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Theologe und Bibelübersetzer widerspricht Papst in Vaterunser-Debatte - Deutsche Übersetzung des Gebets "ist präzise"

Archivmeldung vom 11.12.2017

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 11.12.2017 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
Furtmeyr-Bibel, Regensburg, 1470 (Augsburg, Universitätsbibliothek Cod.I.3.2°III, 2v)
Furtmeyr-Bibel, Regensburg, 1470 (Augsburg, Universitätsbibliothek Cod.I.3.2°III, 2v)

Bild: Universität Augsburg

Der Bochumer Professor für Exegese des Neuen Testaments, Thomas Söding, hat der Aussage von Papst Franziskus widersprochen, die deutsche Vaterunser-Bitte "Und führe uns nicht in Versuchung" sei "keine gute Übersetzung". "Seit Martin Luther ist die deutsche Übersetzung des Vaterunsers ein und dieselbe. Sie ist präzise, und sie ist tief.

Falsch ist nur die Behauptung, die Übersetzung sei falsch", sagte Söding in einem Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Montag-Ausgabe). Söding hatte in der Reformkommission mitgearbeitet, die 2017 eine Neufassung der Einheitsübersetzung der Bibel von Altem und Neuem Testament vorlegte. Er riet den Christen: "Sie sollen beten, was sie immer gebetet haben: Und führe uns nicht in Versuchung."

Der Papst hatte an der deutschen Vaterunser-Bitte kritisiert, dass nicht Gott, sondern der Satan in Versuchung führe. Söding erläuterte, der Papst wolle "zwischen einer philologisch richtigen Übersetzung der Bibel und der Sprache von Gebet oder Liturgie unterscheiden". Das sei nicht unmöglich. "Aber in diesem Fall bin ich dagegen", erklärte er. Zu Hinweisen, Jesus habe Aramäisch gesprochen, die Bibeltexte lägen aber nur in Griechisch vor, sagte der Theologe: "Uns ist als einzige verbindliche Quelle der griechische Text der Bibel zugänglich. Viele überlieferte Jesusworte darin sind so alt, wie sie nur alt sein können: Sie gehen zurück auf den Umkreis der ersten Jünger." Man könne nicht aus einer "angeblich falschen Übersetzung das richtige Original rekonstruieren wollen. Das ist methodisch absurd."

Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger (ots)

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