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Schule verbannt sexistisches "Rotkäppchen"

Archivmeldung vom 16.04.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 16.04.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Märchenklassiker: Stereotpen als Problem.
Märchenklassiker: Stereotpen als Problem.

Bild: Jo-B, pixabay.com

Die katalanische Escola Tàber hat "Rotkäppchen" aus der Vorschulbibliothek verbannt, da das Märchen aus Sicht der Schule sexistische Stereotype verbreitet. Insgesamt sind nach einer Prüfung 200 Bücher aus den Regalen geflogen, berichtet "El País". Denn nur zehn Prozent der Werke waren aus Gender-Sicht gänzlich unbedenklich, aber 30 Prozent gänzlich "toxisch". Erwischt hat es weitere Märchen, aber auch die Sage vom Heiligen Georg, dem Drachentöter, Schutzpatron der Provinz Katalonien.

Vielzahl an sexistischen Klassikern

"Die Gesellschaft verändert sich und ist sich der Geschlechterproblematik bewusster, doch das spiegelt sich nicht in Geschichten wider", sagt Anna Tutzó, Mutter und Teil jener Kommission, die die Bücher für Kinder bis sechs Jahren untersucht hat. Fast ein Drittel der Werke hatten der Untersuchung zufolge in Sachen Geschlechterdarstellung gravierende, weitere 60 Prozent leichte Mängel. Aus dem Bibliothekskatalog geflogen ist neben dem "Rotkäppchen" auch das "Dornröschen". Doch nicht nur Märchenklassiker seien problematisch. Erwischt hat es auch die Sage des katalanischen Schutzpatrons, die am Georgstag, dem 23. April, gern vorgelesen wird.

Kinderbücher über diese Sage stellen den Heiligen Georg meist als mutigen, heldenhaften Drachentöter vor, während oft eine Frau als verängstigte Prinzessin eine Nebenrolle spielt. Das steht für eben das, was Tutzó zufolge das häufigste Problem sei: Männlichkeit wird mit Tugenden wie Mut und Wettbewerbsstärke in Verbindung gebracht. Ebenfalls ein Problem sei, dass Gewalt - und seien es nur kleine Streiche - von Jungen ausgehe und an Mädchen ausgeübt werde. "Das vermittelt eine Botschaft darüber, wer gewalttätig sein darf und gegenüber wem", meint Tutzó.

Wachsendes Problembewusstsein

Tutzó zufolge wird die Escola Tàber nun auch die Werke der Grundschulbibliothek auf problematische Werke prüfen. Aus den Regalen fliegen solle dort allerdings nichts, da sich die älteren Kinder bereits kritisch mit problematischen Inhalten auseinandersetzen und daher daraus lernen könnten.

Indes befassen sich auch andere Schulen in der katalanischen Hauptstadt mit dem Thema. Sie machen sich mittlerweile Gedanken darüber, ob der Lesestoff für Kinder sexistisch ist und ziehen nach. An der Escola Fort Pienc beispielsweise prüft eine Gleichbehandlungskommission der Elternvereinigung unter anderem die Kinderbücher. Auch hier ist man der Ansicht, dass es besonders wichtig sei, gerade Vorschüler nicht unreflektiert mit veralteten Geschlechterstereotypen zu füttern.

Quelle: www.pressetext.com/Thomas Pichler

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