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Tiefe Probennahme aus dem Sediment des Bodensees

Archivmeldung vom 25.05.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 25.05.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
HIPERCORIG Beprobungssystem zur Gewinnung von Sedimentkernen bis 100 m Länge, aufgenommen während eines Tests auf dem Mondsee im November 2016, entwickelt in einem von der DFG geförderten Projekt.
Quelle: T. Yilmaz (idw)
HIPERCORIG Beprobungssystem zur Gewinnung von Sedimentkernen bis 100 m Länge, aufgenommen während eines Tests auf dem Mondsee im November 2016, entwickelt in einem von der DFG geförderten Projekt. Quelle: T. Yilmaz (idw)

Unter Leitung der Technischen Universität Braunschweig nimmt ein internationales Forscherteam Sedimentproben vom Boden des Bodensees. Dafür kommt erstmals ein neues System zum Einsatz, das Bohrtiefen von bis zu 100 Meter ermöglicht. Anhand der gewonnenen Sedimentkerne werden die Klima- und Umweltgeschichte in der Region sowie deren Auswirkungen rekonstruiert.

Auf dem Bodensee, circa zwei Kilometer südlich vor Hagnau, untersuchen Forscherinnen und Forscher den Seeboden mit einem eigens dafür entwickelten „Direct Push“-Beprobungssystem. Die Arbeiten stellen die Überführung und den ersten offiziellen Einsatz von HIPERCORIG dar. Mit diesem weltweit neuen System soll es möglich sein, in 200 Metern Wassertiefe bis zu 100 Meter tief in das Sediment des Seebetts einzudringen. So können Bohrkerne gewonnen werden, um an geologische, geochemische und biologische Analysen für Umwelt- und Forschungszwecke durchzuführen. Bisherige Daten beschränken sich auf die letzten 16.000 Jahre seit der letzten Eiszeit. Mit dem neuen System soll bis in die eiszeitlichen Ablagerungen vorgedrungen werden.

Die Basis der „Direct Push“-Beprobung ist eine sechs Meter breite und acht Meter lange Plattform. Darauf befindet sich ein Kolbenkernrohr, das mit einem sogenannten Imlochhammer, einer Weiterentwicklung aus dem Berg- und Spezialtiefbau, angetrieben wird. Der eigentliche Vortrieb des Kernstechens erfolgt umweltschonend direkt auf dem Seegrund. Die Plattform wird durch Verankerung nach vier Seiten örtlich fixiert. Das gesamte System kann in vier Containern verstaut werden und so weltweit zum Einsatz kommen.

Die Entwicklung des Stechsystems wurde gemeinsam von der TU Braunschweig, Institut für Geosysteme und Bioindikation, und der Hochschule Bochum, Internationales Geothermiezentrum, mit Unterstützung des Deutschen Forschungsbohrkonsortiums, GESEP e.V., beantragt und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert. Die Firma UWITEC aus Mondsee, Österreich, wurde mit dem Bau beauftragt. Diese Institutionen führen diese Beprobungskampagne mit Unterstützung des Instituts für Seenforschung, Langenargen, gemeinsam durch.

Für die Beprobungsarbeiten und die Auswertung hat sich ein internationales Konsortium gebildet. Neben der TU Braunschweig, der Hochschule Bochum und der Firma UWITEC sind an den Arbeiten auf dem See und an den Sedimentkernen das Institut für Seenforschung der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, Langenargen, die Universität Konstanz, das GeoForschungsZentrum in Potsdam, das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik in Hannover, das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde und die Universität Bern beteiligt.

Nach erfolgtem Test auf dem Bodensee steht das mobile Beprobungssystem für nationale und internationale Forschungsvorhaben zur Verfügung. Es wird zukünftig wegen seiner Mobilität in schwer zugängigen Lokalitäten oder auch entlegenen Regionen kostengünstig einsetzbar sein und eröffnet mit seiner methodischen Innovation neue Forschungsqualitäten.

Die DFG förderte die Entwicklung eines mobilen Mehrkomponenten-Bohrsystems mit 1,1 Mio. Euro (2016-2018). Der Abschluss des Projektes ist zum 01.07.2019 vorgesehen.

Quelle: Technische Universität Braunschweig (idw)

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