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Die ersten modernen Menschen erreichten Europa früher als bisher angenommen

Archivmeldung vom 03.11.2011

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 03.11.2011 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Archäologische Artefakte der Uluzzien Kultur aus der Grotta del Cavallo (Apulien, Süditalien).
Quelle: Foto: Prof. Annamaria Ronchitelli und Dr. Katerina Douka. (idw)
Archäologische Artefakte der Uluzzien Kultur aus der Grotta del Cavallo (Apulien, Süditalien). Quelle: Foto: Prof. Annamaria Ronchitelli und Dr. Katerina Douka. (idw)

Ein internationales Team von Paläoanthropologen und Archäolo-gen um Wissenschaftler der Universitäten Tübingen, Wien, Oxford, und des Senckenberg Forschungsinstitutes in Frankfurt am Main zeigt, dass die bisher den Neandertalern zugeschriebenen Funde aus der Grotta del Cavallo in Süditalien dem modernen Menschen zuzuordnen sind. Das Team konnte mittels Computeranalysen an fossilen Zähnen und Neu-Datierungen von Muschelresten eine frühere Besiedlung Europas durch anatomisch moderne Menschen beweisen.

Blick von vorne (mesial) auf Cavallo-B (linker oberer erster Milchmolar), dem bisher ältesten europäischen anatomisch modernen Menschen. Die weiße Linie in der Abbildung entspricht  1 cm.
Quelle: Foto: Dr. Stefano Benazzi. (idw)
Blick von vorne (mesial) auf Cavallo-B (linker oberer erster Milchmolar), dem bisher ältesten europäischen anatomisch modernen Menschen. Die weiße Linie in der Abbildung entspricht 1 cm. Quelle: Foto: Dr. Stefano Benazzi. (idw)

Die Grotta del Cavallo ist eine 1960 entdeckte prähistorische Höhlen-fundstelle in Apulien. Dort wurden Überreste der sogenannten Uluzzien-Kultur gefunden, die durch persönliche Schmuckreste, Knochenwerk-zeuge sowie Farbenreste gekennzeichnet ist. Solche Artefakte werden meist mit dem modernen Menschen in Zusammenhang gebracht. Bisher wurden allerdings zwei damals von Prof. Palma di Cesnola von der Uni-versität Siena gefundene Milchzähne als Zähne von Neandertalern an-gesehen. Diese Bestimmung verursachte intensive Diskussionen über die kognitiven Fähigkeiten und eine mögliche unabhängige Entwicklung symbolischen Verhaltens bei Neandertalern, welches demnach als ähn-lich der Kompetenz früher moderner Menschen angesehen wurde.

Dr. Stefano Benazzi von der Universität Wien und das internationale Forscherteam untersuchten dreidimensionale digitale Modelle der Zahn-reste aus der Grotta del Cavallo anhand computertomographischer Da-ten. Sie verglichen diese mit einer großen Anzahl von Zähnen moderner Menschen und Neandertaler. Zwei unabhängige Vermessungsmethoden dienten zum Vergleich der internen und externen Merkmale der Zähne, einschließlich der Zahnschmelzdicke sowie der generellen Umrisslinie der Kronen. Die Ergebnisse weisen die beiden Zähne aus der Grotta del Cavallo als Milchzähne von Kindern aus, die eindeutig zu den anatomisch modernen Menschen gehören. Prof. Katerina Harvati von der Universität Tübingen und dem dort angesiedelten Senckenberg Center for Human Evolution and Paleoecology, in deren Computertomographie-Labor ein großer Teil der Vergleichsuntersu-chungen durchgeführt wurde, sagt: „Unsere Analyse zeigt eindeutig, dass die Zahn-Überreste aus der Grotta del Cavallo von modernen Menschen stammen und dass deshalb die Uluzzien-Kultur dem modernen Menschen zugeordnet werden muss und nicht Neandertalern. Unsere Un-tersuchung betont die wichtige Rolle computertomographischer Verfahren und virtueller Anthro-pologie bei der Identifizierung und Interpretation fossiler Überreste.“ Dr. Ottmar Kullmer vom Senckenberg Forschungsinstitut Frankfurt ergänzt: „Fossile Menschenreste aus der Zeit dieser Übergangskulturen sind extrem selten und Milchzähne standen bislang nicht im Fokus solcher Vergleichsuntersuchungen.“

Neue Radiokohlenstoff-Datierungen von marinen Muschelresten aus der gleichen archäologischen Schicht wie die Zähne, die von Dr. Katerina Douka an der Radiocarbon Accelerator Unit der Universität Oxford durchgeführt wurden, ergaben ein absolutes Alter von etwa 43.000 bis 45.000 Jahren vor heute. Damit sind die Funde aus der Grotta del Cavallo die bisher ältesten Nachweise des modernen Menschen in Europa. Kullmer deutet dieses Ergebnis: „Der moderne Homo sapiens ist offensichtlich schon vor dem Beginn des Aurignacien, das heißt vor dem Beginn der jüngeren Altsteinzeit, in das bereits von Neandertalern besiedelte Europa eingewandert.“ Harvati ergänzt “Es scheint, dass sich der moderne Mensch als erstes entlang der mediterranen Küste ausbreitete. Dies unterstreicht die Wichtigkeit Südeuropas in der Verbreitung der frühen Menschen.“

Quelle: Eberhard Karls Universität Tübingen (idw)

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