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"Kardinal Woelki mag keine PR"

Archivmeldung vom 06.08.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 06.08.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Kardinal Rainer Maria Woelki (2015) in der Mitte, Archivbild
Kardinal Rainer Maria Woelki (2015) in der Mitte, Archivbild

Foto: DIZer
Lizenz: GFDL
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Die Kommunikation rund um die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im Erzbistum Köln war von außen betrachtet eine Katastrophe. Im prmagazin-Interview sprechen die Krisenberater des Bistums nun erstmals darüber, wie es zu dem monatelangen Shitstorm kam und warum sie so wenig dagegen tun konnten.

Rechtsanwalt Carsten Brennecke (Kanzlei Höcker) und Krisen-PR-Profi Torsten Rössing (Ewald & Rössing) wurden vom Erzbistum als Berater engagiert, als im Frühjahr 2020 Zweifel an der Rechtssicherheit des ersten Missbrauchsgutachtens aus der Feder der Kanzlei Westphal Spilker Wastl (WSW) aufkamen.

Die Prüfung des Gutachtens durch Medienrechtler Brennecke ergab, dass der Entwurf die Grundsätze der Verdachtsberichterstattung und damit das Äußerungsrecht verletzte. "Wäre das Gutachten so veröffentlicht worden, wäre die Sache explodiert. Darin waren acht Beschuldigte namentlich benannt, zum Teil hochrangige Leute, jedenfalls keine, die sich so einfach zur Schlachtbank führen lassen", sagt Brennecke.

Die Entscheidung, die Veröffentlichung des Gutachtens zu verschieben, brachte dem Erzbistum massive Vertuschungsvorwürfe ein, die sich nicht entkräften ließen: "Wir mussten WSW an Bord behalten und durften die nicht öffentlich beschädigen", begründet Rössing.

Rückblickend sei es ein Fehler gewesen, WSW mit der Überarbeitung des Gutachtens zu beauftragen, so Brennecke: "Wir hatten uns dummerweise entschieden, das WSW-Gutachten nicht sofort zu stoppen und darauf zu vertrauen, dass WSW eine veröffentlichungsfähige Nachbesserung gelingt. Damals - im März 2020 - war das die richtige Entscheidung. Im Nachhinein war sie falsch."

Erst im Herbst 2020 beauftragte das Erzbistum die Kanzlei Gercke Wollschläger, ein ganz neues Gutachten zu erarbeiten. Währenddessen wurden die Berater mit immer neuen Vorwürfen zu Einzelfällen konfrontiert, auf die sie nach eigenem Bekunden nicht im Detail reagieren konnten, weil der Inhalt des entstehenden Gutachtens geheim war. "Wir hatten versprochen: Niemand kennt den Inhalt des Gutachtens bis zur Veröffentlichung - auch der Kardinal nicht. Das hat Kommunikation an einigen Tagen unmöglich gemacht", so Rössing.

Auch eine eigens eingerichtete Taskforce blieb weitgehend machtlos: "Die katholische Kirche generell und auch speziell dieses Bistum haben ein großes Problem mit Durchstechereien. Es gibt so viele divergierende Interessen, dass Sie immer davon ausgehen müssen, dass irgendwer etwas an einen Journalisten weitergibt - im Zweifel äußerst kritisch", sagt Rössing.

"Schon als wir in den ganzen Prozess reinkamen, war klar: Da gibt es jetzt kein wirklich positives Szenario mehr. Es wird bitter und düster bis zum Schluss", sagt Brennecke. "Wir haben hier eine Institution, die sich den Vertuschungsvorwurf über Jahrhunderte redlich verdient hat."

Den Vorwurf, Kardinal Woelki sei beratungsresistent und im Bistum herrsche eine Art "Führerbunker-Mentalität", weist der Anwalt indes entschieden zurück. "Die gesamte Debatte rund um die Missbrauchsaufarbeitung wird massiv dazu benutzt, Kirchenpolitik zu machen. Das nimmt auch die Presse nur zu gern auf", so Brennecke. "Es gibt einfach Leute, die versuchen, Woelki abzulösen. Er ist kein Selbstdarsteller. Er mag keine PR."

Quelle: prmagazin (ots)

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