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KfW Research: Stromversorgung in Europa - auf dem Weg zur Dekarbonisierung bis 2040

Archivmeldung vom 11.04.2024

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 11.04.2024 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Mary Smith
Bild: KfW-Bildarchiv / Rüdiger Nehmzow
Bild: KfW-Bildarchiv / Rüdiger Nehmzow

Bis 2050 will Europa als erster Kontinent klimaneutral sein. Gemäß der jüngst veröffentlichen Zwischenziele strebt die Europäische Union an, den Stromsektor bereits bis zum Jahr 2040 nahezu vollständig zu dekarbonisieren. Eine aktuelle Studie von KfW Research untersucht, wie es aktuell um die Dekarbonisierung der Stromversorgung in Europa bestellt ist. Die KfW stellte die Studie am Donnerstag in Frankfurt am Main vor.

In den vergangenen 30 Jahren hat sich der CO2-Fußabdruck einer produzierten Kilowattstunde Strom halbiert: Wurden im Jahr 1990 noch 500 g CO2 pro Kilowattstunde Strom emittiert, war es im Jahr 2022 mit 251 g nur noch die Hälfte. Einen Anteil an dem Rückgang hat das im Jahr 2005 eingeführte europäische Emissionshandelssystem für CO2-Zertifikate. Es setzt wirtschaftliche Anreize für einen Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger und erfasst europaweit rund 9.000 Anlagen der Energiewirtschaft und der energieintensiven Industrie. Damit deckt es rund 40 % der Treibhausgasemissionen in Europa ab.

Weltweit stammen 83 % des Kapazitätszuwachses in der Stromerzeugung im Jahr 2022 aus erneuerbaren Energien (295 Gigawatt). Immerhin 20 % hiervon entfallen auf den europäischen Kontinent (58 Gigawatt). Das ist deutlich mehr als in Nordamerika (29 Gigawatt) und wird nur durch den massiven Ausbau in China übertroffen (141 Gigawatt). Im Jahr 2023 haben die erneuerbaren Energien mit rund 44 % des in der EU erzeugten Stroms einen neuen Höchstwert erzielt. Der Anteil der fossilen Energieträger fiel auf 34 %; 23 % entfallen auf Strom aus Kernenergie.

Obwohl die Richtung bereits stimmt, ist das bisherige Tempo der Emissionsreduktion im Stromsektor deutlich zu langsam. "Die Zielerreichung erfordert, ausgehend vom heutigen Niveau, nochmals einen deutlichen Ausbau klimafreundlicher Erzeugungskapazitäten. Dabei zeigen sich mit Blick auf den Strommix erhebliche Unterschiede zwischen den europäischen Mitgliedsstaaten", sagte Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW.

14 der 27 EU-Mitglieder erzeugen Strom hauptsächlich aus erneuerbaren Energien, hierunter auch Deutschland. Die Hauptenergieträger unterscheiden sich historisch gewachsen deutlich: So decken beispielsweise Österreich 56 % der Stromerzeugung durch Wasserkraft und Dänemark 59 % durch Windkraft. Daneben gibt es fünf EU-Länder, die mehrheitlich Strom aus Kernenergie nutzen, sowie acht Länder, die ihren Strom noch hauptsächlich auf Basis fossiler Energieträger erzeugen, vornehmlich Kohle und Gas.

Erdgas ist der einzige Energieträger, der in allen europäischen Ländern in der Stromversorgung eingesetzt wird. In Deutschland liegt der Anteil gasbasierter Stromerzeugung bei 15 % - und damit unter dem europäischen Durchschnitt. Auf dem Weg zur Klimaneutralität gilt Erdgas als Brückentechnologie, allerdings müssen neue Gaskraftwerke perspektivisch wasserstofffähig sein.

Mit Blick auf die Kernenergie verfolgen die Länder in Europa sehr unterschiedliche Strategien. In Deutschland ist im vergangenen Jahr der letzte Kernreaktor vom Netz gegangen, einige Länder sehen gänzlich von der Nutzung ab, etwa Italien oder Portugal. Andere Länder - wie beispielsweise Frankreich - setzen derzeit auf Kernenergie. Einige von Ihnen haben jüngst die europäische Nuklearallianz gegründet und das Ziel erklärt, die installierte Leistung an Kernenergie bis 2050 um 50 Gigawatt auf 150 Gigawatt auszuweiten.

"Es gibt deutliche Unterschiede zwischen europäischen Ländern beim aktuellen Stand des Ausbaus von Erneuerbaren", sagte Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. "Im Jahr 2023 haben lediglich drei EU-Mitglieder mehr als 75 % des Stroms erneuerbar produziert. Weitere zehn Länder liegen zwischen 50 und 75 %, darunter auch Deutschland. Deutschland zählt zu den Ländern, die mit ambitionierten Ausbau-Zielen vorangehen. Windkraft steht in Deutschland an erster Stelle. Auch das Potenzial von Photovoltaik ist indes noch in keinem europäischen Land ausgereizt", unterstrich Köhler-Geib.

Erstmals seit 2002 war der Stromaustauschsaldo Deutschlands im Jahr 2023 wieder von einem Importüberschuss gekennzeichnet, in Höhe von insgesamt 11,7 Terawattstunden. Der Importanstieg lag zum einen an der Stilllegung der letzten drei Kernkraftwerke in Deutschland und der im Vergleich zum Vorjahr höheren Verfügbarkeit der Kernenergie in Frankreich. Zum anderen schreitet aber auch der Ausbau der erneuerbaren Energien im europäischen Ausland voran und sorgte dort mit sonnenreichen Monaten und Phasen mit hohem Windaufkommen für ein größeres kostengünstiges Grünstromangebot. Rund drei Viertel des importierten Stroms wurde CO2-frei erzeugt. In Deutschland wurde hierdurch zum größten Teil fossile Stromerzeugung aus Kohle substituiert.

"Neben den Erzeugungskapazitäten sind die Integration der nationalen Strommärkte und die physikalischen Fähigkeiten des Stromtransportes entscheidend für eine kosteneffiziente Dekarbonisierung. Der Ende 2023 vorgelegte Aktionsplan der EU-Kommission zur Stärkung der europäischen Stromnetze ist daher zu begrüßen. Wird der Stromverbund weiter gestärkt und das Strommarktdesign zudem um Kapazitätsmärkte ergänzt, die Speicherlösungen und eine Nachfrageflexibilisierung berücksichtigen und auch europäisch gedacht werden, sind weitere Effizienzgewinne möglich", sagte Köhler-Geib.

Quelle: KfW (ots)

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