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Für Genscher war Richard Wagner zuerst ein Demokrat und Revolutionär

Archivmeldung vom 27.04.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 27.04.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Richard Wagner, 1871
Richard Wagner, 1871

Lizenz: Public domain
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher hat den Komponisten Richard Wagner in der Schule zuerst als Demokraten und bürgerlichen Revolutionär kennengelernt - ausgerechnet in der NS-Zeit. Sein Geschichtslehrer, schreibt Genscher in einem Beitrag für die Zeitungen der WAZ-Mediengruppe zur Würdigung des 200. Geburtstags von Wagner, habe auf diesem Umweg versucht, seine Schüler für demokratische, freiheitliche Werte zu begeistern.

"Den Antisemitismus Wagners erwähnte er nicht," betont der heutige Ehrenvorsitzende der FDP, "obwohl das gerade in jene dunkle Zeit gepasst hätte. So kam es, dass für den Knaben Hans-Dietrich Genscher Richard Wagner zuerst als Freiheitskämpfer ins Bewusstsein trat." Später habe ihm dann Roland Dumas, der französische Amtskollege im Außenministerium, der ursprünglich Opernsänger werden wollte, "Augen und Ohren für das künstlerische Werk Richard Wagners endgültig geöffnet."

Antisemitismus-Forscher kritisiert Verharmlosung von Richard Wagner

Der Antisemitismus-Forscher Matthias Küntzel hat eine zunehmende Verharmlosung des Komponisten Richard Wagner beklagt. "Im Wagner-Jahr 2013 ist die intellektuelle Rezeption seiner Werke durch das Konzept Droge ersetzt", schreibt Küntzel in einem Gastbeitrag für die "Welt am Sonntag". "Zur Zeit wird die Frage, wie die Judenfeindschaft des Komponisten die Musik und die Figuren seiner Opern prägt, nicht einmal gestellt." Wagner-kritische Wissenschaftler kämen derzeit in den Medien und bei wissenschaftlichen Konferenzen kaum vor, schreibt Küntzel. Statt Wagners unheilvollen Einfluss auf die deutsche Geschichte ernst zu nehmen, werde der Komponist immer häufiger zum Vorkämpfer für Freiheit und Menschenrechte stilisiert. "Die meisten Wagner-Verehrer ignorieren seinen Judenhass, weil sie ihr Bild vom Genie nicht beschmutzen und ihr heiliges Wagner Unser nicht infrage stellen wollen."

Matthias Küntzel gilt als einer der renommiertesten deutschen Antisemitismus-Forscher. Er hat mehrere Bücher zum Thema veröffentlicht. 2011 wurde er von der Anti Defamation League mit dem Ehrlich-Schwerin-Menschenrechtspreis ausgezeichnet. In seinem Essay erinnert Küntzel weiter an den prägenden Einfluss Wagners auf den Antisemitismus in Deutschland bis hin zum Nationalsozialismus. "In Wirklichkeit - daran lässt die Antisemitismusforschung keinen Zweifel - bildeten die Schriften Richard Wagners das Scharnier, dass die christliche Judenfeindschaft der Vergangenheit mit dem rassistischen Antisemitismus der Zukunft verband."

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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