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EZB verlängert Anleihekauf-Programm - Anleger enttäuscht

Archivmeldung vom 03.12.2015

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 03.12.2015 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Mario Draghi Bild: European Parliament, on Flickr CC BY-SA 2.0
Mario Draghi Bild: European Parliament, on Flickr CC BY-SA 2.0

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat eine Verlängerung ihres Anleihekauf-Programms angekündigt und damit die Anleger enttäuscht. EZB-Präsident Mario Draghi sagte am Donnerstag, dass die Notenbanker zur Ankurbelung der Inflation und Konjunktur in der Eurozone mindestens bis März 2017 Wertpapiere in Höhe von monatlich 60 Milliarden Euro kaufen wollen. Falls nötig, werde das Programm solange fortgeführt, bis es eine "nachhaltige Korrektur" bei der Inflationsrate gebe, so Draghi.

Bislang war das Programm bis September 2016 angelegt. Der Schritt der EZB, die ein Inflationsziel von knapp unterhalb zwei Prozent verfolgt, enttäuschte die Börsianer, die offenbar mehrheitlich mit einer Ausweitung der Anleihe-Käufe gerechnet hatten:

Der DAX ging direkt nach der Ankündigung Draghis in den Sinkflug und verbuchte ein Minus von über 3,5 Prozent. Die europäische Gemeinschaftswährung tendierte nach der Ankündigung des EZB-Präsidenten stärker: Ein Euro kostete am Donnerstagnachmittag 1,0673 US-Dollar (+0,61 Prozent).

Kurz zuvor hatte die Notenbank den Einlagenzins für Banken auf minus 0,30 Prozent gesenkt. Der Leitzins und die sogenannte Spitzenrefinanzierungsfazilität, zu dem sich Geschäftsbanken im Euroraum kurzfristig Geld bei der EZB beschaffen können, verbleiben hingegen bei 0,05 beziehungsweise 0,30 Prozent. Der Einlagenzins, zu dem Geschäftsbanken kurzfristig nicht benötigtes Geld bei der EZB anlegen können, war zuletzt im September 2014 auf minus 0,20 Prozent gesenkt worden. Die neuerliche Absenkung soll die Kreditvergabe der Banken ankurbeln. Beobachter hatten im Vorfeld der Bekanntgabe mit einer Absenkung des Einlagenzinses für Banken gerechnet.

Bereits am Mittwoch hatte die Chefin der US-Notenbank (Fed), Janet Yellen, die Anleger hingegen auf eine Zinsanhebung in den Vereinigten Staaten noch in diesem Monat vorbereitet. Die Fed entscheidet am 16. Dezember über die Leitzinsen, die seit dem Jahr 2008 bei 0 bis 0,25 Prozent liegen.

Wirtschaftsweiser Bofinger lobt EZB

Der Ökonom und Wirtschaftsweise Peter Bofinger ist froh, dass die Europäische Zentralbank und ihr Chef Mario Draghi das monatliche Volumen der Anleihekäufe nicht weiter ausweiten. "Das hat mich freudig überrascht", sagte er dem "Tagesspiegel" (Freitagsausgabe). Die Auswirkungen der EZB-Politik seien jetzt schon enorm. "Angesichts der niedrigen Zinsen sollte die Bundesregierung dringend über eine staatliche Förderung der Altersvorsorge zum Beispiel in Form größerer Freibeträge nachdenken", forderte Bofinger. Der Ökonom kritisierte, dass sich die Politik, was die wirtschaftliche Entwicklung angeht, viel zu stark auf die EZB verlasse. "Die Geldpolitik ist schon jetzt klar überlastet", sagte Bofinger. So könnten die Staaten die Wirtschaft ein Stück weit auch selbst ankurbeln - zum Beispiel durch höhere Investitionen in Bildung oder Infrastruktur.

Der Ökonom Thomas Mayer übte dagegen deutliche Kritik an der EZB. Der frühere Chefökonom der Deutschen Bank kritisierte sowohl die Verlängerung des Anleihekaufprogramms als auch die Tatsache, dass die Notenbank nun fällig werdende Mittel reinvestieren will. Dadurch werde "der Druck auf die Staaten zur Konsolidierung ihrer Finanzen weiter sinken", sagte er dem Tagesspiegel.

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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