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Curevac-Studienleiter: „Es wird Todesfälle geben und man wird sie untersuchen müssen“

Archivmeldung vom 21.12.2020

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 21.12.2020 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Anja Schmitt
ÖAW-Materialforscherin Megan Cordill am Mikroskop
Quelle: ÖAW (idw)
ÖAW-Materialforscherin Megan Cordill am Mikroskop Quelle: ÖAW (idw)

Biontech, Moderna, Curevac – alle mRNA-Impfstoffe haben gemeinsam, dass sie zum ersten Mal im Kampf gegen einen Erreger am Menschen erprobt werden. Aber sie blicken auf eine 30-jährige Forschungsgeschichte und wurden bereits oft im Kampf gegen den Krebs erprobt. Gibt es von dieser Richtung her Antworten auf die Frage nach Langzeitfolgen? Das russische online Magazin „SNA News“ fragt nach.

Weiter ist auf der deutschen Webseite des russischen online Magazins "SNA News " zu lesen: "Am kommenden Montag wird die europäische Arzneimittelbehörde (Ema) über eine Zulassung des mRNA-Impfstoffs genbasierter Impfstoff des deutschen Unternehmens Biontech entscheiden. Wenn die Entscheidung positiv ausfällt, wird zum ersten Mal ein Impfstoff auf Basis von mRNA in Europa zugelassen. In anderen Ländern, etwa in den USA und Großbritannien, wird der Boten-RNA-Impfstoff jetzt schon eingesetzt.

Das einzige Problem daran ist: mRNA wird hier zum ersten Mal gegen Viren beim Menschen eingesetzt und die Langzeitfolgen dieser Anwendung sind darum nicht bekannt. Versuche etwa gegen Influenza wurden bislang lediglich an Tieren unternommen, an Menschen wurde mRNA nur in der Krebsbekämpfung eingesetzt. Versuche in der Krebsforschung laufen schon seit etwa 30 Jahren.

Zu den Hintergrund-Informationen hat SNA-News Peter Kremsner gefragt, er ist Leiter der Studie zum mRNA-Impfstoff von Curevac an der Universtität Tübingen.

- Herr Kremsner, als Impfstoff gegen Krankheitserreger kommt mRNA erstmals zum Einsatz, in der Krebstherapie dagegen wird das schon länger verfolgt. Seit wann betreibt man diese Forschung schon und was sind Erfahrungen vor allem mit Blick auf die Patientensicherheit bei der Krebsbehandlung mit mRNA?

mRNA als Idee für einen Impfstoff gibt es schon seit über dreißig Jahren. Der Kollege Phil Felgner und ungarische Kollegen waren schon Ende der 80er- und in den 90er-Jahren dran. Dann wurden die ersten Firmen gegründet und später auch erste klinische Versuche durchgeführt, vor allem im Krebsbereich.

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, warum man damit den Krebs besiegen kann. Das kann ich mir nicht vorstellen und wundere mich nur, weil man einfach die Zielantigene (Anm. d. Red.: Strukturen, die das Immunsystem erkennt und auf die hin es eine Immunreaktion startet) nicht kennt. Viel einfacher ist es bei Viren zum Beispiel und anderen Krankheitserregern. Da sind wenigstens die Zielantigene bekannt und da kann man auch einen Impfstoff machen. Bei dem Krebs klappt das vielleicht irgendwann, bisher hat gar nichts funktioniert. Bei Sars-Coronavirus-2 wird es klappen – bei Biontech, bei Moderna, auch bei Curevac. Es sieht ganz danach aus, dass das einen sicheren, verträglichen und wirksamen Impfstoff gibt.

- Wie ist denn eine Krebsimpfung mit mRNA vorzustellen? Man nimmt eine Krebszelle und ein Oberflächenprotein von ihr und konstruiert dann ein entsprechendes mRNA-Molekül?

Ja, und die verändern sich dauernd und jeder Tumor ist anders und so weiter. Ich verstehe nicht, wie das klappen soll.

- Also gibt es keine interessanten Ergebnisse aus der Krebsforschung?

Von der Wirksamkeit war das null, von der Sicherheit her waren gerade die ersten Versuche auch nicht unbedingt überzeugend. Daraus hat man aber viel gelernt inzwischen und diese mRNA besser in die Lipidpartikel (Anm. d. Red.: eine Fettschicht, die typisch für Zellen ist) verpackt. Jetzt sind sie mittlerweile schon ziemlich gut verträglich geworden.Von der Warte sehe ich jetzt kein Problem, da hat man zum Teil auch aus dem Krebsbereich gelernt.

- Eine andere Möglichkeit ist es ja auch, das Ganze auf Zellebene zu beobachten. Wurden da denn entsprechende Experimente durchgeführt, um zu betrachten, was da für Abläufe eigentlich stattfinden?

Das hat man gemacht, aber das sind alles in-vitro-Experimente (Anm. d. Red.: Experimente in der Petrischale an einzelnen Zellen), zum Teil Tierexperimente. Das ist immer schwierig auf den Menschen zu übertragen und man weiß dann auch nicht im Detail, was im Menschen passiert. Aber man kann nach einer kurzen Zeit nichts nachweisen und es ist sehr wahrscheinlich, dass die mRNA in die Zellen geht, die da liegen, wo man sie einspritzt – Muskelzellen im Wesentlichen – und da auch rasch abgebaut wird, nachdem Proteine umgeschrieben wurden.

- Interessant ist die Frage nach den Experimenten aus der Krebsforschugen zurzeit wegen der Langzeitnebenwirkungen, die bei den gegenwärtigen Geschwindigkeiten nicht ermittelbar sind. Welche Erkenntnisse gibt es da?

Da können wir bislang noch nichts sagen, außer dass wir nichts negativ Auffälliges gesehen haben. Auch bei den klinischen Versuchen, die ja schon vor zehn Jahren und noch längerer Zeit stattgefunden haben, ist nichts bekannt. Ich weiß nicht, wann die allerersten waren, aber die liegen viele Jahre zurück. Da ist nicht bekannt, dass irgendwelche Langzeitfolgen aufgetreten sind. Was gut ist. Auf der anderen Seite waren das alles kleine Studien. So ist die Chance gering, auch seltene Nebenwirkungen festzustellen, dafür sind große Studien notwendig. Bei Zulassungsstudien mit ungefähr 5000 Probanden oder Patienten kann man eben Nebenwirkungen, die in einer Häufigkeit von 1 zu 1000 auftreten, auch recht sicher feststellen. Und alles, was darüber hinausgeht, was 1:10000 auftritt, ist nicht zu ermitteln.

- Es gibt also Grund zur Hoffnung, dass es gut läuft, aber eine Gewissheit gibt es nicht.

Nein. Man weiß noch zu wenig, aber es ist nicht anzunehmen, dass etwas schiefgeht. Das müssen aber die großen Studien zeigen. Und dann gibt es noch die großen Nach-Zulassungsstudien, wo Forscher genau beobachten, was bei denen auftritt, die es gekriegt haben. Da wird natürlich noch vieles auftreten. Wenn man jetzt beginnt, alle Über-75-Jährigen zu impfen, dann wird es Todesfälle geben. Dann muss jeder Einzelne untersucht werden, ob er im Zusammenhang mit der Impfung steht. Aber 80-Jährige und 90-Jährige sterben halt auch innerhalb von einer Zeit X, auch nach der Impfung. Es ist zu erwarten, dass es viele Todesfälle gibt, weil ja vor allem, zum Teil Uralte geimpft werden.

- Das ist jetzt ein großes Feld, aber vielleicht können Sie das ja skizzieren: Wie weist man denn nach, dass ein Todesfall im Zusammenhang mit der Impfung steht oder einfach nur Zufall ist? Das ist wirklich sehr schwierig. Das Beste ist immer der zeitliche Zusammenhang und die Erwartungshaltung. Wenn es etwas gibt, wo man sich entlanghangeln kann, wenn so etwas Ähnliches in milderer Form passiert ist und dann in stärkerer Form passiert, ist der Zusammenhang möglich. Wenn es besonders zeitlich nah zur Impfung passiert – ebenso. Wenn Sachen erst Jahre später auftreten, ist es sehr schwierig, es sei denn es gibt eine Häufung. Die muss dann deutlich im Vergleich zur Hintergrundbevölkerung oder im Vergleich zu Kontrollpersonen statistisch signifikant gezeigt werden. Dann ist das assoziiert mit der Einnahme einer Medizin. Das ist aber sehr schwer zu zeigen und da gibt es auch viele Beispiele, die sehr kontrovers diskutiert werden. Manches ist klarer und manches bleibt nur ein Zusammenhang.

Und dann kann man nicht sagen: Diese und jene Impfung macht das und das. Anders als bei den Kopfschmerzen und Müdigkeiten, die direkt oder zehn Stunden nach der Impfung auftreten. Aber das kann man nicht sagen, wenn ein oder zwei Jahre später etwas auftritt und das auch nur bei vier oder fünf Fällen. So etwas wäre schon eine Häufung. Klar wird es dagegen bei hunderten Fällen, aber so etwas hatten wir bislang noch nicht.

Auszuschließen ist aber nichts. Man stirbt ja auch an Paracetamol oder Aspirin. Man kann bereits an einer normalen Dosis dieser beiden Mittel – die Millionen Menschen einnehmen – versterben. Und das geschieht sehr häufig sogar. Natürlich in einer Frequenz, die niedrig ist. Aber sehr viele nehmen das. Das ist sehr gut beschrieben, trotzdem nehmen die Menschen das.

- Und wie läuft das jetzt bei der Studie ab, wenn gehäuft Menschen sterben?

Man wird sich das einzeln anschauen. Das erste ist, dass die Prüfärzte, das in Verbindung mit dem Impfstoff bringen. Dann wird die Studie gestoppt."

Quelle: SNA News (Deutschland)

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