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DIW: Hohe Gaspreise durch versäumte Energiewende hausgemacht

Archivmeldung vom 23.09.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 23.09.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Während Politiker den Ausstieg aus der Kohlekraft planen, werden weltweit tausende neue gebaut. Weiterhin wird jedes stillgelegte Kohlekraftwerk Deutschlands ins Ausland exportiert und dort wieder in Betrieb genommen. Wo liegt der Sinn darin?
Während Politiker den Ausstieg aus der Kohlekraft planen, werden weltweit tausende neue gebaut. Weiterhin wird jedes stillgelegte Kohlekraftwerk Deutschlands ins Ausland exportiert und dort wieder in Betrieb genommen. Wo liegt der Sinn darin?

Bild: Global Coal Plant Tracker; CoalSwarm; Platts WEPP / Eigenes Werk

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hält die stark gestiegenen Gaspreise für ein hausgemachtes Problem. Deutschland habe sich zu stark von russischem Gas abhängig gemacht und gleichzeitig den Ausbau erneuerbarer Energien nicht schnell genug vorangetrieben, sagte DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert dem Sender Phoenix.

Kemfert weiter: "Wir könnten leicht aus so einem Zangengriff heraus, indem wir die erneuerbaren Energien sehr schnell ausbauen und weniger fossiles Erdgas nutzen." Dies sei auch wichtig, um perspektivisch die Pariser Klimaziele zu erfüllen. "Der Erdgasbedarf muss tendenziell zurückgehen und je schneller wir im Land die erneuerbaren Energien ausbauen, desto unabhängiger machen wir uns von einer solchen Zwickmühle oder von Konflikten, die da sind."

Auf russischer Seite sieht die Energieexpertin ein klares Interesse an einer Verknappung der Gaslieferungen. "Russland schürt selbst den Eindruck, dass es mehr Gas liefern könnte, wenn es wollte. Es wurde gesagt, dass mit Inbetriebnahme von Nord Stream 2 mehr Gas nach Europa fließen könnte." Das lasse den Eindruck entstehen, dass man die Preise auf dem europäischen Erdgasmarkt künstlich hochtreiben wolle, um zumindest den Druck zu erhöhen, dass Nord Stream 2 rasch fertiggestellt werde, so Kemfert. Durch energetische Gebäudesanierung, mehr Ökostrom und eine Energiewende könnten perspektivisch auch die Haushalte entlastet werden, in der Umbruchphase müsse man diese durch eine Klimaprämie entlasten, fordert die Wissenschaftlerin. "Wenn es jetzt sehr starke Preissprünge gibt, empfehlen wir schon seit längerem, eine Pro-Kopf-Klimaprämie an die Haushalte auszuzahlen, damit man auch diese Wohnlasten, die durch den Umstieg entstehen, etwas abpuffern kann", sagte Kemfert.

Quelle: dts Nachrichtenagentur


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