.

Heinz Scholze (89), damals Polizeihauptwachtmeister, war Teilnehmer des "2. Radarlehrgangs" 1961 in Niedersachsen: "Das war absolutes Neuland - für die Verkehrsteilnehmer und für uns. Wir hatten mit dieser neuen Technik ja überhaupt keine Erfahrung. Deshalb wurden wir mehrere Wochen geschult."

Für Einbau und Wartung der Telefunken-Anlagen Typ

"VRG2-Verkehrsradargerät" war damals Polizeihauptmeister Dieter Dell (79) verantwortlich: "Das war technisch ziemlich aufwändig, alles in den Bulli unterzubringen und zu verkabeln. Das Blitzgerät im Heck tarnten wir durch eine Klappe in Wagenfarbe." Nach dem damaligen Radar-Messprinzip werden zum Teil noch heute Temposünder ermittelt.

1964 meldete die Polizei den Bulli ab, er ging in Privatbesitz über. Der Blitzer-Bulli landete in Garagen und Scheunen. Der letzte Eigentümer, ein Kfz-Meister aus Hannover, stellte ihn in seine Garage im Stadtteil Badenstedt. Das Fahrzeug stand hier zwar vor Witterungseinflüssen geschützt - blieb aber jahrelang weitgehend unbeachtet. Aus Zeitmangel fand eine geplante Restaurierung nie statt, und so landete das Fahrzeug bei Volkswagen Nutzfahrzeuge Oldtimer (VWNO) im nahegelegenen Stadtteil Hannover-Limmer. Die Fahrzeug-Experten ließen das Fundstück überwiegend im Originalzustand, ergänzten es um fehlende, zeitgenössische Ausstattungsdetails (z.B. Mobiliar). Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt Braunschweig, die übrigens am 2. Dezember 1958 die Radar-Messtechnik freigab, hat sogar noch die passende Radaranlage im Bestand.

Tobias Twele (Projektleiter VWNO): "Es ist eine große Freude, diesen seltenen Bulli nun in unserer Sammlung zu haben und ihn auch der Öffentlichkeit vorzustellen. Dieser Transporter der ersten Generation beeindruckt mit seiner besonderen Geschichte und seinem authentischen Zustand." Und mit echter Bulli-Qualität: Nach dem Einbau einer neuen Starterbatterie und einem Motorölwechsel sprang der Motor sofort wieder an - trotz 54-jähriger Standzeit.

Quelle: VW Volkswagen Nutzfahrzeuge AG (ots)

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