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Aleksander Ruzicka: Das erste Interview

Archivmeldung vom 08.09.2015

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 08.09.2015 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: Thorsten Freyer / pixelio.de
Bild: Thorsten Freyer / pixelio.de

Es war der größte Skandal, den die Werbewirtschaft jemals erlebt hatte: Als CEO soll Aleksander Ruzicka bis zum Jahr 2006 seinen Arbeitgeber, die Mediaagentur Aegis, um fast 38 Mio. Euro geprellt haben. Zu elf Jahren und drei Monaten Haft wurde der Manager damals verurteilt, im April wurde er vorzeitig entlassen. Jetzt packt er aus. Mit W&V führt er sein erstes Interview.

Darin spricht er etwa über seinen damaligen Spitznamen "Sonnenkönig": "Es gab Zeiten, da hab ich die Kuh fliegen lassen." Schließlich lebte er in einer Villa mit ägyptischer Saunalandschaft, im Boden versenkbaren Scheiben und zwei Enten im Garten. Doch den Namen hat er von dem ehemaligen Carat-Chef Kai Hiemstra, weil Ruzicka den Gewinn binnen sieben Jahren von 9 Mio. auf 70 Mio. Euro erhöhen konnte.

Detailliert berichtet Ruzicka davon, wie er es mit der Kundenpflege hielt: "Wenn einer Jäger war, haben wir ihn zur Hirschjagd eingeladen. Sie haben das Kundenohr nirgendwo so lange und so ungestört wie auf einem Hochsitz." Dabei habe er lieber gleich ein Kontingent gekauft, etwa 50 Hirsche für 100.000 Euro. "Das ist rein mathematisch betrachtet viel billiger." Dann machte er ein "Rundumpaket", sagt Ruzicka. "Der Kunde bekommt seine Gummistiefel, seine Unterwäsche, ein Fernglas, damit der nichts mitbringen muss."

Die Abrechnungen liefen dann oft über Ruzickas eigene Firmen wie Camaco und Watson, die laut damaliger Anklage den Hintergrund gehabt hätten, "die privaten Bedürfnisse von mehreren Personen zu bedienen". Dabei soll zum Teil auch der Rechnungsgegenstand geändert worden sein, etwa in Beratungsleistungen.

Gegen Bestechungsvorwürfe wehrt sich Ruzicka bis heute: "Es geht nicht um Bestechung, sondern um eine gemeinsame Zeit mit dem Kunden. Das hat dazu geführt, dass wir Neugeschäft ohne Ende bekamen."

Der damalige Skandal hat bis heute Auswirkungen auf Usancen der Mediabranche. Wie man mit Naturalrabatten, Kickbacks und Trading umgeht, alles versteckte Rabattvariationen, die vor allem bei der Schaltung von TV-Spots eingesetzt werden, sei erst juristisch behandelt worden, nachdem Ruzicka schon verurteilt war: "Wäre die zivilrechtliche Klärung vor meinem Verfahren erfolgt, wäre ich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht verurteilt worden."

Der Manager, der seine Strafe verbüßt hat, möchte weiterhin in der Branche mitmischen. Er arbeitet für Inzide. Das sei keine Mediaagentur, sondern eine Beratung in der Mitte des Dreiecks Agenturen, Werbekunden, Medien. Ruzicka möchte Medien helfen, "sich nicht mehr ganz so schlimm von Agenturen erpressen zu lassen."

Quelle: W&V Werben & Verkaufen (ots)

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