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Offenlegung der Abrechnung zu teurer Schulbauten: Jürgen Wagentrotz reicht Klage gegen "Menschen für Menschen" ein

Archivmeldung vom 22.11.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 22.11.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Karlheinz Böhm (2008)
Karlheinz Böhm (2008)

Foto: Foto: Michael Lucan, Lizenz: CC-BY-SA 3.0
Lizenz: CC-BY-SA-3.0
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Der Spendenskandal rund um Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe "Menschen für Menschen" weitet sich aus! Weil die Stiftung seit Jahren die Offenlegung der Abrechnung von Schulbauten verweigert, verklagt Großspender Jürgen Wagentrotz "Menschen für Menschen" jetzt auf Auskunft. Konkret geht es um die Elbahai-Schule und die Fugnan-Bira-Schule in Äthiopien, deren Errichtung der Unternehmer durch zweckgebundene Spenden in Höhe von 250.000 und 150.000 Euro im Rahmen von Charity-Versteigerungen ermöglicht hatte.

 Trotz mehrfachen Bittens hatte Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe bislang den Wunsch des Großspenders, der in den vergangenen Jahren mehrere Millionen Euro zugunsten der Äthiopienhilfe gespendet hatte, ausgeschlagen - teils mit haarsträubenden Begründungen. Jürgen Wagentrotz: "Dass ,Menschen für Menschen' sich weigert, mir Einblick in die Rechnungen zu gewähren, beweist, dass die Stiftung etwas zu verheimlichen hat. Wie wir aus sicherer Quelle wissen, könnten die Schulprojekte, für die ,Menschen für Menschen' heute rund 250.000 Euro veranschlagt, für mindestens 100.000 Euro weniger errichtet werden. Die Stiftung hintergeht mit ihren vermeintlichen Investitionen in die Bildung Äthiopiens den Spender."

Bereits seit Monaten steht Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe "Menschen für Menschen" scharf in der Kritik. Neben zu teuren Schulbauten werden der Hilfsorganisation auch die Ausbeutung von Tagelöhnern, das Vernachlässigen von Brunnen und Bildungseinrichtungen sowie das Horten von Spendengeldern in Millionenhöhe vorgeworfen. Tausende Spender forderten deshalb entschieden den Rücktritt der Vorsitzenden Almaz Böhm, die in der Schweiz mittlerweile bereits die Führung abgegeben hat. Und auch sonst schwindet das Vertrauen der Spender. Die Spendeneinnahmen sinken spürbar, in der Schweiz ist sogar von Einbrüchen um 50 Prozent die Rede.

Hintergehen der Spender

Die enormen Investitionen von "Menschen für Menschen" in den Bau von Schulen stehen deshalb sinnbildlich für die erschreckenden Entwicklungen bei der Hilfsorganisation. Jürgen Wagentrotz: ",Menschen für Menschen' behauptet gern, für integrierte ländliche Projekte zu stehen. Die Wahrheit sieht anders aus. Mittlerweile fließt der Großteil der Spendeneinnahmen ungefiltert in den Bau von Schulen, die auch noch viel zu teuer sind und nach dem Bau verwahrlosen. Andere Investitionen, z. B. in Gesundheit oder akute Hilfe, werden sträflich vernachlässigt. Mit Entwicklungshilfe hat dies nichts zu tun. Die Stiftung agiert wie ein Baukonzern." Die Fokussierung auf die Errichtung von Schulen hat laut Insidern mittlerweile vor allem damit zu tun, dass mit lokalen Baukonzernen unsaubere Geschäfte gemacht werden. So sollen Investitionen in die Schulen über dunkle Kanäle systematisch zurückgeflossen sein, um sogar private Projekte zu finanzieren. Laut Mitarbeitern wohnt die Familie von Almaz Böhm in Äthiopien beispielsweise in Luxusimmobilien und pflegt einen aufwendigen Lebensstil.

Aufarbeitung tut Not

Mit der Klage soll nun ein Anfang gemacht werden, die Verfilzungen bei "Menschen für Menschen" systematisch zu entwirren und - nach dem überfälligen Rücktritt des Vorstands - die Weichen für eine neue Zukunft zu stellen. Aktuell ist die Stiftung selbst nicht willens, zum Wohle der Spender einen Neuanfang zu wagen. Die Informations- und Aufklärungsplattform Spendenskandal.com hält ihre Spendenwarnung bezüglich "Menschen für Menschen" deshalb weiter aufrecht, solange die Vorwürfe nicht entkräftet sind.

Jürgen Wagentrotz: "Der Spender hat ein Recht darauf, zu erfahren, was mit seinem Geld geschieht. Für seriös arbeitende und nachhaltig agierende Hilfsorganisationen ist Transparenz in diesen Punkten eine absolute Selbstverständlichkeit. Solange ,Menschen für Menschen' Geld für unsinnige Projekte verschwendet, hat sie das Vertrauen der Spender nicht verdient. Deshalb hoffen wir sehr, dass wir nun rasch Klarheit über die Mittelverwendung beim Bau von Schulen erlangen und unseren Teil zur öffentlichen Aufklärung beitragen können." Auch das DZI hatte im Rahmen einer Sonderprüfung Buchhaltung und Organisationsstruktur von Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe scharf kritisiert.

Quelle: Initiative der Spender von Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe "Menschen für Menschen" (ots)

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