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DLRG Zwischenbilanz 2022: Bisher 199 Menschen ertrunken

Freigeschaltet am 04.08.2022 um 11:14 durch Sanjo Babić
Bild: DLRG e.V. Fotograf: DLRG - Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft
Bild: DLRG e.V. Fotograf: DLRG - Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft

In den ersten sieben Monaten des Jahres 2022 sind mindestens 199 Menschen in deutschen Gewässern ertrunken. Das sind 15 Personen mehr als zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr (Stichtag 20. Juli). Das gab die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) am Donnerstag (4.8.) in Damp an der Ostsee bekannt.

Insgesamt 136 Menschen kamen seit Beginn der Badesaison Anfang Mai im Wasser ums Leben, neun mehr als im Vergleichszeitraum 2021. "Der trockene und sehr warme Mai hat viele Menschen direkt zu Wassersport und Erholung an die Gewässer gelockt. Dabei kam es vermehrt zu Unfällen in den noch kühlen Gewässern", erklärte die Präsidentin der DLRG, Ute Vogt. Im Mai ertranken 30 Frauen, Männer und Kinder (2021: 11).

Die Mehrzahl aller Unfälle ereignet sich weiterhin im Binnenland an zumeist unbewachten Gewässern. In Freigewässern wie Flüssen und Seen ertranken 180 Menschen, das entspricht 90 Prozent der Fälle. Ertranken in Seen ebenso viele Personen wie im Vorjahr (86), ist die Anzahl in den Flüssen von 53 auf 64 gestiegen. "Wir appellieren an die Vernunft der Menschen, nicht in völlig unbeaufsichtigten Seen und schon gar nicht in Flüssen schwimmen zu gehen. Wenn dort etwas passiert, ist die Aussicht auf lebensrettende Hilfe oft gleich null", so Ute Vogt.

In Nord- und Ostsee sind bisher vier Menschen ums Leben gekommen, deutlich weniger als 2021 (16). Dort werden zwischen Mai und September an sieben Tagen in der Woche viele Strände von - zumeist ehrenamtlichen - Rettungsschwimmern bewacht. Auch in Schwimmbädern (5), Hafenbecken (4) und Pools (1) kamen Personen zu Tode. Vier von fünf Opfern sind männlich. 87 Verunglückte (44 Prozent der Gesamtzahl) waren älter als 50 Jahre, zehn waren Kinder im Vor- und Grundschulalter. Die meisten Personen ertranken in Bayern (42), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (30) und Niedersachsen (23).

Rettungsschwimmer oft zur Stelle

"Die Zahl der Ertrunkenen wäre noch deutlich größer, wenn Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer nicht auch immer wieder zur Stelle wären", berichtete der Leiter Verbandskommunikation im DLRG Präsidium, Frank Villmow. Täglich erhalte er derzeit Meldungen über Lebensrettungen der Einsatzkräfte an den Badestellen im Binnenland und den Stränden an der Küste. "Immer wieder zeigt sich, dass vor allem Selbstüberschätzung, übermütiges Handeln und Unkenntnis über Gefahren zu Unfällen führen", sagte Villmow, der in Berlin seit Jahrzehnten auch Landeseinsatzleiter ist. In vielen Fällen stellten die Retter hinterher fest, dass die Geretteten kaum oder gar nicht schwimmen können. Oft handele es sich bei den Geretteten um Kinder und Jugendliche.

Im Hinblick auf die kommenden Sommerwochen appellierte Villmow deshalb an alle Badegäste und Schwimmer, sich vorsichtig zu verhalten, Gefahren zu meiden, die Baderegeln zu befolgen und auf seine Mitmenschen zu achten.

Den Blick in die Zukunft gerichtet, befürchtet DLRG Chefin Ute Vogt, dass die Sicherheit an den Gewässern leiden könnte. Während der Pandemie haben viel weniger Kinder als üblich das Schwimmen gelernt und es wurden nur halb so viele Rettungsschwimmer ausgebildet wie in normalen Jahren. Im Ergebnis suchten viele Freibäder vergeblich Personal für die Badeaufsicht und auch der DLRG fiel die Besetzung der Stationen an Nord- und Ostsee vor den Sommerferien deutlich schwerer als gewöhnlich. Vogt: "Sowohl in der Schwimm- als auch in der Rettungsschwimmausbildung sind weitere große Anstrengungen nötig, um das Verlorene aufzuholen." Deshalb müsse auch ein erneuter flächendeckender Lockdown der Schwimmbäder im Falle eines Energie-Engpasses im Herbst und Winter so lange wie möglich vermieden werden.

Bäder werden als Ausbildungsstätten dringend benötigt

In diesem Zusammenhang forderte die DLRG Anfang der Woche die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Länder auf, die Kommunen dabei zu unterstützen, die für die Ausbildung geeigneten Bäder auch bei Gasknappheit solange es geht geöffnet zu lassen. "Einen Beitrag zum Energiesparen könne die Bäderlandschaft aber leisten. Hierzu hat die Bäderallianz Deutschland einen Vorschlag gemacht, den wir unterstützen", so Vogt. Dieser Vorschlag ziele auf einen Drei-Stufenplan ab, der zunächst die Abschaltung beheizter Außenbecken vorsieht, dann das Schließen aller rein freizeitorientierten Becken und schließlich das Absenken der Wassertemperatur in Sport- und Lehrschwimmbecken auf 26 Grad.

Quelle: DLRG - Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (ots)

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