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Publikum will Rache an fiktiven Schurken sehen

Archivmeldung vom 13.02.2020

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 13.02.2020 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Kick: Brutale Rache in Fiktion bevorzugt.
Kick: Brutale Rache in Fiktion bevorzugt.

Bild: unsplash.com, Luz Fuertes

Beim Entertainment wollen Menschen die Helden lieber brutale Rache an Bösewichtern nehmen sehen, als dass sie ihnen vergeben. Jedoch gelten Geschichten, in denen die Hauptfiguren mit ihren Antagonisten Gnade walten lassen, als tiefsinniger und bedeutsamer, wie eine Studie der Ohio State University zeigt.

"Gewalt ist nicht rational"

"Der Gedanke an Rache für ein Fehlverhalten sitzt tief in uns. Er ist ein Instinkt, der befriedigt werden will, weswegen eine Darstellung von Vergeltung uns emotional eher bewegt. Jedoch ist weitere Gewalt nicht rational und wir wissen das auch. Darum denken wir eher darüber nach, wenn der Held vernünftig handelt", meint Stefan Caduff, Geschäftsleiter der Medienpsychologie-Institution SAPIA, im Gespräch mit pressetext.

Die Wissenschaftler der Ohio State University führten ein Experiment mit 184 Studenten durch. Sie mussten 15 verschiedene Narrativen lesen. In einem Drittel davon wird der Bösewicht von seinem Opfer positiv behandelt, in einem Drittel erhält der Schurke eine gerechte Bestrafung und im letzten Drittel wird eine Missetat schwerer geahndet, als nötig gewesen wäre.

Vergebung macht nachdenklich

In einer Geschichte stahl ein Büromitarbeiter seinem Kollegen 50 Dollar. In einer Version der Geschichte lädt das Opfer ihn auf einen Kaffee ein. In einer anderen stiehlt der Bestohlene wiederum eine Flasche Whiskey im Wert von 50 Dollar von dem Dieb, also passt die Bestrafung zum Verbrechen. In der letzten Version holt sich das Opfer nicht nur das Geld zurück, sondern lädt auch noch pornografische Inhalte auf den Arbeits-Computer seines Gegners, um diesen zu verleumden.

Die Studienteilnehmer mussten per Knopfdruck entscheiden, welche Narrative sie am liebsten mochten. Es zeigte sich, dass überzogene Racheakte am populärsten waren. Die Forscher berechneten jedoch auch die Reaktionszeit von den Teilnehmern. Hier stellte sich heraus, dass die Entscheidung zu Rachegeschichten deutlich schneller war. Die Befragten brauchten deutlich länger, um bei einer Vergebungs-Geschichte ihre Wahl zu treffen. Danach sagten sie, dass es sie deutlich nachdenklicher gestimmt hat, wenn der Bösewicht verschont blieb.

Quelle: www.pressetext.com/Georg Haas

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