Direkt zum Inhalt Direkt zur Navigation
Sie sind hier: Startseite Nachrichten Wissenschaft Sensationelle Schätze im Berliner Naturkundemuseum: Teile der Sammlung Albertus Seba wiederentdeckt

Sensationelle Schätze im Berliner Naturkundemuseum: Teile der Sammlung Albertus Seba wiederentdeckt

Archivmeldung vom 26.02.2014

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 26.02.2014 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Albertus Seba. Kupferstich von J. Houbraken, 1731.
Albertus Seba. Kupferstich von J. Houbraken, 1731.

Lizenz: Public domain
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Die Herpetologen Aaron Bauer (Villanova-University, USA) und Rainer Günther vom Museum für Naturkunde Berlin (MfN) machten eine sensationelle Entdeckung: Nach jahrelangen Recherchen wiesen sie Amphibien- und Reptilienpräparate aus der berühmten naturkundlichen Sammlung des Holländers Albertus Seba im MfN nach, darunter viele Stücke, die als Grundlage für die Erstbeschreibung von Arten dienten. Damit stammen die ältesten Exemplare der Herpetologischen Sammlung des MfN nicht, wie bisher angenommen, aus den 1770er Jahren sondern sind mindestens 40 Jahre älter. Die Entdeckung ermöglicht weitere Untersuchungen sowohl der Taxonomie der Arten, als auch der Geschichte der frühen Museumssammlungen.

Als ältestes Exemplar in der Herpetologischen Sammlung des Berliner Museums für Naturkunde (MfN) wurde bisher ein kleiner Skink angesehen, der von Ernst Bloch im Jahre 1776 unter dem Namen Lacerta serpens beschrieben worden war. Es wurde jedoch schon mehrfach vermutet, dass die Berliner Sammlung auch Exemplare aus dem Naturalienkabinett des Holländers Albertus Seba (1665-1736) enthält. Dieses Naturalienkabinett ist das wohl berühmteste Naturalienkabinett des 18. Jahrhunderts. Diese Vermutung konnten jetzt die Wissenschaftler Aaron Bauer (Villanova University, USA) und Rainer Günther (MfN, Berlin) bestätigen. Nach langjährigen Recherchen fanden sie in einer vom Grafen von Borcke im Jahre 1817 dem Zoologischen Museum der Berliner Universität (heute Teil des MfN) geschenkten Sendung verschiedene Amphibien- und Reptilien-Präparate von Seba.

Nach den Studien von Bauer und Günther könnten im MfN insgesamt 23 Individuen aus 21 Tierarten auf Sebas zweite Kollektion zurückgehen. Viele von ihnen haben Typenstatus, sind also die Grundlage für die Erstbeschreibung der jeweiligen Art. Am überzeugendsten ist das Präparat einer Riesenschlange (Phyton sebae), deren Bauch und Magen geöffnet wurden, so dass Kopf und Schnabel eines Vogels sichtbar sind. Das gleiche Präparat wurde in Sebas Thesaurus (1735) abgebildet und ist im Verkaufskatalog der zweiten Seba-Kollektion unter der Nummer 357 als „een gabandeerde Slang met een Vogeltje in de buik“ (eine gebänderte Schlange mit einem Vogel im Bauch) aufgelistet. So hat sich die von Borcke-Sammlung, die bisher nur als relativ unbedeutende frühe Schenkung an das Berliner Naturkundemuseum angesehen wurde, als einer der historisch wertvollsten Bestandteile der Sammlungen des Museums herauskristallisiert. Das Präparat von Python sebae (und wahrscheinlich viele weitere Exemplare dieser Schenkung) ist nun zumindest als das älteste herpetologische Material in der MfN-Sammlung anzusehen und geht mindestens auf das Jahr 1734, möglicherweise aber bis 1717 zurück, als Seba begann, eine neue Kollektion aufzubauen. Außerdem gewinnt die Berliner Sammlung eine neue historische Bedeutung dadurch, dass sie die wohl größte Zahl herpetologischer Objekte besitzt, die von Seba stammen und eine größere Anzahl ihrer Objekte mit Blasius Merrem, dem Autor mehrerer bedeutender herpetologischer Werke, assoziiert werden konnte. Die Entdeckung dieses Materials eröffnet die Möglichkeit für weitere Untersuchungen sowohl der Taxonomie der Arten, deren Typen wiedergefunden wurden, als auch der Geschichte der Museumssammlungen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts.

Quelle: Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung (idw)

Videos
Daniel Mantey Bild: Hertwelle432
"MANTEY halb 8" deckt auf - Wer steuert den öffentlich-rechtlichen Rundfunk?
Mantey halb 8 - Logo des Sendeformates
"MANTEY halb 8": Enthüllungen zu Medienverantwortung und Turcks Überraschungen bei und Energiewende-Renditen!
Termine
Newsletter
Wollen Sie unsere Nachrichten täglich kompakt und kostenlos per Mail? Dann tragen Sie sich hier ein:
Schreiben Sie bitte mykose in folgendes Feld um den Spam-Filter zu umgehen

Anzeige